• Karin Bat

Der literarische Krebs

Astrologische Spuren in Romanfiguren. Kosmische Wirkmächte der Mond-Energie in den Werken großer Dichter – der Krebs wie er im Buche steht.


In der vierten von insgesamt zwölf Episoden des Astrologischen Lesezirkels besprechen wir drei Romane von Dichtern, die im Sternzeichen Krebs geboren wurden, und deren Protagonisten deutliche Charaktereigenschaften erkennbar werden lassen, die dieser Konstellation zugesprochen werden. Eine astrologische Betrachtung der Romanfiguren gibt tiefe Einblicke in das Wesen des Zeichens ihrer Erfinder, wie es kurze Textauszüge und Dialoge veranschaulichen. Die drei ausgewählten Literaturklassiker sind:

  • Der Marmorfaun von Nathaniel Hawthorne, * 4. Juli 1804 (Krebs) in Salem, Massachusetts, US

  • Die Himmelfahrt von Hermann Bahr, * 19. Juli 1863 (Krebs) in Linz, AT

  • Kai und die Liebe zu den Modellen von Barbara Frischmuth, * 5. Juli 1941 (Krebs) in Altaussee, Salzkammergut, AT

Der Krebs wird innerlich vom sanften, träumerischen Mond regiert, der dem empfänglichen, aber auch schwankenden Element Wasser zugehört. Die Literatur der Krebsgeborenen ist dementsprechend poetisch, phantasievoll und stimmungsbetont. Sie gibt vor allem der Gefühlswelt Ausdruck und beschäftigt sich thematisch mit den Schwierigkeiten, als Mensch in der modernen, technisierten Welt gemäß deren Vorgaben zu funktionieren. Die Sehnsucht nach einer anderen, natürlicheren Umgebung spielt eine große Rolle, aber auch die Rückbesinnung auf die eigene Kindheit. Deren Zauber versteht der Krebs in berückender Weise heraufzubeschwören, da er in dieser Lebensphase Natürlichkeit und Spontaneität noch unbefangen leben konnte.

NATHANIEL HAWTHORNE

Der Marmorfaun


In seiner romantischen Parabel auf Adam und Eva im Garten Eden zeichnet der Autor das Streben nach Wiedererlangung der verlorenen Unschuld und des Glücks der Kindheit, das sich im Ideal der Natur erfüllt.


Graf Donatello verbringt eine glückliche Kindheit auf einer Burg in der Campagna nahe bei Rom. Er wächst in einem liebevollen Umfeld auf, denn auf der Burg lebten »Onkel und Tanten und sämtliche Sorten von Verwandten, die alle als einzige Familie beisammen hausten. Zum größten Teil waren es vergnügte und gutmütige Leute, die einander das Herz wärmten«.

Diese Unbeschwertheit war ihm schon von seinem Fürstengeschlecht mitgegeben, den Monte Beni, entstammen diese doch der Legende nach »der glücklichen, poesievollen Sippschaft, die in Arkadien ihr Wesen trieb – und die […] die Welt doch zumindest mit Träumen von einem goldenen Zeitalter beschenkte, lieblich, wenn auch unwirklich. In jenen köstlichen Zeiten, in denen Götter und Halbgötter ungezwungen auf Erden erschienen und sich mit den Menschen befreundeten, in denen Nymphen, Satyrn und die ganze Gefolgschaft klassischer Mythologie sich kaum die Mühe machten, sich in den Urwäldern zu verbergen – in dieser glücklichen Zeit also hatte das Geschlecht der Monte Beni seinen Ursprung.«

Sie alle waren »durch die zwanglose Harmonie mit der Natur gesegnet« und sie »liebten das Leben und seine Freuden innig und verabscheuten jeden Gedanken an den Tod«, denn der Krebs ist dem Leben zugewandt, dessen Kräften er vertraut, weshalb er das Ende nicht ohne weiteres in den Blick nimmt.

