• Karin Bat

Die schönen Künste im Zeichen der Zwillinge

Planetare Einflüsse und Bildwirkungen der Merkur-Energie in der klassischen Malerei. Eine astrologische Gemäldestudie von Künstlern, die im Sternzeichen Zwillinge geboren wurden.

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Der Charakter der Zwillinge steht unter dem Einfluss des Planeten Merkur, der in Eilschritten die Sonne umkreist. Bei diesem schnell bewegten und anpassungsfähigen Wandelstern geht es um Wendigkeit, Leichtigkeit und Lichtfülle. Die ganze Welt soll in Helligkeit getaucht werden – in das Licht der Kenntnis über alle Dinge und Vorkommnisse. Dabei geht es nicht um Wahrheit an sich, sondern um die vielfältigen Wirklichkeiten der äußeren Welt, über die der Zwilling so viel wie möglich in Erfahrung bringen möchte. Über seine gewonnenen Erkenntnisse tritt er über alle Grenzen hinweg in regen Austausch.



Bildnisse: Distanziertheit und Jugendlichkeit

Der Zwilling liebt die Hinwendung zur Außenwelt. Sich im Freien aufzuhalten, wo jederzeit zufällige Begegnungen möglich sind, ist ihm ein Lebenselixier. Er begibt sich gerne in Gesellschaft, um sich über die neuesten Vorkommnisse zu informieren und sich dadurch Orientierung zu verschaffen. Er lässt sich von allem anregen, was rings um ihn passiert, aber auch ablenken.


Bildnis einer jungen Dame

Hugo Freiherr von Habermann (*14. Juni 1849)


Diese junge Dame schaut sich neugierig um, wobei sie keine konkrete Absicht zu verfolgen scheint. Ein Geschehnis in ihrer Nähe bringt sie dazu, sich vornüber hinauszulehnen, um Genaueres darüber zu erfahren, was da gerade vor sich geht. Doch sie beobachtet die Lage aus der Distanz. Sie will nichts verpassen, was interessant sein könnte, doch sie wird sich nicht involvieren, sondern wieder zurücknehmen, denn der Zwilling scheut die Verstrickung.


Porträt Ivan Schischkin

Ivan Nikolajewitsch Kramskoi (*8. Juni 1837)


Zwillingemaler zieht es aus ihrem Atelier hinaus ins Freie, wo sie in ihren Bildern Licht und Luft einfangen können. Hier posiert der russische Maler Ivan Schischkin nicht wie es so oft in Selbstporträts von Künstlern der Fall ist in seinem Atelier vor seiner Staffelei, sondern in Wanderkluft in der freien Natur. Locker an seinen Wanderstab gelehnt, drückt seine ganze Haltung Gewandtheit aus. Seine Malutensilien, die er samt Sonnenschirm mit sich führt, scheinen ihn nicht zu beschweren.


Frühling

Frederick Walker (*26. Mai 1840)


Der Planet Merkur wird in der biografischen Entwicklung des Menschen dem Schulalter zugeordnet. Deshalb werden gerne Kinder dieser Lebensjahre ins Bild gesetzt. »Frühling« – so der Titel des Gemäldes von Frederick Walker – verweist auf die Kindheit und Jugend im Jahresverlauf und auf die sehnsüchtige Freude des Zwillings über die Rückkehr der stetig helleren Tage. Hier hat ein junges Mädchen erste Frühlingsblumen gesammelt und sich dabei in einem knospenden Haselstrauch verfangen. Mit einer geschickten, geradezu tänzerischen Bewegung auf schwerem Winterboden löst sie sich aus den Zweigen. Die Natur, die sie umgibt, ist nicht gefährlich, sondern leicht und filigran.


Christus im Hause seiner Eltern

Sir John Everett Millais (*8. Juni 1829)


Zwillingemaler interessieren sich auch für das Kindesalter von Jesus, wie es in einigen außerbiblischen Texten wie dem Pseudo-Thomas-Evangelium geschildert wird. Jesus ist in einem familiären, arbeitsamen Handwerkshaushalt aufgewachsen. Sein späteres Schicksal wird, nachdem er sich an einem Holznagel verletzt hat, durch das Stigma seiner Hand sichtlich vorweggenommen, was seine Mutter Maria voller Sorge auf die Knie gehen lässt. Jesus aber scheint zu fragen, was das ist. Damit schreibt ihm der Maler eine Kindheit ohne religiöse Überhöhung zu. Der Junge mit der Wasserschale rechts im Bild ist Johannes der Täufer und die Taube auf der Leiter im Bildhintergrund nimmt symbolisch den Aufstieg in den Himmel vorweg.



