• Jimmy Deix

Omikron: Altgriechisch für Anfänger

Die symbolische Bedeutung des griechischen Buchstabens Omikron, numerische Substitutionen & magische Orakelsprüche.


Wer jeden Tag einen neuen Buchstaben lernt, kann innerhalb von 24 Tagen ein neues Alphabet beherrschen, denn genauso viele Schriftzeichen umfasst die griechische Buchstabenreihe. Dass die SARS-Cov-2-Varianten von der Weltgesundheitsorganisation WHO aktuell nach griechischen Buchstaben benannt werden, lässt sich dabei als kleine Lernhilfe heranziehen.

Wer jeden Tag einen neuen Buchstaben lernt, der wird innerhalb von 24 Tagen ein neues Alphabet beherrschen, denn genauso viele Schriftzeichen umfasst die griechische. Alpha, Beta, Gamma, Delta kennt jeder, aber wie geht es weiter? Nun wird Corona für den Schüler zum Gamechanger, denn seit die Weltgesundheitsorganisation WHO im Mai 2021 beschlossen hat, neue Varianten des SARS-Cov-2-Virus nach griechischen Buchstaben zu benennen, kann die pandemisch um sich greifende Gräzisierung unserer täglichen Sprache durchaus als kleine Lernhilfe herangezogen zu werden.

Omikron: Im griechischen, hebräischen und phönizischen Alphabet stellen alle Buchstaben zugleich ein Wort dar

Omikron (Ὄμικρον) ist der 15. Buchstabe des griechischen Alphabets. Er hat seinen Ursprung im phönizischen Alphabet im Zeichen der Konsonanten Ajin (עין), dem die Griechen den Vokalwert »o« gaben. Später erweiterten die Griechen ihr Alphabet um mehrere Zusatzbuchstaben, von denen der letzte das Omega war. Aus dem Omikron entwickelte sich über die etruskische Schrift das lateinische O. Das kyrillische O ist ebenfalls aus dem Omikron entstanden. Sowohl Ajin als auch Omikron bedeuten »kleines Auge«.

Apollonius der Sophist (Ἀπολλώνιος ὁ Σοφιστής), ein Grammatiker, der im 1. Jahrhundert in Rom lehrte und für sein homerisches Wörterbuch berühmt ist, schuf das Olympische Orakel des griechischen Alphabets. Um dieses zu befragen, werden fünf Würfel geworfen. Die zusammengezählte Augenanzahl ist jeweils einem Buchstaben zuordenbar. Dem Omikron entspricht der Zahlenwurf 15 und wird mit dem Orakelspruch »Es gibt keine Ernte zu ernten, die nicht gesät wurde« beantwortet. Was wir ausstreuen, kommt zu uns zurück. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Man muss vorausplanen, um etwas zu erreichen.


In den Acheiropoíeta, den ikonischen Darstellungen des Christus der Orthodoxen Kirche, können wir im Heiligenschein reihum die griechischen Buchstaben ο ω ν erkennen – Omega, Omikron und Ny (in Majuskeln Ο Ω Ν). Diese stehen für die Abkürzung des Ausspruches ἐγώ εἰμι ὁ ὤν – »Ich bin der ich bin«, wie sich Gott Moses am Berg Sinai offenbarte (Exodus 3:14). Erscheinen diese Buchstaben als Teil eines Nimbus hinter Jesus, so ist dies eine Bekräftigung der Göttlichkeit Christi und seiner Einheit mit der ersten Person der Dreifaltigkeit. Betrachtet man Ο Ω Ν als die Dreifaltigkeit, so ist Jesus nicht das Omikron, sondern das Omega, denn er sagt:

»Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte.« (Offenbarung 22:13)



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