• Karin Bat

Die schönen Künste im Zeichen der Fische

Planetare Einflüsse und Bildwirkungen der Neptun-Energie in der bildenden Kunst. Eine astrologische Gemäldestudie von Künstlern, die im Sternzeichen Fische geboren wurden.

+++ CALENDARIUM ASTRUM ARTIFICIUM PISCES +++

ARIES TAURUS GEMINI CANCER LEO VIRGO LIBRA SCORPIUS SAGITTARIUS CAPRICORNUS AQUARIUS PISCES

Der Charakter der Fische ist von der sanften, verinnerlichten Energie des Neptuns geprägt, der in der Astrologie dem Element Wasser zugeordnet wird. Der Fisch sucht, wie das Wasser, sich allen Bedingungen anzupassen, ja, hinzugeben, weil er keine Grenzen zieht noch setzen mag. Für ihn sind alle Lebewesen – Pflanze, Tier und Mensch – beseelt, wobei ihm die Unterschiede im Einzelnen nicht wichtig sind. Der Fisch ist getragen von dem Glauben an die umfassende Gemeinsamkeit der Geschöpfe, die sich alle einem höheren Geist verdanken.


Bildnisse: Empfänglichkeit – Innerlichkeit – Melancholie

Fischemaler stellen Personen als sanfte und hingebungsvolle Menschen dar. Sie sind offen für ihr Gegenüber und schauen voller Liebe auf den Betrachter – angesichts von Lebensproblemen auch mit einem mitleidigen oder kummervollen Blick.


Porträt der Madame de Flesselles

Jean Marc Nattier (*17. März 1685)

Jean Marc Nattier war ein begehrter Bildnismaler seiner Zeit und vor allem beliebt für seine Damenporträts. In seinen Bildern stellt er die Personen gern in einen mythologischen oder allegorischen Zusammenhang. Damit drückt er das Lebensgefühl des Fischegeborenen aus, nicht allein für sich zu stehen, sondern in einem übergeordneten Sinngefüge zu leben. Elisabeth des Flesselles, die Gattin eines Pariser Bankiers, wird hier zu einer Allegorie des Flusses und des Fließens – die materielle Verwirklichung der Seelenwelt der Fische. Sie lehnt an einer Urne, aus der Wasser strömt. Sie trägt eine Perlenkette um den Hals, ihre weiße Korsage fließt lose an ihr herab, ein locker drapierter, blauer Chiffon hüllt sie ein. Am linken Bildrand ragt Schilf hervor; der Fluss selbst bildet den Hintergrund und verliert sich im Unendlichen. Die Körperhaltung der porträtierten Dame entspricht der weichen Bewegung des Wassers. Ihr offener, liebevoller Blick löst im Betrachter ein Gefühl von Versöhnlichkeit und Friedfertigkeit aus.


Selbstbildnis mit aufgerissenen Augen

Ferdinand Hodler (*14. März 1853)


Da der Fisch so empfänglich ist für alles, was rund um ihn geschieht, hat er ein äußerst feines Gespür für Unglück in seiner Umgebung, aber auch für das Leiden in und an der Welt im Allgemeinen. Dieses aus der Zeit des I. Weltkrieges stammende Selbstporträt zeigt den Schweizer Maler Ferdinand Hodler in seinem Entsetzen darüber, was in der Welt vorgeht. Obwohl er in seiner Heimat nicht unmittelbar in das Kriegsgeschehen involviert war, nahm er sich das menschliche Elend sehr zu Herzen. Auch er selbst hatte viel Trauriges erlebt: Mit 7 Jahren verlor er seinen Vater, mit 14 seine Mutter und in weiterer Folge seine fünf Geschwister, die allesamt an Tuberkulose starben. Er musste Liebestrennungen und heftige Anfeindungen seiner Kunst durchstehen, ehe er als einer der bedeutendsten Schweizer Maler des 19. Jahrhunderts anerkannt wurde. Die Erde aber blieb für ihn ein Ort, an dem man sich nie wirklich heimisch fühlen kann.