Nathaniel Hawthorne, geboren am 4. Juli 1804 im Sternzeichen Krebs

In diesem Milieu »einer Art arkadischen Daseins« verbringt Donatello seine jüngsten Jahre, wobei er diese herrliche Zeit »nicht nur als der Spielgefährte der Menschen, sondern auch aller wilden Kreaturen« verbrachte: »Schön, stark, tapfer, aufrichtig, mit ehrenhaften Zielen und beseelt von einfachen Neigungen und der Liebe zu heimischen Freuden, wurden ihm Eigenschaften beigemessen, die ihn befähigten, sich den Tieren der Wälder und den Vögeln der Luft zuzugesellen und sich sogar mit den Bäumen zu verständigen, unter denen zu weilen seine größte Freude war«.


Der Krebs zehrt sein Leben lang von seiner Kindheit, die ihm als sorglose und geborgene Zeit erscheint. Sie wird in seiner Erinnerung zu seinem Paradies, das er als die ursprüngliche Form des menschlichen Zusammenseins ansieht. Alle späteren Erlebnisse werden auf der Folie dieses archaischen Ursprungs wahrgenommen und bewertet.

Noch als Erwachsener strahlt Donatello viel von dieser geborgenen, fröhlichen Infantilität aus. Man findet »in seinem Gesicht etwas von ewiger Jugend«, ebenso in seinen »unschuldsvollen, glücklichen Augen«.

»Der Marmorfaun« (1860), der letzte der vier großen Romane von Nathaniel Hawthorne, mischt Elemente einer Fabel, einer Pastorale, eines Schauerromans und eines Reiseführers

Ein Krebs braucht ein Metier, das ihn zum Träumen anregt, ohne harte Regeln und Programme. Donatello kann daher kein genormtes, von strengen Vorgaben eingeengtes Leben führen, das dem Krebs nur zu unnatürlich erscheint. Als er nach Rom kommt, findet er in Künstlerkreisen daher schnell Freunde. Diese stellen bald fest, dass Donatello dem marmornen Faun des griechischen Bildhauers Praxiteles ähnlich sieht, einer so lieblichen und lebensvollen Erscheinung, die in ihren Betrachtern selbige Regungen hervorruft: »Es ist unmöglich, diese Plastik lange anzusehen, ohne dass sich ein liebevolles Gefühl für sie regt, ganz als ob sie bei einer Berührung sich lebendig anfühlen, von wirklichem Leben erfüllt sein müsste.«

Donatello ist zum Glück kein Stück Marmor sondern real und voller Lebendigkeit, die er durch seine Ausstrahlung auch in anderen erweckt. Mit seiner naiven Ursprünglichkeit erquickt der Krebs sein Umfeld.

Doch die Menschheit lebt nicht mehr im Paradies, und so macht auch Donatello in Rom schwierige Erfahrungen, sowohl in der Liebe als auch mit der Stadt selbst. Er leidet unter der »schweren Düsternis römischer Vergangenheit« und die Stadt weist ihn ab. Nur im Park findet er Erleichterung: »In einem plötzlichen Anfall von Zärtlichkeit umarmte er einen mächtigen Baumstamm und schien ihn als ein Geschöpf anzusehen, das zur Erwiderung dieses Gefühls fähig war. Er hielt ihn mit den Armen umfangen, wie ein Faun eine Nymphe umfangen haben mag. […] Daher war Donatellos Freude wie die eines Kindes, das sich von daheim verirrt hat und plötzlich wieder in den Armen seiner Mutter ist.«


Donatello macht die Erfahrung, die vielen Krebsgeborenen heute mehr denn je beschieden ist:

»Ein einfacher, heiterer Charakter findet unter den übergescheiten, melancholischen Figuren, die seine unkomplizierte Fröhlichkeit beschämen, keinen Platz mehr.« Nichts ist mehr heitere Unbefangenheit, alles ist dem Nützlichkeitsdenken unterworfen: »Kein Leben fließt mehr wie ein unbehinderter Strom dahin, schon das winzigste Bächlein muss ein Mühlrad drehen.«

CALENDARIUM ASTRUM ARTIFICIUM CANCER

Die schönen Künste im Zeichen des Krebses

Peter Paul RubensRembrandtMarc Chagall—Edward Hopper—Gustav Klimt

HERMANN BAHR

Die Himmelfahrt


Aus einer Art Dankbarkeit finden Autor und Protagonist Hinwendung zum Katholizismus, um Anteil an etwas zu nehmen, das größer ist als sie selbst.


