• Jimmy Deix

Bitte bei Tür Nummer 10 läuten!



Die Adresse 10 Downing Street in Westminster ist NICHT der Amtssitz des Britischen Premierministers. Eine kleine Symbolschau verrät, welche Geister hinter dieser Tür tatsächlich wohnen.


Die Tür mit der Nummer 10 in der Londoner Downing Street ist die berühmteste Tür der Welt. Doch warum ist dem so? Es ist doch bloß eine Tür. Zugegeben, hinter ihr waltet eine sehr machtvolle politische Person ihres Amtes und selbst wenn das dunkelgraue Haus, in das diese ikonische Tür führt, eher unscheinbar und schlicht erscheint, so werden hier dennoch die wichtigsten Entscheidungen des Inselstaates getroffen – in manchen Fällen sogar darüber hinaus. Es ist ein klassischer Standort der Macht (manchmal auch der Ohnmacht), wo der Commonwealth of Nations sein Zentralbüro führte, die Weltwirtschaftskrise der 1920er Jahre gebändigt werden musste, zwei Weltkriege gefochten und schließlich ein moderner Wohlfahrtsstaat entwickelt wurde. Heute wird hier der umstrittene Brexit vollzogen, der über die Zukunft der Europäischen Union und deren erfolgreiches Fortbestehen entscheidet.


Tür auf, Tür zu

Diese dunkle Machtschwelle, hinter der sich all diese Dinge zutragen, weist einige besondere Merkmale auf, die es wert sind, aufmerksam inspiziert zu werden. Diese geheimnisvolle Tür:


– ist nicht aus Holz

– hat eine Klingel, die nicht funktioniert

– hat keine Türklinke und auch kein Schlüsselloch

– öffnet sich wie durch Geisterhand von selbst


Der tiefschwarze, hochglänzende Klavierlack spiegelt auf einzigartige Weise die Wolken des Londoner Himmels wider. Die Tür besteht nicht aus Holz sondern aus bombensicherem Bewehrungsstahl. Sie kann aus Sicherheitsgründen nur von innen geöffnet werden. Sie hat keine Türklinke und auch kein Schlüsselloch, woraus sich schließen lässt, dass es für diese Pforte der Macht gar keine Schlüssel gibt. Für jeden Besucher, der sich ihr nähert, öffnet diese – wie durch Geisterhand – scheinbar automatisch. Im Hausinneren wacht ein Portier, der Herannahende auf Kameramonitoren ausmachen kann, und im richtigen Moment nach der Klinke schnappt. Damit erübrigt sich an ihr zu läuten – die Türklingel an der rechten Seite soll bloß eine funktionslose Attrappe sein.



Begehrtes Amt auf »heißem Stuhl«

Für den Türpagen steht im Hausflur ein Stuhl bereit. Einst wurde unter dem Sitz ein Stück glimmende Kohle platziert, damit der Portier, der sich darauf ausruhte, im kalten Flur nicht frieren musste. Diese primitive Sitzheizung gab Anlass für die launige Benennung »Hot seat« (dt. »heißer Stuhl«), einer unkenden Umschreibung für das Amt des Premierministers, das mitunter einer starken Personalfluktuation ausgesetzt sein kann. Bildhaft gesprochen würde man in deutscher Sprache »Schleudersitz« dazu sagen.


Auf Wasser gebaut

Das Londoner Regierungsviertel wurde – ähnlich wie Notre-Dame in Paris, der Rialto in Venedig oder die Freiheitsstatue in New York – auf einer Wasserinsel errichtet. Thorney Island (dt. »Dorneninsel«) war einst ein unwirtliches Gebiet, umgrenzt von den Ausläufern des Tyburn River, der hier in die Themse mündete. Im Mittelalter legten Benedektiner-Mönche den Grundstein für ihr Kloster. Heute befinden sich hier der Palace of Westminster mit seinem Parlament, die Krönungskirche Westmister Abbey, die Ministerien in Whitehall und natürlich die Downing Street. Aufgrund von Flussregulierungen und Überbauungen ist die Insel heute als solche nicht mehr erkennbar. Die nunmehr unterirdisch verlaufenden Wasserströme erklären, warum der zu großem Ruhm gelangte Hauskater Larry in der Downing Street unverzichtbar ist. Der First Chief Mouser, so sein offizieller Titel, jagt nicht nach kleinen Mäusen sondern nach fetten Ratten. It’s disgusting!


