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  • Karin Bat

Die schönen Künste im Zeichen des Widders

Planetare Einflüsse und Bildwirkungen der Mars-Energie in der bildenden Kunst. Eine astrologische Gemäldestudie von Künstlern, die im Sternzeichen Widder geboren wurden.

Der Charakter des Widders ist von der feurigen Energie des Mars’ geprägt. Ihm geht es um die Durchsetzung der eigenen Persönlichkeit – das Einzelwesen steht für ihn im Mittelpunkt. Der Mars bringt Dinge in Bewegung. Er kämpft gegen alteingesessene Strukturen, initiiert neue Projekte und verwirklicht dabei vor allem sich selbst.

Bildnisse: Authentizität und Durchsetzung Der im Zeichen Widder geborene Maler porträtiert gerne einzelne Personen, die er zugänglich und offen darstellt, oft auch in Bewegung. Dabei erfasst er die Person nicht in ihrer Rolle oder ihrem Status, sondern in ihrem unverfälschten und natürlichen Auftreten, was auf den Betrachter erfrischend wirkt. Da der Mars stark auf die individuelle Persönlichkeit eingeht, befinden sich unter den im Sternzeichen Widder geborenen Künstlern sehr viele berühmte Porträtmaler.


Bildnis der Fürstin Ekaterina Kutusow Elisabeth Vigée-Lebrun (*16. April 1755)

Elisabeth Vigée-Lebrun war zu ihrer Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts eine sehr gefragte Porträtistin. Wir sehen hier ihr Bildnis der Fürstin Ekaterina Kutusow, der Ehefrau des gleichnamigen russischen Feldmarschalls. Das übliche Machtgebaren einer Aristokratin ist in diesem Bild nicht zu erkennen. Sie schaut keineswegs graziös oder gar geziert in die Welt, sondern offen, direkt und auch ein wenig kämpferisch. Sie trägt keine Rüschenkleider und keine glänzenden Behänge, sondern erscheint sehr schlicht. Sie trägt jedoch ein auffälliges rotes Tuch um ihre Schultern, das an die Energie des Widders erinnert, denn Rot ist die Farbe des Mars’. Ihr Blick ist direkt auf den Betrachter des Bildes gerichtet, was ein typisches Merkmal der Widdermalerei ist. Oft ist dieser Blick nicht nur direkt sondern auch forsch. Das lässt sich über diese junge Dame durchaus sagen und man kann von ihr einige überraschende Entgegnungen erwarten.

Porträt Karls I. Anthonis van Dyk (*22. März 1599)

Männer werden gerne in Siegerpose dargestellt wie hier Karl I. im Porträt des flämischen Malers Anthonis van Dyk. Der Stuart-König von England präsentiert sich in heroischer Geste. Das ist natürlich die Pose, die der Mars besonders liebt. Der Monarch kommt auf seinem Pferd geritten und winkt mit seinem Federhut. Auch hier sehen wir ein rotes Tuch, welches diesmal als Siegeszeichen um die Säulen einer Ruhmeshalle geschlungen ist.


Portrait des Grafen Felix d’Arjuzon

Hippolyte Flandrin (*23. März 1809)

Die Porträtmalerei des Widders stellt Personen oft in provokanter Attitüde dar. Es handelt sich hier um den Grafen Felix d’Arjuzon, der eigentlich sehr comme il faut gekleidet ist, doch in seinem Gesichtsausdruck eine gewissermaßen kühne Haltung erkennen lässt, die durch die Hand an seinem Revers noch betont wird. Mir kann keiner, soll das wohl ausdrücken. Nahezu alle Personenporträts, die von Hippolyte Flandrin gemalt wurden, lassen eine verwegene, manchmal sogar sture oder kämpferische Haltung erkennen. Dies sind allesamt typische Eigenschaften eines Widders.


Das Erdbeerenmareili

Albert Anker (*1. April 1831)

Auch Kinder werden von Malern, die im Sternzeichen Widder geboren wurden, als eigenständige Persönlichkeiten gesehen. Sie sind nicht die niedlichen Kleinen, die man in die Ecke stellen kann, sondern sehr präsent, wie hier Das Erdbeermareili von Albert Anker. Es ist immer die Person, die im Vordergrund steht. Hier erscheint bereits der Bildrahmen zu eng für dieses Mädchen, das ganz für sich selbst steht.

Umgebung: Dynamik in Landschaft und Architektur

Landschaften sind für den bewegungsorientierten Widder nicht das Lieblingsmotiv. Idyllische Stimmungen, die ein typisches Merkmal der stillen Naturbetrachtung sind, erscheinen dem ungestümen Widder schlichtweg zu langweilig und ereignislos.