Die Schwanenprinzessin Michail Alexandrowitsch Wrubel (*17. März 1856)


Diese zarte junge Frau ist die Hauptfigur aus dem »Schwanensee« von Peter Tschaikowski, die von einem bösen Zauberer entführt und in einen Schwan verwandelt wird. Nur bei Mondschein kann sie sich als schöne Frau zeigen und entsteigt in einem seidigen Federkleid dem Wasser. Ihre großen, traurigen Augen bitten flehend um Erlösung. Einsam verbringt sie ihre Tage in Gefangenschaft, bis eines Nachts Prinz Siegfried an dem See Schwäne jagen will. Dort erscheint ihm die wunderschöne Prinzessin. Sofort ist Siegfried von ihrem Zauber gefangen. Als sie ihm bekennt, dass sie nur durch die Liebe eines Mannes erlöst werden kann, schwört ihr Siegfried die ewige Liebe. Der Zauberer versucht, diese Verbindung mit viel Arglist zu hintertreiben, doch Siegfried gibt nicht auf. Das Märchen endet – je nach Inszenierung – mit einem glücklichen Hochzeitsfest oder dem gemeinsamen Tod im See. Das Lebensgefühl des Fischegeborenen ist sehr stark von dem Grundgefühl des Ausgeliefertseins an die jeweiligen Verhältnisse geprägt, von deren Veränderbarkeit er nicht ausgeht. Vielmehr bleibt selbst unter glücklichen Umständen die Sehnsucht nach Erlösung bestehen.


Ein Vagabund der Nacht Mihaly Munkácsy (*20. Februar 1844)


Die Kraft des Neptuns, die das Festgefügte unterspült, kann den Fischegeborenen in Unruhe versetzen. Wie Strandgut treibt er dann in der Welt, kann nirgendwo bleiben, fließt mit dem Strom des Lebens irgendwohin. Dieser Vagabund, der vielleicht nur das, was er am Leibe trägt, sein Eigen nennt, ist von dunklen Gedanken getrieben, findet nirgendwo Halt, sondern versinkt immer tiefer in seiner Melancholie. Wir wissen nicht, was ihn antreibt, doch oft braucht es keinen äußeren Anlass, um der Traurigkeit zu verfallen und von der Welt nichts mehr zu erwarten



Umgebung: Wasser, Abend- und Nachtstimmungen

Für den Fisch ist die äußere Welt nicht in ihrer Faktizität von Bedeutung, sondern wegen ihrer Eignung, mit bestimmten Situationen in Resonanz treten zu können. Dem Fisch geht es um die Stimmung, die ein Raum oder ein Ort verbreitet, denn nur über diese kann er sich mit der Außenwelt verbinden.


Chiemseespiegel Joseph Wopfner (*19. März 1843)


Mit Vorliebe hält sich der Fisch am Wasser auf, weshalb Künstler dieses Sternzeichens gerne Seelandschaften malen. Im Wasser kann die Seele in ihrer Unermesslichkeit und Wandlungsfähigkeit reflektieren. Sie stößt an keine störenden materiellen Härten und kann ungehindert das Innen mit dem Außen verbinden. Im Gemälde Chiemseespiegel von Joseph Wopfner ist der Traum von der größtmöglichen Übereinstimmung einer Innen- und Außenwelt dargestellt. Der See ist so glatt, dass er den Himmel widerspiegelt. Der Fuß des massiven Berges verschwindet im Uferdunst und verliert seine materielle Abgrenzung und Schwere. Die Elemente Luft, Wasser und Erde scheinen zu einem einzigen zu verschmelzen. Ein über den See gleitendes Boot fügt sich in den magischen Moment überirdischer Ruhe und Harmonie. Obwohl es hochbeladen ist, akzentuiert es als visueller Kontrapunkt die schwerelose Idylle.


In the evening it shall be light

Benjamin Williams Leader (*12. März 1831)


Das viele Wasser, das diese Landschaft prägt, stammt von der Schneeschmelze, die sich nach dem alten Wetterkalender in Mitteleuropa genau im Fischemonat ereignet. Die zuvor gefrorene, hart gewordene Erde löst sich auf, wird aufgeschwemmt und ist dadurch nicht zu bewirtschaften. Es bleibt nur, auf den nahenden Frühling zu warten.

Der Fischegeborene wartet tagsüber auf den Abend, der ihn von seinen Pflichten entbindet und ihm Zeit für Wohlergehen und Träume schenkt. Der Fisch begrüßt das Vergehen des Tages, da der Abend zwar äußeres Dunkel bringt, dafür aber dem Innenleben mehr Raum lässt. Die leuchtende Dämmerung im Bild von Benjamin Williams Leader, in dem schwarze Vögel einen alten Friedhof besuchen, verspricht nicht nur eine friedvolle Abendstunde, sondern ist auch eine Verheißung des ewigen Friedens am Ende der Tage.