Auf Thorney Island errichteten Benedektinermönche im Mittelalter Westminster Abbey, um die später das britische Regierungszentrum entstand

Eine Art Seelenverwandter dieser unliebsamen Tiere muss der Namenspatron unserer Straße gewesen sein. Sir George Downing (1623–1684) war nicht nur Staatsmann sondern auch Spion, Verräter und Bauspekulant. Als Günstling von Oliver Cromwell und König Charles II. bekam Downing – entweder aus Dank oder weil er zuviel wusste – ein Stück Land überschrieben, auf dem er die nach ihm benannte Straßenzeile errichten ließ. Noch Winston Churchill beklagte seinerzeit das schlechte Mauerwerk. Wie treffend! Das Wort downing heißt »ruinös« oder »ruinierend«; to down bedeutet »etwas zu Fall bringen«. Boris Johnson muss ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen.

Jemand zu Hause?

10 Downing Street ist NICHT der offizielle Amtssitz des Britischen Premierministers, wie bei jeder Gelegenheit fälschlich behauptet wird. Die Adresse ist in Wirklichkeit die Residenz des Schatzmeisters der britischen Krone – dem First Lord of the Treasury. Wer davon nicht überzeugt ist, den wird die Aufschrift am Briefschlitz der Tür vergewissern. Da der Schatzmeister der Krone in Personalunion auch das Amt des Premierministers ausübt, ist er in dieser Funktion ebenso hier zugegen. Er könnte genaugenommen jedoch ganz wo anders wohnen. Das Amt des Premiers ist nicht an die Downing Street gebunden.

Der Schatzmeister der britischen Krone ist keinem Finanzminister gleichzusetzen, sondern steht der Verwaltungskommission des Krongutes (The Crown Estate) vor.


Die Gravur auf dem Briefschlitz zeigt: Hier residiert nicht der Premierminister sondern des First Lord of the Treasury – der Schatzmeister der Krone

Eingang und Übergang – Symbol und Bedeutung

Ein Tor oder eine Tür ist eine bewegliche Barriere und ein Symbol der Abgrenzung, aber auch des Übergangs von einem Stadium oder einer Welt in eine andere. Sie steht für Initiation und kann der Eintritt in ein neues Leben oder in eine verborgene Welt sein. Sie gibt wenig von sich und hat doch einen tieferen Sinn. Nach altorientalischer Vorstellung besitzt das Jenseits – Himmel und Unterwelt – ein Tor. In der Kirchenarchitektur steht die Pforte sinnbildlich für den Eingang in den Himmel. »Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird Heil erfahren«, heißt es im Evangelium des Johannes [Johannes 10:9].

The Dawn of A New Day – Der Anbruch eines neuen Zeitalters

Sonnensymbole auf Hausfassaden sind in fast allen Kulturen sehr häufig und dennoch sind sie besonders. Man kann sie auf vielen Türen und Fassaden entdecken, wenn man genau sieht. Das Portal von 10 Downing Street ist genau nach Süden ausgerichtet und in der Oberlichte über der pechschwarzen Tür ist eine symbolische Sonne mit sieben Strahlen erkennbar. Um diese sind sieben Mantellinien einer stilisierten Herzmuschelschale angeordnet, einer sogenannten Konche, wie sie in der Architektur genannt wird. Ein kleiner, aufrechter Pfeil deutet phallisch in die obere Richtung, was auf einen Sonnenaufgang schließen lässt. Gewiss sind die Worte Dawning (dt. »Anbruch«) und Downing (dt. »zu Fall bringen«) einander nicht nur lautmalerisch ähnlich – auch ihr Wortsinn steht in einem Zusammenhang, wie beim Auf- und Untergang der Sonne. Man merke: Die Dämmerung eines Tages beginnt immer im dunkelsten Moment der Nacht!


Der Löwe, der als Türklopfer dient, ist ebenfalls ein Sonnensymbol. Er ist der »Hüters der Quelle« und seine unbändige Mähne deutet die flammenden Sonnenstrahlen an. Nur männliche Löwen stehen für die Sonne; weibliche Löwinnen symbolisieren hingegen den Mond. Hier haben wir Tag und Nacht – ein Dualismus, der sich zudem im schwarzweiß gekachelten Fußboden fortsetzt, wenn man das Haus betritt, oder in der Laterne vor der Tür, die in der Nacht das Tageslicht ersetzt.

