• Karin Bat

Die schönen Künste im Zeichen der Waage

Planetare Einflüsse und Bildwirkungen der Venus-Energie in der bildenden Kunst. Eine astrologische Gemäldestudie von Künstlern, die im Sternzeichen Waage geboren wurden.

+++ CALENDARIUM ARTIFICIUM ASTRUM +++

ARIES TAURUS GEMINI CANCER LEO VIRGO LIBRA SCORPIUS SAGITTARIUS CAPRICORNUS AQUARIUS PISCES

Der Charakter der Waage (Libra) steht unter dem Einfluss des Planeten Venus, die in diesem Zeichen dem Element Luft angehört. Diesem weiblichen Himmelskörper entsprechend, will die Waage ihr Bedürfnis nach Schönheit und Harmonie auf elegante, leichte und angenehme Weise zum Ausdruck bringen. Schönheit will sich zeigen und Harmonie erweist sich am besten in der Begegnung. So geht es dem Waagegeborenen in besonderem Maße um die Selbstergänzung durch ein Gegenüber.


Bildnisse: Ausgeglichenheit und Schönheit Maler, die im Sternzeichen Waage geboren wurden, porträtieren mit Vorliebe Frauen, die sie stark und verführerisch darstellen. In solchen Personenbildern wird das weibliche Geschlecht in anmutiger, liebenswürdiger Haltung und zumeist in prachtvollen Gewändern aus edlen Stoffen gezeigt. Blumen spielen als Zierrat oder Muster eine große Rolle.


Dame im türkischen Kostüm Rosalba Carriera (*7. Oktober 1675)

Die italienische Pastellmalerin Felicità Sartori, die hier ihrer Lehrerin Rosalba Carriera als Modell diente, trägt ihr geblümtes Obergewand mit natürlicher Eleganz. Das türkische Kostüm scheint wie für sie geschaffen; es ist auf keinen Fall bloße Maskerade! Der Hauch des Orientalischen ist in der Waagemalerei sehr beliebt, weil es die Sinnenhaftigkeit und Farbenfreude der Venus besonders gut zum Ausdruck bringt. In diesem Fall ist es der locker fallende Kaftan aus Seide und der gefiederte Turban als modische Kopfbedeckung einer venezianischen Salondame. Auch die Haltung ist von besonderer weiblicher Anmut.


Das grüne Kleid

Frederick Childe Hassam (*17. Oktober 1859)

Wie wichtig der Waage die Gestaltung ihres Äußeren ist, zeigt dieses Bild, in dem der amerikanische Impressionist Frederik Hassam das Kleid der Dame in den Mittelpunkt stellt – ein grünes Kleid aus edlem Stoff mit dezenter, floraler Randmusterung. Die Dame sitzt auf einer Holzbank, bequem an mehrere Kissen gelehnt, umrandet von einem goldenen Paravent und einem leicht gebauschten Vorhang in einem exquisit ausstaffierten Raum. Vögel und hohe, sich wiegende Gräser deuten sehr zart das Luftelement der Waage an. Die Dame hat ihre Hände locker im Schoß gefaltet und scheint auf etwas zu warten, aber nicht in gespannter Haltung, sondern leicht gelangweilt. Waagegeborene erwarten den Reiz und die Anregung, die das Leben zu bieten hat, gerne von anderen. Deshalb sind sie ungern allein und blühen erst auf, wenn sie mit Charme und Esprit unterhalten werden.

Bildnis des Malers Heinrich Heinlein Wilhelm von Kaulbach (*15. Oktober 1805)

Im Sternzeichen Waage geborene Maler zeigen in ihren Kunstwerken auch Männer gerne von ihrer sinnenden Seite und betonen zugleich deren gutes Aussehen. Der hier von Wilhelm von Kaulbach dargestellte Künstler Heinrich Heinlein war in der Kaiserzeit sehr beliebt und ein gern gesehener Gast in kunstinteressierten Kreisen. Waagemaler porträtieren mit Vorliebe bildende und darstellende Künstler, weil die von der Venus dominierte Waage kulturelle Interessen verfolgt und dementsprechend gerne ihre Zeit mit künstlerisch bildenden Tätigkeiten und anregenden Begegnungen verbringt.