Riddarfjärden. Stockholm Eugène Frederik Jansson (*18. März 1862)


Wegen ihrer Affinität zur Nacht malen Fischegeborene gerne Nocturnes, weil die Seele in der Dunkelheit freier schweifen kann. Liegt ein Ort am Wasser, wird er oft ablandig ins Bild genommen, wie hier die Stadt Stockholm, die im Bildhintergrund schimmert, während im Vordergrund das Wasser die Dunkelheit der Nacht und einige Uferlichter widerspiegelt.

Der Riddarfjärden ist der östliche Teil der Seebucht von Stockholm und gehört mit seiner sechs Kilometer langen Uferpromenade zum zentralen Stadtgebiet. Hier befinden sich Teile der Altstadt mit interessanten Bauten sowie eine der höchsten Brücken Schwedens. Ein Fischemaler sucht jedoch nicht so sehr die äußeren Motive wiederzugeben, sondern die Stimmung, die ein Ort ausstrahlt. Bei Nacht ist diese so zauberhaft und traumgleich, dass die Einzelheiten nicht mehr zählen, und sich alles zu einem wunderbaren Konzert zusammenfügt.


Verluste – Schicksalsschläge – Rettung

Dem Fischegeborenen gibt sein Dasein als solches immer wieder Anlass zur Trauer, weil es selbst unter besten Bedingungen seine tiefen Sehnsüchte nicht oder nur kurzfristig erfüllen kann. Wenn er jedoch einen wirklichen Verlust erleiden muss, wie es von Natur aus jedem von uns widerfährt, kann er es nicht fassen und verfällt in tiefe Verzweiflung.


Morgen nach einer Sturmnacht

Johan Christian Clausen Dahl (*24. Februar 1788)

Wer eine Reise unternimmt, geht das Wagnis ein, dass etwas nicht so läuft wie geplant. Ein schwerer Sturm hat ein Schiff zum Kentern gebracht und einen Matrosen an eine Felsküste geschwemmt. Das Meer ist aufgewühlt, das Wrack versinkt allmählich in den Fluten. Der junge Seefahrer, vielleicht der einzige Überlebende des Unglücks, kann das Unglück nicht ertragen und verbirgt seinen Kopf, gibt sich vollends seiner Verzweiflung hin und wartet auf Rettung von außen. So wie er den Schiffbruch ohne sein Zutun erlitten hat, will er auch ohne sein Zutun wieder aus der Notlage herauskommen.

Ein Hund schaut den Schiffbrüchigen mitleidig an, doch in seiner Hoffnungslosigkeit nimmt ihn dieser gar nicht wahr. Das Tier ist ein tröstlicher Begleiter in der Not, und vielleicht kann der Hund sogar den Weg zu Menschen in der Nähe weisen. Auf vielen Bildern von Fischemalern finden wir eine enge Beziehung zwischen Mensch und Tier dargestellt, weil der Fisch Tieren sehr zugetan ist und sie als Leidensgenossen empfindet.


Sappho in Leucate Antoine-Jean Gros (*16. März 1771)


Die Dichterin Sappho, die um 600 v. Chr. auf Lesbos lebte, steht gefährlich nahe an einer Felskante, als wollte sie entschweben. Der Nachtmond spiegelt sich im Meer, als würde er darin versinken. Zugleich erhellt er Sapphos weißes Gewand, das sie wie ein Wasserschleier umhüllt. Einer Legende nach stürzte sich Sappho aus Kummer über ihre unerwiderte Liebe zu dem schönen Fährmann Phaon vom Felsen ins Meer. Im Wasser zu versinken ist eine Traumvorstellung des Fischegeborenen. Hier aber hält sich Sappho noch in der Schwebe zwischen Meer und Wolken, zwischen Erde und Himmel, und umfasst ihre Lyra, als ob ihr diese Halt geben könnte. Doch die Unterschiede verschwimmen bereits, und Sappho ist mit ihren geschlossenen Augen ganz in ihre innere Welt eingetaucht. Sie scheint sich der Gefahr ihres nächsten Schrittes nicht bewusst zu sein, so sehr geht sie in ihren Gefühlen auf. Es ist eine Bewegung der Hingabe, nicht des Todesmutes. So entspricht ihr das Wasser als Spiegel ihrer inneren Welt, als das ihr verwandte Element, dem sie sich in ihrer Verzweiflung anvertrauen will.