Wappentier und Sonnensymbol: Der Löwe als Türpocher, 10 Downing Street


Der Mann in der Tür

Der englische Architekt und Designer Edwin Heathcote hat scharfsinnig erkannt, dass durch eine Dreiteilung des Türblattes eine menschenähnliche Form andeutet wird. In einem Artikel in der Financial Times schreibt er:


»Das Türblatt selbst ist jenes Element in der Architektur, das den Bewohner darstellt. Es prägt die Fassade nach menschlichen Maßstäben und weist als solches eine vage anthropomorphe Form auf. Seine Dreifachteilung – Beine, Rumpf und Kopf – ist in den Paneelen wiedererkennbar, wobei der Türknauf in ihrer Mitte einem Nabel gleichkommt.«


(Der Löwe als Türklopfer könnte so gesehen das Herz dieses imaginären Menschen darstellen.)

Zehn – die Zahl des Schöpfungsplanes

Noch interessanter als die Tür selbst ist vielleicht die Nummer, die auf ihr prangt – die Zehn. Diese Zahl umfasst alles und steht für Gesetz, Ordnung und Herrschaft. In der spirituellen Numerologie steht die Zehn für Wandel, Umbruch und das Auf und Ab im Leben, kann aber auch Unbeständigkeit, Unruhe und Misserfolg bedeuten. Die Trumpfkarte Nr. 10 im Tarot ist das »Rad des Schicksals«.


Laut den Pythagoreern ist die Dekade die göttliche, vollendete Zahl, weil sie alle arithmetischen und harmonischen Proportionen einschließt. Sie ist unendlich und vollkommen. Die Zahlen 1 bis 10 beherrschen jedes Geschöpf, und diese Zahlen stehen wiederum unter der Herrschaft der göttlichen Monade bzw. der Zahl 1.


Die unvollendete und damit imperfekte Zahl 9 gilt in der pythagoreischen Zahlensymbolik hingegen als menschlich. Die Edition Ewige Weisheit vermerkt: »Odysseus wanderte neun Jahre und kehrte im zehnten heim; Troja wurde neun Jahre belagert und fiel im zehnten.«

Besonders interessant ist, dass die Null der Türnummer in 10 Downing Street deutlich nach links geneigt ist, und zwar in einem Winkel von 37 Grad, wohingegen die Eins kerzengerade aufrecht ist. Die 3 und die 7 sind die heiligsten aller Zahlen. Addiert man sie, erhält man erneut die 10. Warum die Null geneigt ist, bleibt ein Rätsel.

Sinnbildlich betrachtet ist die phallische Eins (1) maskulin und die ovale Null (0) feminin. Der zehnte Buchstabe im hebräischen Alphabet ist Yod (י). Aus diesem entwickelte sich der griechische Buchstabe IOTA, der unserem alphabetischen Zeichen J bzw. I entspricht. Sogar optisch erinnern die ersten Lettern des Zahlenwortes IOTA an die berühmte Türnummer in der Downing Street. Liest man die Ziffer 1 als Buchstabe I und die Null als Buchstabe O, so wird aus den Initialen I und O die Namen ISIS und OSIRIS – die Eltern des ägyptischen Sonnengottes.


Bei kontemplativer Betrachtung der Türnummer wird nach einiger Zeit – und mit etwas Fantasie – etwas unheimliches erkennbar: Bei Überblendung der beiden Ziffern zeigt sich ein Reptilienauge. Sehen Sie es auch? David Icke hätte bestimmt seine Freude an dieser Beobachtung. Doch vielleicht verlieren Leute, die hier wohnen, auch einfach nur ihren Verstand.


Viele der vorhin genannten Dinge müssen nicht so listig beabsichtigt gewesen sein, wie sie hier beschrieben werden. Vieles ergibt sich aus dem Baustil und damit verbundenen Moden, doch all diese Dinge machen diese Tür zu dem, was sie ist.

Edwin Heathcote merkt an: »Die Eingangstür bleibt ein seltsames und dauerhaftes Erinnern an Aberglaube und Mythos. […] Sie stellt lang verlorene Welten, Sonnenanbetung, Dämonen und Omen, Angst, Gefahr, Sex, die Sonne, Leben und Tod dar – all dies findet sich hier. Und das ist nur die Tür. Warten sie erst ab, bis sie eintreten.«



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