• Jimmy Deix

Der Regenbogen ist kein Symbol für sexuelle Freiheit

Das Siebenlicht ist ein göttliches Versprechen an die gesamte Menschheit, ein Bund des Friedens zwischen Himmel und Erde. Ein Regenbogen stellt weder Hochmut (Pride) noch Toleranz dar.

Cambridge 1672: Die Entdeckung der Homosexualität

Sir Isaac Newton staunte nicht schlecht, als er einen weißen Sonnenlichtstrahl durch ein Glasprisma jagte und plötzlich die Farben des Regenbogens aufleuchten sah. Mit diesem verblüffenden Experiment, dass er in seiner Lichtstudie Opticks (1704) ausführlich beschreibt, erbrachte der raffinierte Physiker den wissenschaftlichen Beweis, dass weißes Licht aus mehreren Farben besteht. Das war kein Hokuspokus, es war die Geburtsstunde von Modern Science! Bis dahin hatte man Farben als Nuancen von Helligkeit und Dunkelheit erachtet. Wer soll da auf die Idee kommen, dass weißes Licht insgeheim ein vielfältiges Farbenspiel aufweist?


Die Idee zu seiner bahnbrechenden Untersuchung soll dem brillanten Wissenschaftler während eines Schaumbads gekommen sein, als er sich an den lustigen Seifenblasen erfreute. (Auch in puncto Schwerkraft taten sie vielleicht ihr Übriges.) Isaac Newton war jedoch nicht der erste, dem sich der Anblick des Lichtspektrums offenbarte. Jeder hat irgendwann einen Regenbogen gesehen. Der biblische Prophet Hesekiel hatte für seine Vision ebenfalls eine Erklärung:

»Wie der Anblick des Regenbogens, der sich an einem Regentag in den Wolken zeigt, so war der helle Schein ringsum. So etwa sah die Herrlichkeit des HERRN aus.« [Hesekiel 1:28]


Seit bekannt ist, dass sich ein Regenbogen durch die Lichtbrechung von Wassertröpfchen oder Aerosolen bildet, ist er für uns kein übernatürliches Wunder mehr. An Faszination eingebüßt hat er dennoch wenig. Auch die rationale Erklärung konnte der Phänomenologie dieses Naturschauspiels nie einen Abbruch tun. Es ist immer eine Freude, einen zu sehen.


Als sichtbares Phänomen unserer Zeit erleben wir einen Regenbogen häufig bei Straßenparaden, wo er als bunter Banner ein starkes Zeichen für die Anliegen der LGBTQ+-Bewegung setzt und uns in der Kommerzwelt und in eingeleuchteten Sportstadien auf sozialpolitische Parolen wie Diversity und Unity einschwört. Dabei ist der Regenbogen kein Symbol für sexuelle Freiheit. Auch die Annahme, er hätte etwas mit menschlicher Toleranz, Respekt oder Akzeptanz zu tun und nicht mit der Schönheit der Natur, entpuppt sich bei genauer Betrachtung als gedankenlos. Dennoch ist der buntschillernde Banner zum unverzichtbaren Gemeinschaftszeichen der globalen Lesben- und Schwulenbewegung geworden. Das Museum of Modern Art in New York reiht die Flagge der LGBTQ+-Community unter den international anerkannten Zeichen als ebenso bedeutend wie das At-Zeichen (@), das Creative Commons Logo oder den Recycling-Code (♻).


Wenn Homosexualität eine Sünde wäre, dann hätte Gott das Sonnenlicht nicht »schwul« gemacht

Ein heiliges Symbol Aus biblischer Sicht ist der Regenbogen ein göttliches Versprechen an die gesamte Menschheit und weniger ein Signal für die Besonderheit einer sexuellen Orientierung des Einzelnen. Nachdem die Sintflut vorüber war, sah Noah einen Regenbogen am Himmel, und Gott sprach:


»Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch für alle kommenden Generationen: Meinen Bogen setze ich in die Wolken; nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.« [1. Mose 9,8-15]


Die Legende von der Arche Noah ist ein Mythos von der Wiederbesiedelung von Planeten. Von allem reinen Vieh und den Vögeln des Himmels hatte Noah »sieben und sieben« zu sich genommen, »ein Männchen und sein Weibchen«. [1. Mose 7, 2-3]

Gott hat nur zwei Möglichkeiten, wie er die Erde und die Menschheit vernichten kann: Wasser und Feuer. Mit dem Regenbogen zum Zeichen des Bundes gab Gott Noah das Versprechen, dass er nie mehr wieder die Erde mit Wasser vernichten werde. (Dass er auf andere Mittel verzichten würde, hat er nicht erwähnt.)


In der Symbollehre steht der Regenbogen für: Leben, Hoffnung, Versprechung, Schöpfung, Initiation, Harmonie, Aszension, Spiritualität und Transformation. Er ist eines der ältesten Sinnbilder für den Frieden zwischen Gott und dem Menschen. In der nordischen Edda der Asen ist er die »schwankende Himmelsstraße« Bifröst, die das »Himmelsreich« Asgard mit der »Erdenwelt« Midgard verbindet. Diese dreistrahlige Lichtbrücke ist der einzige Weg, auf dem der Mensch in die Gefilde der Götter gelangen kann. Die Dichter Hesiod, Homer, Vergil und Ovid berichten von der Götterbotin Iris (ihr Name bedeutet »Regenbogen«). Sie bringt das Wasser vom Fluss Styx zum Berg Olymp, um die Götter darauf schwören zu lassen.