Kaiser Maximilian I. in der Martinswand Ferdinand von Harrach (*27. Febraur 1832)


Nicht nur ein schweres Schicksal lässt jemanden in Not geraten, sondern auch eigenes Verschulden. Oft lässt der Fisch ohne jede Vorsicht konkrete Bedingungen außer Acht. Einmal der junge Kaiser Maximilian I. in seinem Jagdeifer einer leichtfüßigen Gämse so weit in die Felsen gefolgt, dass er beim Blick zurück in helle Panik verfiel. Er hatte sich an der sehr steilen Martinswand in den Tiroler Bergen völlig verstiegen und wusste nun nicht mehr vor noch zurück. Ihm blieb nichts, als im Gebet höhere Mächte um Rettung anzuflehen. Genau dieser Moment interessiert den Fischemaler sehr. Die Rettung erschien in Gestalt eines menschlichen Engels. Ein Bauernjunge, der sich im Gebirge gut auskannte, führte den Erschöpften auf einem gangbaren Weg zurück und verschwand in der Menge, sobald Maximilian sicher im Tal angekommen war. Deshalb hieß es schnell, ein Engel habe ihn gerettet. Diese Legende gefiel dem späteren Kaiser, der dadurch sein Renommee gesteigert sah: Wer von einem Engel gerettet wird, zählt zu den Lieblingen der Götter.


The Life Line Winslow Homer (*24. Februar 1836)


Eine über Bord gegangene, beinahe ertrunkene Passagierin wird mit einer Hosenboje aus den Fluten geborgen. Die See wogt stürmisch, aber ein Helfer in der Not hält die Ohnmächtige mit aller Kraft fest. Sie kann selbst nichts mehr zu ihrer Rettung beitragen, und ist vollkommen auf die Hilfe des Retters angewiesen, der unerkannt bleibt, weil ein rotes Tuch vor seinem Gesicht flattert. Er kann demnach nichts mehr sehen und ist wie seine Gerettete darauf angewiesen, dass die Männer, die außerhalb des Bildes die Seilwinde bedienen, alles richtig machen. So geschieht diese Rettungsaktion in einem größeren Zusammenhang, in dem jeder dem anderen vertrauen muss, um die Aktion zu einem glücklichen Ende zu bringen.

Hingabe, Mitleid, Hilfe

Der Fischegeborene ist höchst empfänglich für seine Umwelt, auf die er mit einfühlsamer Zuwendung reagiert. Er möchte jedem entsprechen und wenn möglich helfen, auch wenn er sich dabei selbst aus den Augen verliert. Es ist für den Fisch daher wichtig, sich Situationen zu suchen und zu genießen, die von Wohlwollen getragen sind, sodass es ihm gut ergeht.


Der Ball im Moulin de la Galette Auguste Renoir (*25. Februar 1841)


Ein Tanzball ist ein wunderbares Ereignis für einen Fisch, weil er in die Schwingung von Freude und Lebenslust eintauchen und sie mit allen anderen teilen kann. In Musik und Tanz zu schwelgen und sich dabei seinen Empfindungen hinzugeben ist für ihn ein Lebenselixier. In Auguste Renoirs Gemälde Der Ball im Moulin de la Galette überwiegen Blautöne und das sanfte Gewoge der Menge erinnert an Wasser. Alle sind einander in dieser Festlichkeit verbunden, als tanzende Paare noch zusehends enger. Die weichen Gesichter der im Vordergrund sitzenden Gruppe blicken teilnahmsvoll zu den anderen hinüber. Der Fisch zeigt gerne diese offene Hinwendung. Aus ihr entspringt die tiefe Sehnsucht, nicht allein zu sein, sondern ein Gegenüber zu haben. In der Zweisamkeit wird dieser Wunsch am besten verwirklicht und die im Bild zu erkennenden Paare zeigen innige Verbundenheit.


Die Windsbraut

Oskar Kokoschka (*1. März 1886)


Der Fischegeborene sehnt sich nach der Verschmelzung mit dem Anderen, will sich ganz und gar hingeben und in der Partnerschaft aufgehen. Da aber die Wirklichkeit oft Härten und Hindernisse mit sich bringt, neigen Fische mitunter zu Unzufriedenheit. In seinem Gemälde »Windsbraut« hat Oskar Kokoschka seiner Liebesverbindung zu Alma Mahler Ausdruck gegeben, die er 1912 als Witwe des berühmten Komponisten Gustav Mahler kennengelernt hatte. Beide verliebten sich heftig ineinander und führten eine leidenschaftliche, aber auch besitzergreifende Beziehung (Alma Mahler nannte sie einmal einen »Liebeskampf«). Als sie 1914 von Kokoschka schwanger wurde, trieb sie das Kind gegen seinen Willen ab, was schließlich zur Trennung führte. Aus Schmerz darüber meldete sich Kokoschka im I. Weltkrieg freiwillig an die Front, wo er schwer verwundet wurde. Das 1913 entstandene Bild ihrer Liebe zeigt die Beiden zart aneinandergeschmiegt in einem schwankenden Boot, das von der rauschenden See so stark bewegt wird, bis ihre Körper den Wellenlauf nachbilden. Doch so innig konnte es nur selten sein, nicht nur, weil sie an ihren eigenen Widersprüchen litten, sondern weil sie der stürmische Gang der Welt für immer voneinander trennte.