Portrait Friedrich/Frederick Burnaby James Tissot (*15. Oktober 1836)

Selbst Militärs werden von Waagemalern mit einer gewissen Anmut und Finesse porträtiert. Die Uniform ist für die Waage von Interesse, weil sie gut kleidet, jedenfalls nach dem Geschmack der damaligen Zeit. Ansonsten entbehrt die entspannte, leicht diagonale Haltung des Offiziers jeglicher martialischer Attitüde. Die militärische Ausrüstung ist auf einem geblümten Diwan gelandet, während die Bücher stapelweise neben ihm liegen. Auch ein Militär muss kulturelle Interessen ausgebildet haben, wenn er vor der Waage bestehen will. In Reminiszenzen wird Frederick Burnaby als grobschlächtiger Hüne mit Bärenkräften beschrieben. Dennoch zeigt ihn der Maler James Tissot kunstsinnig und belesen.

Umgebung: Harmonie in Landschaft und Architektur, kulturelle Städte Die Landschaftsbilder der Maler und Malerinnen, die astrologisch unter dem Einfluss der Venus stehen, zeichnen sich durch Ausgewogenheit, friedvolle Stimmungen und viel Atmosphäre aus. Das Luftelement der Waage kommt im weiten Himmel und in lichter Farbgebung zum Ausdruck.


Chiemseelandschaft Christian Morgenstern (*29. September 1805)

Vor uns liegt der bayerische Chiemsee mit stillem, unbewegtem Wasser. Die Berge bilden in weiter Ferne eine scheinbar schwerelose, lichte Kette, die keinerlei Gefahren zu bergen scheint. Wenige Boote sind auf dem See unterwegs. Es sind still dahingleitende Gefährte, die nicht auf eine fordernde Anstrengung hinweisen, sondern den meditativen Charakter dieses Seebildes betonen. Mit seinen Freilichtstudien trug Christian Morgenstern wesentlich zur deutschen Entwicklung des Vorimpressionismus bei. Seine Beobachtungen der Luftwirkung und die damit verbundene Verwandlung der Lokalfarbe sind einzigartig in der Malerei und zeugen vom Luftelement der Waage.


Der Rhein bei Laufenburg Hans Thoma (*2. Oktober 1839)

Hans Thoma nimmt das Rheinstädtchen Laufenburg aus einer leicht erhöhten Perspektive ins Blickfeld und fügt mehrere räumliche Fluchtpunkte geschickt ineinander. Ein Waagemaler setzt eine Landschaft nach Möglichkeit so ins Bild, dass sich alle Details harmonisch ineinanderfügen. Alte Städte bekommen unter dem Blick der Waage eine ausgeprägte Leichtigkeit und die Übergänge zwischen Stadt und Land verlaufen zumeist fließend. Begrenzende Mauern sind selten in ihrer Malerei und die spürbare Enge der alten Häusergassen wird hier gegensatzartig in der großzügigen Weite der Umgebung aufgelöst. Der Rhein, der sich in kurvigem Verlauf malerisch durch die Landschaft windet, glitzert als silbern schimmerndes Band im Tageslicht und bringt viel Helligkeit ins Bild. Die im Hintergrund verschwimmenden Hügel bilden eine weiche Kammlinie ohne schroff aufragende Spitzen. Der strahlende Himmel nimmt ungefähr ein Drittel des Bildes ein und bringt die elementare Luftigkeit der Waage gut zum Ausdruck.


Zwei Wanderer verweilen vor dem wunderschönen Panorama. Einer von ihnen weist auf das gegenüberliegende Ufer. Der an einer Stromschnelle gelegene Grenzort Laufenburg teilt sich durch den Hochrhein in zwei Teile – in die Schweizer und die Badener Seite, die seit dem Mittelalter durch die Laufenbrücke miteinander verbunden sind.