Umgebung: Helle Landschaften und weiträumige Plätze

Die Landschaftsbilder der Zwillingemaler gestalten sich durch viel Raum und schier grenzenlose Himmelsweiten. Darin drückt sich der Drang des Zwillings aus, seinen Horizont sowohl durch Wissen als auch durch Reisen in die Ferne zu erweitern.


Der Holzwagen

John Linnell (*16. Juni 1792)


Von dem Weg im Vordergrund ausgehend entfaltet sich die Weite des Raumes, die sich tief in der Landschaft verliert. Es geht immer weiter und weiter, wie es dem Lebens- und Freiheitsgefühl des Luftzeichens Zwillinge entspricht. Dies scheint selbst dem schwer beladenen, knarrenden Holzwagen sein Gewicht zu nehmen.


Landstraße Arras-Cambrais

Adolf Erbslöh (*27. Mai 1881)


Auch hier zeigt sich die weite Perspektive. Die Straße, auf der Kutschen unterwegs sind, führt weit in die Landschaft hinein. Neben der Straße verläuft ein Schienenstrang, was dem Zwilling das Gefühl vermittelt, über mehrere Möglichkeiten des Vorwärtskommens zu verfügen. Dadurch erhöht sich der Freiheitsgrad, worauf der Zwilling höchsten Wert legt.


Akazien im Frühling

Michail Larionoff (*3. Juni 1881)


Gerne richtet der Zwillingemaler seinen Blick in die Weite des Himmels. Hier ist das strahlende Azur von ziseliert gemaltem, frisch sprießendem Astwerk durchzogen, was die Helligkeit, Strahlkraft und Leichtigkeit des Bildes sehr kontrastreich betont.


Der große Markt in Haarlem

Gerrit Berckheyde (get. 6. Juni 1638)


Nicht nur Landschaften sondern auch Städte werden von Zwillingemalern in helles Licht getaucht. Selbst in der Enge spätmittelalterlicher Gassen zeigt sich die Tiefe des Hintergrunds und der Perspektive. Die Gebäude sind zwar genau und detailreich gemalt, doch es geht mehr um den Raum, den sie den Städtern lassen, um sich im Freien zu bewegen. Der Stadtplatz öffnet sich weit und ist belebt von Menschen: sie treffen sich, unterhalten sich und fahren in ihren Kutschen herum. Es ist sogar genügend Platz für einen Jungen, der seinen Spielreifen geschickt vorantreibt.



Beweglichkeit und Geschicklichkeit in Spiel und Unterhaltung

Spiele bringen unbeschwerte Freude ins Leben und lassen einen die Sorgen des Alltags vergessen. Im Spiel kann der Zwilling spontan, lustig und einfallsreich agieren, und dies ohne weitere Konsequenzen, denn auch ein mögliches Verlieren gehört zum Spiel! Unbeschwert und ungebunden wahrt er seine kühle Distanz, die er gerne mit feiner Ironie zum Ausdruck bringt.


Der Jongleur

Léon Gischia (8. Juni 1903)


Dieser Jongleur kann mit großem Geschick vier Bälle gleichzeitig in Bewegung halten. Es ist ein Spiel um des Spielens willen, das jedoch eine gut ausgebildete Feinmotorik erfordert. Mit solchen Vorführungen unterhält der Zwilling sich selbst und andere mit Leichtigkeit.


Bemogelt

Eduard Theodor Ritter von Grützner (*26. Mai 1846)


Gerne trifft sich der Zwilling zu einem unterhaltsamen Gesellschaftsspiel. In dieser ländlichen Runde von Jägern und Bauern ist auch der Priester mit von der Partie, der sich keineswegs in strenger Autorität von weltlichen Freuden abwendet, sondern sich mit Vergnügen und Genuss am Spiel beteiligt. Hier werden nicht einfach nur Karten gedroschen, sondern es wird mit gewitztem Esprit gespielt. Es wird sogar gemogelt, wie der heimliche Kartentausch unter der Bank zeigt. Kleine Regelbrüche sind für den lockeren Zwilling keine Frage der Moral, sondern lediglich eine spielerische Herausforderung.