Hiob und seine Freunde

Eberhard Georg Friedrich von Wächter (*29. Februar 1762)


Hiob wird im Alten Testament als gottesfürchtiger, rechtschaffener Mann beschrieben, der trotzt seines Reichtums hilfsbereit und gerecht geblieben war. Um Hiobs Frömmigkeit auf die Probe zu stellen, vernichtet Satan seinen Reichtum, lässt seine Kinder sterben, vertreibt sein Vieh und ermordet seine Knechte. Doch Hiob bleibt bei seiner Gottesfurcht. Nun schlägt ihn Satan auch noch mit quälenden Krankheiten. Von Geschwüren und Schmerzen geplagt, nicht mehr wissend, warum er noch leben soll, liegt Hiob zusammengesunken am Boden. Da reisen seine drei Freunde an, um ihn zu trösten. Ihr Gesichtsausdruck zeugt von tiefem Bedauern, einem Mitleid, das angesichts eines solchen Elends jeden Fischegeborenen ergreift.

Im Alten Testament werden die Freunde Hiobs nicht so mitleidsvoll dargestellt wie in Eberhard Wächters Gemälde. Die Moralauffassung in vorchristlichen Tagen war, dass Hiob eine schwere Schuld auf sich geladen haben muss, um in ein solches Unglück zu geraten. Hiob aber ist sich keiner Schuld bewusst, kann nicht verstehen, warum es ihm so schlecht ergeht. Als Gott selbst zu ihm spricht und seine Größe entfaltet, die kein menschlicher Verstand fassen kann, akzeptiert Hiob das göttliche Wort und wird mit neuem Segen und Wohlergehen belohnt.


Die Unschuldigen mit leeren Händen

Francis Gruber (*15. März 1912)


Ein junger Mann zeigt uns seine offene, leere Hand. Seine Augen sind weit geöffnet, sie blicken traurig und ein wenig resigniert in die Welt. Sein ganzer Ausdruck zeigt, dass er in Not geraten ist und Hilfe braucht. Auch ein weiterer Mensch scheint sehr verletzt, tritt er doch als Torso in Erscheinung. Aus dem Hintergrund naht eine Frau heran, an der nicht erkennbar ist, ob sie ebenfalls eine Hilfesuchende ist oder gar Hilfe bringen wird. Wenn der Fischegeborene auf einen Menschen in Notlage trifft, fragt er nicht nach Schuld und findet immer entlastende Gründe. Er will bedürftigen Menschen in jedem Fall helfen, was auch immer sie in ihre Lage gebracht haben mag.



Sehnsucht nach Erlösung – Aufgehen in der Weltseele

Im Fischegeborenen lebt eine tiefe Sehnsucht, die materielle Welt hinter sich zu lassen. In den materiellen Zwängen unserer irdischen Existenz kann die Seele keine Befriedigung finden, und selbst der höchste Genuss, der uns davon ablenken kann, ist nicht von Dauer. So bringt der Fisch anderen Mitleid und Hilfe entgegen, sofern er nicht selber zu bedürftig ist. Einzig in der Liebe – sei sie auf Zweisamkeit, Familie oder Hilfsbedürftige gerichtet – findet er einen kleinen Vorgeschmack der himmlischen Seligkeit.