Jardin du Luxembourg Frits Thaulow (*20. Oktober 1847)

Der norwegische Naturalist Frits Thaulow stellt hier den Luxemburggarten, den königlichen Schlosspark von Paris, an einem Tag im beginnenden Frühling dar. Die Parks in den Städten sind beliebte Orte der Waagemaler, wo man sich gerne der Muße hingibt und wo immer die Möglichkeit besteht, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen, gesehen und wahrgenommen zu werden. Breite, gepflegte Wege laden zum Spaziergang ein, was auch in eleganter Kleidung möglich ist, da hier kein unwegsames Gelände droht. Ein Park entspricht weit mehr dem Naturell der Waage als die unberührte Natur, weil sie hier durch kunstvolle Gestaltung und ausgewählte Bepflanzung an ausdrucksvoller Schönheit gewinnt. Nirgendwo sonst lässt sich die Verschönerung der Natur durch den Menschen mehr bewundern. Fließende Übergänge zwischen naturbelassenen Umgebungen und von Menschen gestalteten Kulturbereichen sind in der Malerei der Waage sehr häufig und zeugen von einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen dem Menschen und seiner natürlichen Umwelt.

Korso in Venedig Maurice Prendergast (*10. Oktober 1859)

Städte werden von der Waage als kulturelle Umgebung wahrgenommen, durch die man herrlich flanieren kann. Für Maler dieses Sternzeichens, die vor allem italienische Städte lieben, sind sie jedoch nur dann interessant, wenn ihre Bauten von kunsthistorischer Bedeutung sind und der Ort einem entsprechenden Bildungsanspruch gerecht wird. Brücken sind in der Waagemalerei immer wieder ein Thema. Der amerikanische Aquarellist Maurice Prendergast nimmt die stark frequentierte Ponte della Paglia in Venedig auf eine Weise ins Bild, dass sie in ihrem symmetrischen Treppenbau die auf- und absteigenden Menschen mit ihren bunten Sonnenschirmen wie in einer harmonischen Choreografie vereint.


Geselligkeit, Kultur und Schönheit Die Waage liebt die lockere Geselligkeit, jedoch nicht als stillose Treffen. Vielmehr müssen die Zusammenkünfte mit Geschmack inszeniert sein, um dem harmonischen Miteinander einen entsprechenden Rahmen zu bieten. Festliche Anlässe sind ein beliebtes Thema in der von der Venus beeinflussten Malerei, gleich ob sie in Ballsälen oder in der freien Natur stattfinden. Bei diesen Gelegenheiten zeigt man sich in ausgewählter Garderobe, erlebt ausgiebig Musik, Tanz und Unterhaltung und genießt die charmante Galanterie zwischen den Geschlechtern.

Tee im Garten Jules Cayron (*28. September 1868)

Hier haben sich mehrere Damen zu einer lockeren Runde in einem sonnigen Garten eingefunden. Obwohl es sich um eine kleine, private Einladung handelt, tritt jede der Frauen besonders schick und elegant in Erscheinung. Zwei Damen sitzen am Tisch und genießen ihren Tee – stilgerecht serviert von einem zuvorkommenden Boy in Silberkanne und feinem Porzellan. Ein wenig abseits vom Tisch hält ein junges Fräulein einen Hund auf ihrem Schoß; ein Mädchen kniet daneben und streichelt ihn. Die Waage integriert Tiere gerne in ihr Leben, sofern sie domestiziert und gesittet sind. Im Zentrum des Bildes steht eine der Frauen vor einem schattigen Baum und schaut freundlich herüber. Es scheint bei dieser Zusammenkunft weder um den Austausch von Neuigkeiten aus der Gesellschaft noch um hochtrabende Gespräche zu gehen. Alle hier versammelten Personen ergehen sich in Muße und zelebrieren das Dasein.

Fair quiet and sweet rest Samuel Luke Fildes (*3. Oktober 1843)

Bei einer Bootsfahrt auf einem See geht es der Waage nicht um sportlichen Ehrgeiz, sondern um erholsame und entspannende Stunden der Muße. Die Männer lassen die Ruder ruhen, es wird musiziert und gesungen, um durch eine beschauliche Stimmung den Einklang mit der schönen Umgebung noch zu steigern. Sogar die Schwäne zeigen sich von dieser Stimmung erfasst. Sie und die aufgeblühten Seerosen überhöhen die Szenerie in ein Traumstadium, in dem es um die sinnliche Hingabe an den Augenblick und wohl auch um Verführung geht.