Wissensvermittlung, Kommunikation und Austausch

Der Merkur ist der schnellste Planet unseres Sonnensystems und wird daher mit der Schnelligkeit der Gedanken in Verbindung gebracht. Da er der Sonne am nächsten ist, ist er der Götterbote Hermes, dem wir die göttliche Wissensvermittlung verdanken. Der Austausch von Information entspricht dem Naturell des Zwillings, wodurch ihm die Rolle eines Vermittlers zuteil wird.


Gehirn/Wolke (mit Meer und Palme)

John Baldessari (*17. Juni 1931)


Dieses Bild symbolisiert die unbegrenzten Potentiale des Denkens und die Weite des Geistes, die der Zwilling erstrebt. Es ist vorrangig das Denkvermögen des Gehirns, das ausgebildet sein will, um die ganze Welt erfassen zu können. Wenn ihm bei seelischer Wärme auch leicht zu eng werden kann, so liebt er doch die äußere Wärme, wie sie hier im Gemälde von John Baldessari durch eine Palme und das südliche Meer spürbar wird, einer Region, in der die größte Helligkeit herrscht.


Schularbeiten

Carl Larsson (*28. Mai 1853)


Um die Denkfähigkeit zu fördern und auszubilden, muss bereits im Kindesalter damit begonnen werden. Die hier gezeigten Kinder sind konzentriert und frohgemut mit ihren Schulaufgaben beschäftigt, ja, sie lernen gerne, wie der helle, wache Blick des Mädchens zeigt.


Arabische Ritter in Jemen

Eugen Bracht (*3. Juni 1842)


Der Zwilling ist gerne unterwegs und immer begierig, etwas über andere Länder zu erfahren. In Zeiten, in denen es noch keinen Massentourismus gab, waren Reiseberichte eine begehrte Lektüre und dokumentarische Reisegemälde die einzige Möglichkeit, um eine bildhafte Vorstellung von exotischen Fernzielen zu bekommen. In diesem Sujet des Orients hat Eugen Bracht eine Szene aus der jemenitischen Wüste festgehalten, eine Gegend, die damals für die Meisten so unerreichbar war wie der Mond. Im Hintergrund zeigt sich abermals die Weite des Himmels, die den Blick in weite Fernen reichen lässt. Die Reiter stehen auf einem erhöhten Platz, um sich über die weitere Route zu beraten. Einer zeigt mit dem ausgestreckten Arm die Richtung an. Für einen Zwilling ist es immer verlockend, sich in unbekanntem Gelände zu bewegen, aber er will sich nicht blind in ein Abenteuer stürzen, sondern sich mit Wissen und kluger Orientierung auf fremdem Terrain bewegen.


Die Zeitungleser

Carl Wilhelm Hübner (*17. Juni 1814)


Neuigkeiten aus der Zeitung informieren über Vorkommnisse in der näheren und weiteren Umgebung und verschaffen dem Leser Überblick über das Zeitgeschehen. Aus diesem Grund hält der Zwillingemaler in seinen Bildern gerne lesende Menschen fest, besonders wenn es sich um so eine zufällig im Alltag entstandene, beiläufige Situation handelt wie im Gemälde Die Zeitungsleser von Carl Wilhelm Hübner. Nachrichten und eine umfassende Informiertheit sind für den wissbegierigen und kommunikativen Zwilling essentiell.


Das Argument

Rudolf Bergander (*22. Mai 1909)


Der Zwilling ist fest davon überzeugt, dass es am besten ist, in Auseinandersetzungen mit Argumenten aufzuwarten. Er will einen Konflikt nie steigern, schon gar nicht emotional, sondern ihn durch glasklare, sachliche Begründungen entschärfen und schließlich zur Lösung bringen.