Sternennacht

Vincent van Gogh (*30. März 1853)

In der modernen Malerei, die mit alten Formen bricht, kann der Widder jedoch Dynamik in die Landschaft bringen und sie in Bewegung versetzen. Die Sternennacht von Vincent van Gogh ist nicht das, was wir uns unter einer solchen vorstellen. Seine verwirbelten Sternbewegungen wühlen eher unruhig auf, als dass sie einen zur Ruhe kommen lassen. Bewegung und Dynamik sind in allen Landschaftsgemälden von Vincent von Gogh deutlich sichtbar und prägen den von ihm vorweggenommenen Expressionismus.


Winterlandschaft Cuno Amiet (*28. März 1868)

In anderen Fällen wird eine Landschaft – ganz wie es dem Element Feuer des Widders entspricht – regelrecht zum Glühen gebracht, selbst wenn es sich, wie hier im Bild von Cuno Amiet, um eine Winterlandschaft handelt. Die Landschaft liegt zwar ruhig da, doch wir haben einen grell leuchtenden Himmel und dunkelrote Berge – Farben, die überhaupt nicht zum Winter passen, dafür aber der Leidenschaft des Mars entsprechen, denn dieser strotzt vor Energie.


Das Eckhaus Ludwig Meidner (*18. April 1884)

Selbst festgefügte Bauarchitektur gerät unter dem Blick des Widdermalers in Bewegung. Der visionäre Ludwig Meidner ist bekannt für seine zerrütteten Porträts und apokalyptischen Stadtmotive, die wie vom Erdbeben erschüttert scheinen. Bei diesem aus den Fugen geratenen Bauwerk handelt sich um die Villa Kochmann in Dresden, die Jahre später beim Bombardement der Stadt tatsächlich zerstört werden sollte.


Unbändiger Wille: Bewegung, Kraft, Arbeit Bewegung ist das pulsierende Element der Marsenergie überhaupt. Diese Dynamik, die in dieser Planetensphäre ihren Ausdruck findet, wird von Widdermalern sehr gerne als Thema aufgegriffen, denn Bewegung und die Anwendung von Kraft ist ein Hauptelement dieses Zeichens.


Hommage à Blériot Robert Delaunay (*12. April 1885)

Dies findet vor allem in der modernen Malerei ihren Ausdruck, die in der Abstraktion die Bewegungsfreude noch reiner in Erscheinung treten lässt, wie hier in dem Gemälde Hommage à Blériot von Robert Delaunay. Louis Blériot war ein französischer Luftfahrtpionier, der im Jahr 1909 als erster Mensch in einem Propellerflugzeug den Ärmelkanal überquerte. Von dieser tollkühnen Vorreitertat in der Entwicklung der Luftfahrt ist der Widder natürlich hellauf begeistert, denn die beschleunigte Fortbewegung fasziniert ihn. Selbst die Rhythmische Farbharmonie des orphischen Kubismus, den Delaunay vertrat, suggeriert Bewegung. Die Beschleunigung ist ein Marsthema. Einem Widder kann es nie schnell genug gehen.


In der Schmiede Francisco de Goya (*30. März 1746)

Auch ohne Maschinen geht der Widder kraftvoll mit den Dingen der Welt um. Er stellt daher gerne arbeitende Menschen dar, die mit ganzer Körperkraft ans Werk gehen. Dem feuerroten Mars wird in der Astrologie das Metall Eisen zugeordnet, weshalb die Schmiedekunst und damit auch die Herstellung von Waffen mit der martialischen Energie dieses Planeten in Verbindung steht, wie es Francisco de Goya in seinem Bild In der Schmiede darstellt.


Schafschur Ford Maddox Brown (*16. April 1821)

In der Landwirtschaft ist ebenso voller körperlicher Einsatz erforderlich. Der englische Maler Ford Maddox Brown stellt hier einen sehr kräftigen, muskulösen Mann dar, wie er einen Schafbock zu Boden drückt, damit er ihn scheren kann. Allenthalben interessiert den Widder die Anwendung von Kraft. Schwäche hemmt sein Temperament. Das mag er ganz und gar nicht.

Konflikt und Macht Die großen Kräfte können beim Widder leicht über das Ziel hinausschießen und zu Konflikten führen, die er keineswegs scheut – im Gegenteil, sie sind ein Element seines eigenmächtigen Lebensgefühls und beflügeln ihn. Dieses Temperament ist so ausgeprägt, dass es mitunter nicht mehr in friedlichen Bahnen verläuft. Er schreckt vor keiner Auseinandersetzung zurück, auch nicht mit alteingesessenen Autoritäten und vor angestammtem Recht.