Das ehrenwerte Malermodell Pierre Antoine Boudouin (*17. Oktober 1723)

Menschen, deren besonderes Anliegen die Kreation von Schönheit ist – allen voran die Künstler – werden von Waagemalern gerne bevorzugt in ihrer Arbeitsumgebung gezeigt, wie hier in einem Atelier. Ein geheimer Vorteil des Malerberufs ist, dass Männer durch diesen leichter mit der Intimität der weiblichen Welt in Kontakt kommen. Wählt ein Maler beispielsweise eine Göttin aus der Mythologie als Motiv, braucht er hierfür ein Modell, das wie das antike Vorbild mitunter völlig unbekleidet zu sein hat. Der in diesem Bild dargestellte Künstler ist gerade dabei, eine Himmelsgöttin auf die Erde herabsteigen zu lassen, die nur von einem luftigen Stoff umweht wird. In derselben Körperhaltung steht ein junges Mädchen dem Meister Modell. Ihre Nacktheit ist ihr jedoch so unangenehm, dass sie sich aus Schamgefühl zierend abwendet und damit aus der Pose fällt, die der Maler festhalten wollte. Eine alte Frau – möglicherweise eine Gouvernante – hält das erbleichende Mädchen fest, tröstet es, und bedeckt es mit ihrem eigenen Umhang. Der Maler ist natürlich ungehalten, war er doch durch das Zusammensein mit der jungen Mademoiselle zu reiner Schaffensfreude angeregt. Wenn es um einen Konflikt zwischen Moral und Schönheit geht, entscheidet sich die Waage immer zugunsten der Schönheit.

Die Geburt der Venus Alexandre Cabanel (*28. September 1823)

Bei so tiefgreifender Verehrung für das Schöne erscheint die Venus in den Bildern der Waagemaler natürlich immer wieder in persona, etwa hier in berückender Sinnlichkeit in Die Geburt der Venus von Alexandre Cabanel. Das Gemälde wurde 1863 im Pariser Salon als Sensation gefeiert. Die Schaumgeborene scheint auf einer Meereswelle zu schweben und sinkt dabei kein Stück ins Wasser. Wie auf einen samtenen Teppich gebettet, wirkt sie noch ein wenig benommen von ihrer Gestaltwerdung, aber bereits ganz hingegeben an die sinnliche Welt. Ihr langes Haar fließt mit den Wellen; ihre Körperhaltung ist geschmeidig. Kräftige Amoretten umfliegen dieses bezaubernde Wesen und verkünden die Geburt der einzigartig schönen Göttin.

Venus ging aus einem Streit zwischen Uranus und dessen Sohn Saturn hervor, der seinen Vater entmannt, um selbst die Herrschaft in der Götterwelt zu erlangen. Das abgeschlagene Glied fällt ins Meer, aus dem die Liebesgöttin entsteigt, um endlich Harmonie und Liebe in den Götterhimmel und in die Menschenwelt zu bringen. Auch ihr wird diese Mission jedoch nicht gelingen, ist sie doch später der Anlass für einen der längsten Konflikte der antiken Mythologie, den Trojanischen Krieg, der durch den Streit dreier Göttinnen darüber ausgelöst wurde, wer von ihnen die Schönste sei.


Zweisamkeit: Paare, Liebe und Verführung Die Waage ist im Wesentlichen bezogen auf ein Gegenüber, das sie braucht, um sich vollständig zu fühlen. Künstler, die im Sternzeichen Waage geboren wurden, malen daher häufig Paare. Frauen, die von den Waagemalern stark und verführerisch dargestellt werden (Venus), stehen in enger Verbindung zu ihren Männern, aber sie lassen sich nicht von ihnen beherrschen. In einer Liebesverbindung geht die Waage mit viel taktischem Geschick vor.