Der ungläubige Thomas

Carl Heinrich Bloch (*23. Mai 1834)


Argumentation und Beweisführung machen auch vor religiösen Überzeugungen nicht halt. Fehlen dem Gegenüber einleuchtende Begründungen für seine Glaubensaussagen, lässt der Zwilling sie nicht gelten. Er stellt auch das in Frage, was für andere das Heiligste ist, weshalb er Gefahr läuft, schließlich alles zu bezweifeln und nichts für wahr zu halten, außer dem unmittelbar sinnlich Erfahrbaren. Auch der Apostel Thomas erwies sich als ungläubiger Zweifler. Als Jesus drei Tage nach seinem Tod unter seinen Jüngern erschien, konnte er nicht glauben, dass es sich wirklich um seinen Meister handelte. Er musste ihn körperlich berühren und seine Wunden sehen, um überzeugt zu sein.


Toleranz, Ungebundenheit und Freiheit

Der Zwilling lässt jeden gelten, der ihn gelten lässt und seine Freiheit nicht antastet. Fühlt er sich jedoch eingeengt oder gerät in eine tatsächlich gefährliche Situation, macht er sich auf und davon und ist flüchtig wie Quecksilber, jenes Metall, das dem Planeten Merkur zugeordnet wird.


Tag und Nacht

Maurits Cornelis Escher (*17. Juni 1898)


Der Zwilling liebt Vögel, weil sie sich einfach in die Lüfte schwingen und uneingeschränkt von Grenzen in die weite Welt hinausfliegen können. In diesem Bild verwandeln sich selbst die Felder am Boden in flugfähige Wesen. Darin zeigt sich auch die Zwiespältigkeit des Zwillings, da die hellen Vögel ins Dunkel fliegen, die dunklen Vögel jedoch ins Helle. Dies drückt den immerwährenden Konflikt des Zwillings aus, verbindlich bei einer Entscheidung zu bleiben. Zu festgefügte Verhältnisse beengen ihn und treiben ihn dazu, sich über kurz oder lang doch wieder auf den Weg zu machen.


Amors Flucht vor der Sklaverei

Joseph Vien (*18. Juni 1716)


Das leicht aufkommende Gefühl der Beengtheit überkommt den Zwilling auch in Liebesverbindungen. Schnell wird sie als zu verpflichtend empfunden. So lässt sich der Zwilling auch von Amor nicht »in Ketten« legen, seien es auch noch so zärtliche Bande. Ihm geht es darum, in der Freiwilligkeit zu bleiben und wieder aufbrechen zu können, wenn es ihn zu neuen Erfahrungen hinzieht. Dass diese neuen Erfahrungen dann oft nur Wiederholungen in neuem Gewand sind, nimmt er mit locker-leichter Ironie hin, gewährt ihm doch der Wechsel die Illusion, nicht zu altern, sondern in ewiger Jugend und Offenheit für Neues leben zu können.


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Vorschau

Die nächste Folge der Reihe Sternenmaler steht im Zeichen des Krebses und geht am 21. Juni 2020 online. Wer zeitgerecht erinnert werden möchte, nützt hierfür die Anmeldung zu unserem Rundbrief oder registriert sich für unsere Rubrik Einsichten am Anfang oder Ende dieses Artikels. Berühmte Maler, die im Sternzeichen Krebs geboren wurden, sind Marc Chagall, David Hockney, Edward Hopper, Gustav Klimt, Rembrandt und Peter Paul Rubens.


Bisher erschienen

WIDDER STIER ZWILLINGE


Lesen Sie auch Sternblick auf die Malerei (ein Interview mit Karin Bat) und die Projektvorstellung Die schönen Künste im Zeichen der Sterne.

Über die Autorin

Karin Bat, Jahrgang 1953; geboren und aufgewachsen in Ostwestfalen; Studium der Literaturwissenschaft, Theologie Philosophie und Wissenschaftsjournalistik; berufliche Tätigkeit in der Erwachsenenbildung und im Verlagswesen; seit 1992 in Österreich beheimatet; eingehende Beschäftigung mit Jungianischer Psychologie und dem Tarot; Beratungen, Seminar- und Vortragstätigkeit.


Karin Bat

Astrologin, Theologin, Philosophin

Auf der Alm 1

A-2500 Baden bei Wien

GSM +43 (0) 664-863 01 22

E-Mail: k.bat@gmx.at


© 2020 Karin Bat | Epiphany | Institut für Kulturgeschichte, Leipzig


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