Der Regenbogen in der Mythologie: Odin an der Regenbogenbrücke Bifröst (John Augustus Knapp, 1928); Iris, die griechische Göttin des Regenbogens (Gemäldeskizze von Johann Friedrich August Tischbein, nach 1800)


Blättert man in der Bibel ein paar Seiten weiter, so ereignet sich ein weiterer Regenbogens in der Apokalypse des Johannes, nämlich just in dem Moment, als der letzte der sieben Engel in Erscheinung tritt:

»Und ich sah: Ein anderer gewaltiger Engel kam aus dem Himmel herab; er war von einer Wolke umhüllt und der Regenbogen stand über seinem Haupt. Sein Gesicht war wie die Sonne und seine Beine waren wie Feuersäulen.« [Offenbarung 10:1]

Dass es ausgerechnet der siebte und letzte der Engel ist, bei dem sich ein Regenbogen zeigt, ist ein Verweis auf die Siebenheit, die in der Johannesoffenbarung außerordentlich bedeutsam ist. Die Zahl steht in der göttlichen Weisheit für die sieben Erzengel, die sieben Elohim in der hebräischen Genesis, die sieben Kosmokratoren (Welterbauer), die sieben klassischen Planeten (Sonne, Mond, Merkur, Mars, Venus, Jupiter, Saturn) sowie für die sieben Hauptorgane des Menschen.


Sex als Politikum: Soziologien außer Rand und Band

Es ist freilich legitim, ein bereits bestehendes Symbol zu seinem eigenen zu machen, selbst wenn dieses bereits politisch oder religiös belegt ist. Auch Großkonzerne nutzten für ihre Logos und Bildmarken die Kraft einer archaischen Symbolsprache. So ist es angemessen, im Regenbogen Pluralismus und Diversität zu erkennen. Ihn als Zeichen für »Demokratie«, »Liberalismus«, »Kosmopolismus« und »globalen Patriotismus« zu begreifen, wie es einige Fahnenschwenker im Überschwang tun, ist vielleicht etwas weit gegriffen und beliebig. Allerhand ist dagegen eine gewähnte Bedeutung des Regenbogens für »Inklusivität«, ein Wort, das überhaupt nicht existiert, jedenfalls nicht in der deutschen Sprache. (Wenn, dann würde man es Inklusion nennen). Die Soziologien kennen, wenn es um die Politische Korrektheit geht, keine Grenzen. Sie haben das Wort »Inclusivity« einfach erfunden, es mit einer Bedeutung belegt und speisen es als Neologismus in die akademischen Wörterbücher von Universitäten ein, wie hier im Cambridge Dictionary einsehbar. Dank der digitalen Informationstechnologie erfolgen lexikalische Neueinträge als »Update« im Sekundenverfahren. Im Oxford Dictionary sucht man den Begriff »Inclusivity« hingegen vergeblich.

»Ich hab’ so oft für Dich gelogen und ich bieg’ dir noch den Regenbogen« — Rio Reiser, »Für immer und Dich«

Die Regenbogenfahne geht bis auf deutschen Bauernaufstände der Jahre 1524–1526 zurück. Sie war die Erfindung des Priesters, Theologen und Sozialrevolutionärs Thomas Müntzer, und trug damals die Aufschrift Verbum domini maneat in aeternum (Das Wort des Herrn bleibe in Ewigkeit). Die Bauernaufstände wurden brutal niedergeschlagen und Müntzer hingerichtet. Er nahm um Jahrhunderte die Menschenrechte vorweg, und was sich später »soziale Gerechtigkeit« nennen sollte. Müntzer kämpfte unter dem Banner des Regenbogens für das »gleichmacherische Ideal«. So nannte man es damals. Der politische Begriff »radikaler Kommunismus« war in der frühen Neuzeit noch nicht gebräuchlich.


Der Geistliche Thomas Müntzer führte im Zeichen des Regenbogens die deutschen Bauernaufstände an, und ebnete damit den Weg zu den Menschenrechten, die 250 Jahre später proklamiert wurden

Ein dualistisches Licht Es ist ein okkultes Geheimnis, dass der Regenbogen in Wahrheit aus nur zwei Farben besteht: Blau und Rot. Alle anderen sind lediglich Varianten und anteilige Mischverläufe dieser beiden Hauptfarben. In der alten Naturphilosophie repräsentieren sie die Elemente Wasser und Feuer – die Hauptgegensätze der Natur in der Elementenlehre. Wasser repräsentiert zudem das weibliche ♀ und Feuer das männliche ♂ Prinzip. So gesehen, haben die Farben des Regenbogens von Natur aus sehr viel mit Geschlechtlichkeit zu tun. In Heiligenbildern ist sehr häufig zu sehen, dass Joseph und Maria – die Eltern von Jesus – Gewänder von blauer und roter Farben tragen. Das kommt nicht von Ungefähr.

»Der regepogē hat zwu vornēliche farb«, heißt es in der berühmten Schedel’schen Weltchronik aus dem Jahr 1493, »wiewol ettlich vön VI oder IIII farbē sagē«, von denen die einen »wasserig«, die anderen »feuerig« sind. Die einen bedeuten die »vergāgē sintflus« und die anderen die Brunst des »kuenftig gericht des feůers«. Um des ersten soll man sich »nit mer besorgen«, sondern »des andern gewißlich warten.«

 
 


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