Bal paré – Selbstbildnis mit Gattin (Ausschnitt)

Max Slevogt (*8. Oktober 1868)

In Tanzlaune zeigt sich der große deutsche Impressionist Max Slevogt mit seiner Ehefrau Antoine. Das Paar ist »bereit für den Ball«, unterwegs zu einer dieser prickelnden Geselligkeiten, wie sie die Waage so sehr liebt. Genau das will die Waage von ihrem Partner: sich très chic gemeinsam in der Öffentlichkeit zeigen und sich in unterhaltsame Situationen begeben. Die Dame steht in all ihrer Pracht im Vordergrund, während der Künstler von ihr halb verdeckt bleibt – dieser Vortritt mag davon zeugen, wie hoch die Waage das Weibliche schätzt. Sie trägt ein seidiges Taftkleid in Champagner-Farben mit üppig schwingender Krause; der Künstler ist ganz comme il faut im schwarzen Frack mit weißer Hemdbrust und Fliege. Das Paar geht eng beieinander, denn die Waage möchte gesellschaftlich-kulturelle Anlässe immer zu zweit genießen und dabei die Welt erleben. Man merkt ihnen an, dass sie routinierte Ballbesucher sind.


Jupiter und Juno auf dem Berge Ida James Barry (*11. Oktober 1741)

Das Götterpaar Jupiter und Juno ist wohl weniger für seine harmonische Zweisamkeit bekannt, als für seine dauernden Zwistigkeiten. Vielleicht liegt es daran, dass bereits der Beginn der Beziehung aus taktischen Gründen erfolgte. Wir sehen hier die Anfangssituation der Verbindung der beiden starken Götternaturen. Juno hat sich vorgenommen, Jupiter zu heiraten, um damit den Griechen den Sieg über Troja zu sichern. Sie verführt ihn also mit einem Hintergedanken. Durch Junos Höherstellung im Bild nimmt der irische Maler James Miranda Barry das Gelingen ihres Vorhabens bereits vorweg.

Die Waagefrau braucht in ihren Liebesbeziehungen einen Mann, durch den sie möglichst die Erfüllung ihrer Wünsche erreicht. So ist die Waage in der Liebe keineswegs altruistisch, sondern verfolgt ihre Eigenziele oft sogar mit strategischem Bedacht. Dabei legt sie ihre Absichten nicht offen, sondern gibt sich nach außen in größter Freundlichkeit, während sie die Beteiligten in ihre Pläne einspannt, ohne dass diese etwas davon merken.

Die großen Sirenen Paul Delvaux (*23. September 1897)

Auch wenn sie betörend schön und sanftmütig erscheinen, sind sie doch die berüchtigten Sirenen aus der griechischen Mythologie, die den Männern mit ihrer weiblichen Macht und Verführungskunst gefährlich werden können. Die Männer aber können gerade deswegen nicht von ihrem Liebesverlangen ablassen. Auch versteht es die Waage, etwaige Bedenken der Männer zu zerstreuen, für Ausgleich zu sorgen und alles wieder in ein harmonisches Licht zu tauchen.

Die Frauen, die der belgische Surrealist Paul Delvaux hier darstellt, befinden sich an einem nächtlichen Ort mit antiker Bebauung. Die meisten sind halbnackt, jedoch mit auffälligem Kopfschmuck bedeckt. Sie scheinen geduldig auf etwas zu warten. Nur ein Mann in Anzug und Hut kehrt ihnen in mittlerer Ferne den Rücken und richtet seinen Blick in eine unwirtliche Landschaft. Wer die Verbindung zum Weiblichen verliert, verliert den Reiz des Lebens, davon sind die Waagegeborenen überzeugt.

Harmonie, Ruhe und Frieden

Waagemalern liegt daran, der Schönheit zu huldigen und sie in der Kunst zum Ausdruck zu bringen. Ihre Bilder sollen auch den Betrachter in eine Welt der Ruhe und Harmonie führen.

Gelb über Purpur Mark Rothko (*25. September 1903)

Die Harmonie und Ausgewogenheit der Waagebilder ist in der neuzeitlichen Malerei ins Hintertreffen geraten, weil ausgewogene Schönheit oft als Harmlosigkeit angesehen wird. In der Farbfeldmalerei findet sie aber einen modernen Ausdruck. In diesen Bildern wird die innere Ruhe mit einer neuen, lichtdurchdrungenen Farbigkeit vermittelt. Mark Rothko, einer der Entwickler und Wegbereiter der Farbfeldmalerei, versuchte in seinen großformatigen Bildern mit nur wenigen, gestaffelten Farben eine lichte Raumtiefe zu erwirken. Auf diese Weise gelang es ihm, seine empfindsame Farbwahrnehmung als Meditation zu gestalten und schuf damit eine einzigartige Verbindung von sinnlicher Farbenkraft und vollkommen ruhiger Bildwirkung.