Der 37-jährige Franz von Flayn hat viele Jahre bei seinen Verwandten im Süden verbracht. Da herrscht ein Lebensstil vor, der dem Krebssehr entgegenkommt, denn er lernte bei ihnen »eine Freiheit der Sitten, eine Wärme des Lebens, eine Hingebung an den schönen Augenblick kennen, um die noch ein Hauch heidnischer Heiterkeit schwebt«.

Während Franz »tut und lässt, was ihm gefällt«, hat sein Bruder Anton von seinem Großvater die Brauerei »Zum blauen Himmel« übernommen, die er auch erfolgreich führt. Obwohl Anton viel arbeiten muss, nimmt er es Franz nicht übel, ein vergleichsweise unbeschwertes Leben zu führen, im Gegenteil, er hat »ein so treues Gefühl« gegenüber seinem Bruder, dass er auf dem alten Familiensitz die früher von ihm bewohnten Zimmer immer für ihn bereithält. Das behagt einem Krebs, wenn er einen sicheren Hafen für sich weiß und seine Familie ein Verbundenheitsgefühl aufrecht erhält, ohne selber die Verantwortung dafür übernehmen zu müssen. Auch Hermann Bahr wurde in jungen Jahren von seinem Vater unterstützt, obwohl er mehrere Studiengänge abgebrochen hatte. Mit väterlichem Segen konnte er im Ausland leben und Reisen unternehmen.

Hermann Bahr: Feuilletonist und »Prophet der Moderne«

Nach vielen unruhigen Jahren zieht es Franz nun zurück in seine Heimat. Dort wird er von seinem Bruder voller Freude begrüßt. Das »lachende rote Kindergesicht Antons« ist ohne jeden Vorwurf. Auch von allen anderen Familienmitgliedern wird der Heimgekehrte herzlich aufgenommen: »Da sprangen ihnen auch schon die Hunde entgegen, Gräfin Gabriele stand winkend am Tor, und die Kinder warfen sich auf den Onkel, der nun eins nach dem andern aufheben, an sich drücken und sich abschmatzen lassen musste, bis ihn Anton befreite und in die alten Zimmer zog, wo richtig alles noch unverändert seinen veränderten Herrn begrüßte.«

Als Franz wenig später durch seinen alten Heimatort spaziert, schlägt ihm auch hier Freundlichkeit entgegen: »Und wohin er kam, bei groß und klein, vornehm und gering, überall derselbe herzliche Gruß, nirgends eine Frage. Er war in zwanzig Jahren drei- oder viermal auf vierundzwanzig Stunden hergekommen, seit zehn Jahren gar nicht mehr, und sie taten, als ob er kaum eine Woche weggewesen wäre.«

Zunächst hatte sich Franz nach seiner langen Abwesenheit noch als Fremder gefühlt, doch das Wohlwollen, das man ihm hier entgegenbrachte – »Hier war er selbstverständlich« – erweckt in ihm Heimatgefühle:

»Wie wohl tat es ihm, bei diesen ruhig tief atmenden Menschen hier zu sein! […] Er fühlte sich hier wohl, die Leute gefielen ihm, ihre lange entbehrte Mundart klang ihm vertraut, niemand fragte ihn, er gehörte her.«

Ein Krebs kann Trennung und Feindseligkeit nur schwer verstehen, geht er doch selbst immer von fragloser Zugehörigkeit aus, und so ist der Heimkehrer im trauten Kreise ganz und gar in seinem Element.