Titel unbekannt

Edgar Ende (*23. Februar 1901)


Die Seele ist wie ein Vogel, der sich in einer zugemauerten Welt nicht frei bewegen kann. So fliegt er klagend zwischen den Mauern hin und her, ohne sich ungehindert in himmlische Gefilde aufschwingen zu können. Edgar Ende, ein bedeutender Vertreter der visionären Kunst und Vater des bekannten Schriftstellers Michael Ende, galt als Maler der geistigen Welten, denen er auch praktisch näher zu kommen suchte, indem er sich von der Außenwelt zurückzog und tagelang in seinem verdunkelten Atelier zubrachte. Dort wartete er, bis sich seine bewussten Gedanken ausgeschaltet hatten und eine Art entleerter Wachzustand eintrat, der die Bilder aus seinem Inneren hervortreten ließ. Die in solchen Tagen entstandenen Skizzen benutzte er nicht als Vorlage für weitere Ausarbeitungen, sondern wiederum als Inspiration für völlig neu komponierte Imaginationen. Auch ließ er begonnene Gemälde manchmal über Jahre unberührt, bis ihm ein Geistesblitz den Weg zu deren Vollendung aufzeigte.


Nur mit Wind mit Zeit und mit Klang Anselm Kiefer (*8. März 1945)


Stürmisches Wasser und düstere Wolken bewegen sich in einem tosenden Sturm, und bewirken eine Stimmung von hoffnungsloser Vergeblichkeit. Nicht zufällig ist in diesem annähernd zehn Meter breiten Monumentalgemälde, das im Foyer des Berliner Reichstagsgebäudese seinen Platz gefunden hat, auch Blei verarbeitet, das saturnische Element der Erdenschwere. Das aufgeschlagene Buch in der Bildmitte hat nicht nur die Erinnerungen der Menschheitsgeschichte gespeichert, sondern auch die Weisheit, mit der der Mensch den Geschehnissen etwas Heilsames, Erhebendes und Befreiendes entgegensetzen kann. Es ist im Werke Anselm Kiefers seit je her Thema gewesen, sich von zerstörerischen Katastrophen und dem Gräuel des Krieges nicht völlig verstören zu lassen. Auch wenn alles verloren scheint und der Schmerz übergroß ist, kann die Seele auf einer höheren Ebene Zuflucht und punktuelle Erlösung finden.


Evolution

Piet Mondrian (*7. März 1872)


Dieses Triptychon stellt eine Frau dreimal in vollkommener Hingabe an die geistige Welt dar. Ihr unbekleideter Körper ist blau wie die Farbe des Wassers, das der Seele entspricht, aber auch des Himmels, das dem Geist entspricht. Es ist die Farbe unserer Erde, dem einzigen Planeten unseres Sonnensystems, der so wundersam von einer Atmosphäre umhüllt ist. Im linken und rechten Bild sind die Augen der Frau geschlossen; die roten Blüten neben ihrem Kopf (links) verwandeln sich – symbolisch für die Vergeistigung der irdischen Sphäre – in gelb leuchtende Sterne (rechts). Im mittleren Bild, das leicht über die beiden anderen emporragt, hat die Frau ihre Augen weit geöffnet, was auf ihren Fortschritt auf dem Weg in die geistige Welt deutet. Das ist die »Evolution«, die sich Piet Mondrian für die Menschheit wünscht. Er möchte das Vielfältige nicht unterdrücken und in einem Einheitswesen auflösen, auch möchte er die Materie nicht hinter sich lassen, sondern das Leben durch seelisch-geistige Vervollkommnung in eine friedliche Ruhe bringen.

Mondrian versteht Einheit also keineswegs als Gleichmacherei, sondern als die Frucht der größten Verschiedenheit. Nur wenn wir das Gegensätzliche verbinden, kann durch die wechselseitige Durchdringung von Geist und Materie der Schmerz dieser Welt ein Ende haben und wahrer Frieden möglich werden.

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Bisher erschienen

WIDDER STIER ZWILLINGE KREBS LÖWE JUNGFRAU WAAGE SKORPION SCHÜTZE STEINBOCK WASSERMANN FISCHE

Lesen Sie auch Sternblick auf die Malerei (ein Interview mit Karin Bat) und die Projektvorstellung Die schönen Künste im Zeichen der Sterne.

Über die Autorin

Karin Bat, Jahrgang 1953; geboren und aufgewachsen in Ostwestfalen; Studium der Literaturwissenschaft, Theologie Philosophie und Wissenschaftsjournalistik; berufliche Tätigkeit in der Erwachsenenbildung und im Verlagswesen; seit 1992 in Österreich beheimatet; eingehende Beschäftigung mit Jungianischer Psychologie und dem Tarot; Beratungen, Seminar- und Vortragstätigkeit.

Karin Bat

Astrologin, Theologin, Philosophin

Auf der Alm 1

A-2500 Baden bei Wien

GSM +43 (0) 664-863 01 22

E-Mail: k.bat@gmx.at

© 2020 Karin Bat | Epiphany | Institut für Kulturgeschichte, Leipzig

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