• Reynold E. Blight

“Dein Leben ist auf Fels gegründet”

Hoffnung für alle. Antworten auf Glaubensfragen, die uns bewegen. Reynolds Überzeugungen über RELIGION. Erster Auszug aus der erbaulichen Redensammlung “Was ich glaube und warum ich es glaube”.

 

Die gute Nachricht

RELIGION — GOTTDAS GEISTIGE LEBEN — DIE BIBEL — GEBETE — JESUS CHRISTUS — HÖLLE UND HIMMEL — UNSTERBLICHKEIT — DER TEUFEL — DAS PROBLEM DES BÖSEN — DIE KIRCHE

 

RELIGION


Es gibt ein Bekenntnis zur Religion, das jeden Skeptizismus ad absurdum führt, ein Bekenntnis zur Religion, das lebendig, praktisch anwendbar und inspirierend zugleich ist und sowohl Geist als auch Seele erfüllt.

REYNOLD E. BLIGHT

Ein solches Bekenntnis zur Religion muss selbstredend sein. Eine Lehrmeinung, die nur durch spitzfindige Argumentation und aussiebende Logik geschaffen wird, diskreditiert sich damit notgedrungen selbst. Eine Doktrin, die mit Bitterkeit und Groll verteidigt werden muss, ist offenkundig falsch. Die Glaubensbekenntnisse, die die Menschheit in kriegerische Armeen spalten, bringen sich dadurch selbst in Misskredit. Wahre Religion sollte mit dem Anbau von Korn und dem Gesetz der Gravitation einhergehen. Sie sollte so selbstverständlich sein wie der Sonnenschein und die Herzen und den Verstand so unwiderstehlich beeinflussen wie das Morgenlicht.


Der Aufruf der Religion muss sowohl an die Vernunft als auch an die Gefühle gerichtet sein. Warum sollte man uns dazu auffordern, unserem gesunden Menschenverstand Gewalt anzutun und gezwungen sein, uns zu Dogmen zu bekennen, die wir nach bestem Wissen und Gewissen für falsch erklären? Warum können wir nicht Gott ehren und dennoch unsere intellektuelle Selbstachtung wahren? Eine echte Religion wird uns sowohl geistigen Frieden als auch geistige Erleuchtung und Gelassenheit bringen.


Die erhabenen Wolkenkratzer von New York, die dreißig und vierzig Stockwerke hoch in die Luft ragen, stehen auf gefestigtem Boden, weil ihr Fundament auf dem felsigen Rückgrat der Welt ruht. Es gibt grundlegende Wahrheiten, die allen Religionen eigen sind und von jedem großen Lehrer – von Krishna und Christus bis zu Ralph Waldo Emerson – gelehrt wurden, und die allein nur ausgesprochen werden müssen, um allgemein Anklang zu finden. Auf diesen tiefgründigen und doch einfachen Prinzipien muss letztlich jede wahre religiöse Erfahrung beruhen.

Menschen haben um Glaubenssätze, Schriftauslegungen und Kirchenrituale blutige Schlachten geschlagen. Daumenschrauben und Folterbank, Kerker und Scheiterhaufen wurden eingesetzt, um ein Dogma zu etablieren. Die Propaganda der Konfessionen hat die Erde einem Gemetzel ausgeliefert und die Seiten der Geschichte mit Blut beschmiert. Doch niemand ist jemals aufgrund des 23. Psalms in den Krieg gezogen oder sprang seinem Bruder an die Kehle, um Paulus’ großes Hohelied der Liebe zu verfechten, das 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes. Der noch so verrückte religiöse Fanatiker wäre selbst in der Stunde seines wildesten Wahns nie auf die Idee gekommen, die Prinzipien der Bergpredigt unter Folter vorführen zu wollen, oder die goldene Regel durch die Polizeimacht des Staates zu erzwingen. Warum? Weil es die Glaubensmeinungen, Glaubensbekenntnisse und Glaubensformeln sind, die jenen Aberglauben hervorrufen, über den die Menschen im Streit liegen und sich bekriegen. Die göttlichen Worte frommer Menschen überzeugen hingegen durch die Vernünftigkeit, die diesen innewohnt. Sie überzeugen den Verstand und rühren das Herz. Diese sind es, die elementar, fundamental und essentiell sind!