Manchmal macht sich Franz darüber Gedanken, dass er einfach nur das Leben eines überflüssigen Adligen führt, wenn er um sich die Geschäftigkeit der Menschen mit ihren alltäglichen Pflichten sieht. Doch ein Gespräch mit dem Domherrn rückt Franz’ Zweifel zurecht: »Unnütze, zwecklose Menschen sind ein wahres Glück, gar in einer Zeit, die sonst nur noch den Nutzen, das Geschäft, das Praktische kennt. Das Leben wäre unerträglich, wenn die Menschheit nur noch aus Nutzvieh besteht! Man atmet auf, wenn man endlich wieder einmal einem in sich geschlossenen Menschen begegnet, der sich nicht erst entschuldigen muss, da zu sein, der lebt, wie eine Blume blüht, wie die Sonne scheint, wie der Vogel singt. Es ist kein Blühen, kein Leuchten, kein Singen in einer Menschheit ohne unnütze Menschen.«

Franz hatte früher ein sehr gutes Verhältnis zur katholischen Kirche und diese positiven Erfahrungen ermöglichen ihm nach seiner Heimkehr nun eine entschiedene Hinwendung zur Religion.

»Er gedachte heute noch dankbar der braven freundlichen gelehrten Priester, die dem jungen Volk jede Freiheit ließen, wirklich keine Pedanten waren und alles eher als Frömmler. Den Schülern geschah kein Zwang, nichts hinderte sie, sie wurden nie mit geistlichen Übungen geplagt, und gar der allgeliebte Pater Zirwin, der Philologe, war ein entschiedener Heide.«

Auch Hermann Bahr fand nach zwei schweren Krankheiten seine Bekehrung. So viele Wechsel der Autor in seinem Leben auch erfahren hatte, seiner Religion blieb er treu, denn ein Krebs fühlt sich regelrecht hingezogen zu einem nahezu kindlichen Glauben.


So kann Franz unbehelligt ein Leben in Muße führen. Er beschäftigt sich mit seiner Familiengeschichte, er beginnt zu malen, aber besonders gerne hält er sich in der Natur auf:

»Stundenlang konnte Franz immer wieder von neuem erstaunen, wie jede Wiese dieselben paar Blumen, Ranunkeln und frechen Löwenzahn, Maßliebchen und nickende Glocken, Nelken und den wuchernden Schierling, anders zum Kranze wand und so dieselbe Wiese zur Linken des Weges ein weißwehender Traum, zur Rechten ein schallendes Lachen in Gelb war. Er stand und staunte.«

Wenn ein Krebs von seinem Umfeld so verlässlich unterstützt wird, kann er seine Kindlichkeit und seine träumerische Veranlagung bis ins hohe Alter bewahren.

BABYLONISCHE STERNKUNDE

Das Hexagesimalsystem und der Zodiak

12 = 6 x 2 / 36 = 6 x 6

BARBARA FRISCHMUTH

Kai und die Liebe zu den Modellen


Mit diesem Roman verarbeitete die Autorin ihre persönlichen Erlebnisse, die sie als junge Mutter mit ihrer zerbrechenden Ehe hatte, was sie dazu bringt, neue Lebensentwürfe zu durchdenken.


Die Schriftstellerin Amy Stern lebt in Wien und erzieht dort ihren Sohn Kai weitgehend allein. Sie leidet an dem Unverständnis ihres Lebenspartners Klemens gegenüber ihrer neuen Aufgabe als Mutter sowie an dem »schrecklichen Abgeschnitten sein« durch die häusliche Gebundenheit und an der Kinderfeindlichkeit der städtischen Umgebung in den 1970er Jahren.


Doch alle Krebse lieben Kinder, und so kann auch Amy sagen, »dass ich es keinen Augenblick bereut habe, dass ich ihn unbedingt haben wollte«. Mit ihrem kleinen Jungen kann sie nach Herzenslust Nähe leben: »Kai, Kai und noch einmal Kai. Zwischen ihm und mir ist die Berührung eine Sprache, die wir von Geburt an, von seiner Geburt an, gelernt haben und deren wir uns mit Selbstverständlichkeit bedienen. Ich liebe seinen kleinen dicken weißen Hintern, so wie er meine Brüste liebt. Aber das sind Vergnügungen in sich. Und es sind nicht unsere einzigen Vergnügungen.«