Luther vor dem Kardinal Cajetan Ferdinand Wilhelm Pauwels (*13. April 1830)

Konfliktsituationen sind ein häufiges Thema in der Malerei des Widders, wie in dieser Historiendarstellung von Ferdinand Wilhelm Pauwels. Am Reichstag zu Augsburg im Jahr 1518 forderte Kardinal Cajetan den Theologieprofessor Martin Luther dazu auf, seine 95 Thesen über den Ablasshandel zu widerrufen. Luther – der rangmäßig Unterlegene – scheint darüber so ungehalten zu sein, dass er sich kaum noch vor körperlicher Gewaltanwendung zurückhalten kann. Wenn man sich vor Augen führt, welche Macht die katholische Kirche damals besaß, wohingegen Luther nur ein einfacher, abtrünniger Provinzmönch war, ist dieser Mut, mit dem der Kirchenreformer seine neue Denkungsart vertritt, geradezu ungeheuerlich. (Luther selbst war übrigens Skorpion.)

Gewalt, Revolution und Krieg In Gemälden von Widdern findet man häufig Darstellungen von Gewaltszenen. Diese brachiale Kraft muss jedoch nicht von vornherein destruktiv sein, sondern kann auch zur Rettung aus Notsituationen dienen. Der Widder steht am Anfang des Tierkreises und der Ungestüm seines Charakters erklärt sich durch seine Aufgabe, die er am Beginn eines neuen Jahres zu erfüllen hat. Er ist es, der zu Frühlingsbeginn mit elementarem Drang den neuen Zyklus der Sonne anbrechen lässt und damit die Reihe der ihm folgenden Zeichen überhaupt in Gang setzt.


Titel unbekannt Fernando Botero (*19. April 1932)

Mit brutaler Einfachheit zeigt der kolumbianische Maler und Bildhauer Fernando Botero in diesem Bild gewalttätige Handlungen und wie ein Einzelner einer Übermacht ausgeliefert ist, gegen die er nichts mehr ausrichten kann. Da dies der direkten Art des Widders widerstrebt, ist es für ihn unerträglich, so niedergeknüppelt zu werden und keine Aussicht auf den Einsatz seiner Kräfte zu haben. Das Gemälde ist ein Aufruf gegen die Diktatur, in der der Einzelne keine Stimme hat, sondern zum Opfer degradiert wird. Botero will zeigen, dass solche Verhältnisse nicht hingenommen werden dürfen und fordert dazu auf, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Es handelt sich genaugenommen um ein Protestbild.


Sieg Rudolfs von Habsburg über Ottokar II. Julius Schnorr von Carolsfeld (*26. März 1794)

Auch in episch überhöhten Schlachtengemälden, die man unter Malern des Zeichens Widder häufig findet, wird der Tumult des Kampfes in all seiner Vehemenz gezeigt. Am liebsten wird das Kriegsereignis natürlich von der Siegerseite aus gesehen, wie hier im Gemälde von Julius Schnorr von Carolsfeld, welches den Sieg Rudolfs von Habsburg über König Ottokar II. glorifiziert. Das Chaos des Krieges wird in all seiner Schrecklichkeit dargestellt: Wehende Fahnen, scheuende Pferde, niedergestochene Feinde, und trotzdem sieht man in dem Bild nicht den Tod, der in Schlachten gewöhnlich massenweise auftritt, sondern nur das lebendige Getümmel.


Kampf der Fische Max Ernst (*2. April 1891)

Selbst Fische, bei denen man in ersten Assoziationen weniger an Raubtiere denn an still und stumm im Wasser gleitende Geschöpfe denkt, können sich in der Malerei eines Widders einen heftigen Kampf liefern. Die Fische werden hier nicht als scheue, stumme Meereswesen dargestellt, sondern geradezu als Kriegsmaschinen, die aufeinander losgehen.


Die Geißelung Christi Anton Raphael Mengs (*22. März 1728)

Auch in mythologischen und religiösen Gemälden greift der Widder Gewaltszenen als Thema häufig auf, wie hier in Die Geißelung Christi von Anton Raphael Mengs. Es fällt auf, dass Christus nicht als schwaches Opfer einer brutalen Gewalt dargestellt wird, sondern als kräftiger Mensch, der körperlich keineswegs wehrlos erscheint. Die Darstellung kraftvoller Körper ist typisch für den Widder, wobei hier nicht nur die Peiniger vor Muskeln strotzen, sondern auch Christus selbst einen starken Leib und kräftige Arme hat. Dies ist ein Merkmal vieler Christusbilder, die von Widdern gemalt wurden, dass Christus von ihnen nicht als Schwächling dargestellt wird.