Heiliger Hain Arnold Böcklin (*16. Oktober 1827)


In den religiösen Bildern der Waagemaler zeigt sich häufig eine meditative Haltung. Die Göttlichkeit der Natur erschließt sich der Waage in der Inszenierung eines Rituals, wie hier der Aufzug der Adepten in einem Wald. Die Anhänger eines paganen Kultes verneigen sich vor einer Opferschale, in der eine heilige Flamme brennt. Alles geht in gemessenem Ablauf vor sich, um der Stille, in der sich das Göttliche am besten entfalten kann, Raum zu geben. Der Waage geht es nicht um die Befolgung eines strengen Dogmas und auch nicht um eine innerliche mystische Anbetung, sondern um die zeremonielle Ausführung eines Rituals in der Gemeinschaft, in dem sich die Beziehung zu Gott ästhetisch vollzieht.


Stern des Heros

Nicholas Roerich (*9. Oktober 1874)

Nach einer erfolgreichen Berufslaufbahn als Theatermaler in St. Petersburg und seiner Flucht vor der Russischen Revolution, unternahm der russische Symbolist und Philosoph Nicholas Roerich zahlreiche Expeditionen in die Himalaya-Region und in die Wüste Gobi. In Landschaften wie diesen fand er seinen Sehnsuchtsort und hielt in tausenden Gemälden die unendlich erhabene Ruhe fest, die man nur im Hochgebirge oder in der Wüste erfahren kann. Seine spirituellen Erlebnisse und Empfindungen gab er jedoch nicht nur in seinen Gemälden weiter, sondern auch durch die von ihm gegründete theosophische Vereinigung Agni Yoga (Lebendige Ethik). Roerich wurde mehrfach für den Friedensnobelpreis nominiert und es ist bezeichnend, dass ein Völkerrechtsvertrag wie die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten ausgerechnet auf die Initiative eines Waagegeborenen zurückgeht.


Die Temperamalerei Stern des Heros entstand im Jahr 1936 und zeigt einen Mönch nachts allein vor einem tibetischen Kloster, doch ein vorbeiziehender Komet gibt uns zu verstehen, dass dieser Weise ganz und gar nicht alleine ist …


Die Göttlichkeit der Natur zeigt sich überall am eindrücklichsten im Sternenhimmel, der in seiner Schönheit und Harmonie die kosmische Einheit allen Lebens sichtbar und erfahrbar werden lässt, sodass sie tief ins Herz dringt.


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Bisher erschienen

WIDDER STIER ZWILLINGE KREBS LÖWE JUNGFRAU WAAGE SKORPION SCHÜTZE STEINBOCK WASSERMANN FISCHE

Lesen Sie auch Sternblick auf die Malerei (ein Interview mit Karin Bat) und die Projektvorstellung Die schönen Künste im Zeichen der Sterne. Vorschau Die nächste Folge der Reihe Sternenmaler steht im Zeichen des Skorpions und geht am 21. Oktober 2020 online. Wer zeitgerecht erinnert werden möchte, Wer zeitgerecht erinnert werden möchte, registriert sich für unsere Rubrik Einsichten oder abonniert uns auf Facebook. Berühmte Maler, die im Sternzeichen Skorpion geboren wurden, sind René Magritte, Claude Monet, Georgia O’Keeffe und Roy Lichtenstein.

Über die Autorin

Karin Bat, Jahrgang 1953; geboren und aufgewachsen in Ostwestfalen; Studium der Literaturwissenschaft, Theologie Philosophie und Wissenschaftsjournalistik; berufliche Tätigkeit in der Erwachsenenbildung und im Verlagswesen; seit 1992 in Österreich beheimatet; eingehende Beschäftigung mit Jungianischer Psychologie und dem Tarot; Beratungen, Seminar- und Vortragstätigkeit.

Karin Bat

Astrologin, Theologin, Philosophin

Auf der Alm 1

A-2500 Baden bei Wien

GSM +43 (0) 664-863 01 22

E-Mail: k.bat@gmx.at

© 2020 Karin Bat | Epiphany | Institut für Kulturgeschichte, Leipzig


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