Barbara Frischmuth, geboren am 5. Juli 1941 im Sternzeichen Krebs

Kai verstärkt ihre Wünsche nach einem Leben außerhalb der Stadt, denn ein Krebs möchte seinem Kind nicht nur in der Beziehung Geborgenheit geben, sondern auch in der Umgebung: »Manchmal wünsche ich mich auf eine Wiese, in ein Holzhaus, zu freundlichen Leuten, mit denen man sich unterhalten kann. Ich möchte in einer Landschaft sein, in der man von weitem aufeinander zukommen kann. Ich möchte, dass das Haus, in dem ich wohne, einen großen Hof hätte mit Bäumen und Bänken. Vielleicht sogar mit Schilf, das man rauschen hören kann, wenn man den Abfall zu den Mülltonnen trägt. […] Ich habe Sehnsucht nach Freunden, die in der Nähe wohnen, die man ebenerdig treffen kann.« Auch die Nähe zum Wasser, seinem Element, liebt der Krebs besonders: »Ich habe Sehnsucht nach Wasser. Nach einem Fluss, einem Bach, einem Tümpel. Und wäre er noch so klein. Man müsste das Wasser wittern, ja riechen können, spüren, wie es verdunstet.«


Um diese Sehnsucht zu mindern, geht Amy wenigstens ab und zu schwimmen: »Es ist das absolute körperliche Wohlbehagen. Die gleichmäßige Wärme, der Strahl, der einen an der Stelle trifft, an der man getroffen werden möchte, die Glaskuppel, durch die man die Bäume und den Himmel sehen kann. […] Jede der sparsamen Bewegungen, die man ausführt, tut wohl, vom Fingernagel ausgehend bis tief in die Schultergelenke hinein. Und was mein Rückgrat betrifft, würde ich am liebsten so schlängeln und drehen, dass jedem Wirbel die ihm gemäßeste und angenehmste Bewegung zukommt.«


Der Alltag mit einem kleinen Kind in einer Stadt ist aber nicht so wohltuend, sondern vielmehr sehr anstrengend. Eine Frau, die in einer solchen Umgebung ein Kind allein aufziehen muss, ist auf jeden Fall überfordert, weil alles in der Stadt »eine einzige erzwungene Organisation« ist, ein »Aufwand an Organisation, der durch jede nicht eingeplante Regung in Frage gestellt wird. […] Bei allem muss ich ihn an die Hand nehmen. Im Lift muss ich für ihn drücken, in die Straßenbahn muss ich ihn heben, in jedem Auto, in das wir steigen, ist eine Kindersperre, und das Fenster in seinem Zimmer ist vergittert, damit er nicht hinunterfällt, wenn er auf die Straße schaut. Rolltreppe, Drehtüre, Paternoster, jede Kreuzung, jede Unterführung, jede Steckdose […] es ist alles auf den Tod hin gefährlich. Und kein Instinkt warnt ihn, wie der Flugschatten eines Habichts ein Huhn warnen würde.«

Als berufstätige Mutter lebt sie darüber hinaus »in einem Martyrium der Leistung«. Die gesamten Bedingungen fordern viel zu viel Kraft von ihr, was Amy nicht akzeptieren kann: »So stark will ich gar nicht sein.«


Krebse empfinden das Leben der Naturvölker angemessener für die menschliche Natur, besonders für Kinder: »Die Indianer haben es ganz schön gut, sagt Kai, nachdem wir uns im Fernsehen einen Film über die kanadischen Cree-Indianer angeschaut haben. Da sitzen sie alle, die Männer, die Frauen und die Kinder, im Kreis und essen. So wie die Leute dreinschauen, fühlt sich keiner überlastet oder belästigt, weil die Kinder Tag und Nacht dabei sind. Und während der Großvater an seinem Ruder schnitzt, schnipselt auch der Enkel mit seinem Taschenfeitel an einem Stück Holz herum.«