Der hl. Georg im Kampf mit dem Drachen Raffael (*6. April 1483)

Auch der Kampf der Heiligen gegen das Böse wird drastisch dargestellt. Raffael zeigt hier den Heiligen Georg im Kampf mit dem Drachen, wie er unerschrocken auf dieses grässliche Ungeheuer zureitet und ohne Zögern seine Lanze gegen das Tier richtet. Der Heilige Georg, ein Soldat des römischen Heers, tötet den Drachen, um die Tochter des libyschen Königs zu retten, die als Opfergabe bestimmt war. Bei diesem Duell mit dem Reptil geht es nicht um die Zurschaustellung der Kampfhandlung als solcher, sondern darum, mit welcher Agitation der Heilige den Kampf ausführt. Dies liegt im Fokus des Widders. Er interessiert sich nicht für die verklärten Heiligen, die mit seligem Augenaufschlag nach oben blicken, genauso wenig wie für karitativ tätige Heilige, die ihre Güte verströmen.


Herkules rettet Deianira aus den Fängen des Centauren Nessus Bartholomäus Spranger (*21. März 1546)

In der griechischen Mythologie spielt Gewalt sehr häufig eine Rolle. In den Themendarstellungen der Widdermaler werden daher häufig Szenen gewählt, in denen kämpferische Helden zur Tat schreiten, und hierfür übermäßige Kraft aufwenden. Da der Widder seinen Mut gerne unter Beweis stellt, tritt er mit Bravour als Helfer in der Not in Erscheinung, jedoch nur spontan und situationsbezogen. In diesem Gemälde von Bartholomäus Spranger rettet Herkules seine Frau Deianira aus den Fängen des Zentauren Nessos. Herkules hatte den Zentauren gebeten, seine Frau über den Fluss zu tragen, der darin eine Gelegenheit sieht, diese schöne Frau entführen zu können. Er hat jedoch nicht mit der enormen Kraft des Herkules gerechnet, der unversehens zur Stelle ist, Nessos mit einem vergifteten Pfeil tötet und seine Gemahlin triumphierend zurückerobert.


Prometheus Gustave Moreau (*6. April 1826)

Wie wenig der Widder bereit ist sich unterdrücken zu lassen, wird in diesem Gemälde von Gustave Morau deutlich. Prometheus ist ein aufsässiger Titan, der die Gebote des Zeus missachtet und gegen dessen Willen den Menschen das Feuer überbringt. Zur Strafe wird er an einen Felsen geschmiedet und jeden Tag kommt ein Adler (in diesem Fall ein Geier), um seine Leber zu fressen. Trotz seiner Fesseln und der Tortur, die er über sich ergehen lassen muss, verlässt ihn seine Kraft nicht. Prometheus blickt energisch nach vorne und erweckt den Eindruck, als könne er jederzeit seine Ketten sprengen.


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Lesen Sie auch Sternblick auf die Malerei (ein Interview mit Karin Bat) und die Projektvorstellung Die schönen Künste im Zeichen der Sterne.

Vorschau Die nächste Folge der Reihe Sternenmaler steht im Zeichen des Stiers und geht am 21. April 2020 online. Wer zeitgerecht erinnert werden möchte, nützt hierfür die Anmeldung zu unserem Rundbrief oder registriert sich am Anfang dieses Artikels. Berühmte Maler, die im Sternzeichen Stier geboren wurden, sind Eugène Delacroix, Johann Peter Hasenclever und Leonardo da Vinci.


Über die Autorin

Karin Bat, Jahrgang 1953; geboren und aufgewachsen in Ostwestfalen; Studium der Literaturwissenschaft, Theologie Philosophie und Wissenschaftsjournalistik; berufliche Tätigkeit in der Erwachsenenbildung und im Verlagswesen; seit 1992 in Österreich beheimatet; eingehende Beschäftigung mit Jungianischer Psychologie und dem Tarot; Beratungen, Seminar- und Vortragstätigkeit.


Karin Bat

Astrologin, Theologin, Philosophin

Auf der Alm 1 A-2500 Baden bei Wien GSM +43 (0) 664-863 01 22 E-Mail: k.bat@gmx.at


© 2020 Karin Bat | Epiphany | Institut für Kulturgeschichte, Leipzig


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