Amy phantasiert eine ganz andere Art von Stadt für sich und ihr Kind: »Schon überwältigt mich wieder dieses ungeheuerliche Gefühl der Liebe, das ihn vor allem, das kommen wird und auf das er nicht vorbereitet ist, schützen möchte. Und ich stelle mir diese Stadt als eine magische Stadt vor, in der die Augen der Menschen auf die Kinder gerichtet sind. Ich sehe, wie die Kinder sich in kleineren und größeren Gruppen frei bewegen […] Die Augen der Leute sind wie durch einen Magnet an die Kinder gebunden, und wann immer die Kinder dazu ansetzen, über die Straße zu gehen, findet sich eine Hand, die hinübergeht oder die das Auto aufhält.«

Vor der rauen Wirklichkeit bleibt Amy nur der Traum von der unauflöslichen Gemeinsamkeit aller Menschen, auch von der körperlichen Verbundenheit, so wie sie in der Schwangerschaft zwischen Mutter und Kind besteht. Sie träumt einen tröstenden Traum, in dem alle Menschen sich zwanglos unter Wasser zusammenfinden, als ob dieses ihr Element wäre:

»Ich selbst befand mich mitten unter all den Leibern, ihren Berührungen ausgesetzt, von der freiwerdenden Wärme umgeben, von ihren Bewegungen mitgerissen. Das Glücksgefühl, das dabei entstand, wurde von Augenblick zu Augenblick größer. Schon konnte ich meinen eigenen Leib kaum mehr unterscheiden in der Menge der Befreiten, die wild durcheinander strömten. [...] Mein Hals umhalste andere Hälse, und mein Haar vermischte sich mit dem der anderen. Mein ganzes Ich empfand diese vielen Berührungen, und ich sah das Lächeln, das sich auf die Münder legte.«

ASTROLOGISCHER LESEZIRKEL

ARIES ― TAURUSGEMINI ― CANCER ― LEOVIRGOLIBRA SCORPIUS ― SAGITTARIUS ― CAPRICORUS ― AQUARIUS ― PISCES


Weitere Werke von Krebsautoren, deren Protagonisten typische Eigenschaften ihres Zeichens aufweisen und aus Sicht der Astrologie Lesevergnügen bereiten, sind:


Die maurische Infantin von Mohammed Dib

Klingsors letzter Sommer von Hermann Hesse

Wind, Sand und Sterne von Antoine de Saint-Exupéry

Jeanne von George Sand

Walden oder Leben in den Wäldern von Henry David Thoreau


Vorschau

Die nächste Episode des Astrologischen Lesezirkels steht im Zeichen des Löwen und geht am 21. Juli 2021 online. Wer zeitgerecht erinnert werden möchte, registriert sich für unsere Rubrik Einsichten oder abonniert uns auf Facebook. Besprochen werden die Romane Die sieben Säulen der Weisheit von Thomas Edward Lawrence, The World My Wilderness von Dame Rose Macaulay und Bel-Ami von Guy de Maupassant.

Über diese Studie Die Präposition, dass ein Geburtshoroskop eines Künstlers Auswirkungen auf sein Schaffen zeigen kann, und sich mitunter in seinen Werken widerspiegelt, ist der Ausgangspunkt dieser umfassenden Studie, für die 72 Romane von Krebsautoren sondiert, gelesen und astrologisch interpretiert wurden.


Über die Autorin

Karin Bat, Jahrgang 1953; geboren und aufgewachsen in Ostwestfalen; Studium der Literaturwissenschaft, Theologie Philosophie und Wissenschaftsjournalistik; berufliche Tätigkeit in der Erwachsenenbildung und im Verlagswesen; seit 1992 in Österreich beheimatet; eingehende Beschäftigung mit Jungianischer Psychologie und dem Tarot; Beratungen, Seminar- und Vortragstätigkeit.


Karin Bat

Astrologin, Theologin, Philosophin

Auf der Alm 1

A-2500 Baden bei Wien

GSM +43 (0) 664-863 01 22

E-Mail: k.bat@gmx.at

© 2021 Karin Bat | Epiphany | Institut für Kulturgeschichte, Leipzig

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