Diese großen Wahrheiten lassen sich nicht durch argumentative Begründungen herausfinden – sie werden auf spiritueller Ebene wahrgenommen. Sie werden uns nicht durch die Dialektik der gelehrten Schulmänner nahegebracht, sondern in den Feuern der täglichen Erfahrung geschmiedet. Sie können niemals in Glaubensbekenntnissen verankert sein, sondern müssen von den tiefen Intuitionen der Seele begriffen, durch die Vernunft beglaubigt und im Leben verwirklicht werden.


Religion ist nicht vorrangig eine Frage der Logik und der Philosophie. Sie ist eine Frage des Lebens. Das 20. Jahrhundert wird sich als die gläubigste Epoche der Geschichte erweisen, weil es in erster Linie zu praktischer Veranlagung neigt. Es kümmert sich wenig um Spekulationen und Theorien, sei der Syllogismus noch so raffiniert und die Kasuistik noch so gefinkelt. Es verlangt, dass Religion und religiöser Glaube auf dieselbe Weise erprobt werden wie wissenschaftliche Theorien und Erfindungen, nämlich in der geschäftigen, alltäglichen Arbeitswelt. Diese unterbricht unsanft den ehrwürdigen Schriftprediger in seiner samtbedeckten Kanzel mit der herausfordernden Frage:


“Wie viel ist ihre Religion denn wert, gemessen am Leben?”


Und obwohl die jähe Unterbrechung das Buntglasfenster erschüttert, die Gabenbereitung stört und manchmal die verängstigte Gemeinde aus der Kirche davoneilt und den Prediger sich selbst dabei überlässt, wie er vor leeren Kirchenbänken vor sich hin träumt und vor sich her leiert, ist diese Infragestellung nur zu gerechtfertigt.


Das sagt das 20. Jahrhundert:

Deine Glaubenslehren sind verderblich, wenn sie Menschen hart, intolerant und grausam machen.

Deine Dogmen sind bösartig, wenn sie die Gesichter sanfter Frauen verfinstern und die Herzen kleiner Kinder mit Furcht erfüllen.

Deine Glaubensbekenntnisse verrichten das Werk des Teufels, wenn sie den Verstand knebeln und die Flügel des menschlichen Geistes beschweren. Deine Überzeugungen gehören auf den Müllhaufen, wenn sie nicht mit Gottes Wahrheit im Einklang stehen, wie sie sich in den Sternen, Vögeln und Blumen offenbart, und wenn sie den mächtigen Tatsachen des Lebens und der Liebe widersprechen, die auf den Seiten der Felsen groß geschrieben steht, von denen jede Seite eine Geschichte von Tausend Jahren erzählt. Deine Religion ist unwürdig, solange sie im Haushalt, im Büro an der Werkbank und auf der Straße nicht ebenso anwendbar ist wie in der Gebetsversammlung, und solange sie einen Menschen nicht in allen Beziehungen des Lebens stark, rein, edel, mitfühlend und hilfsbereit werden lässt.

Der freimütige Agnostiker, der seine Mitmenschen liebt, ist gewiss religiöser als der frommste Religionsprofessor, der gemein, selbstsüchtig und unehrlich ist.

Deine Religion muss groß genug sein, um die Stunden der Versuchung, des Scheiterns, des Verlusts und der Entmutigung zu überbrücken, andernfalls wäre sie eine Illusion. Wenn deine Religion von Wert ist, wird sie das Leben reichhaltiger gestalten, zu deiner Freude beitragen, dir Mut, Hoffnung, Kraft und geistige Erleuchtung bringen, dich zu edlem Streben und sittlicher Leistung anregen und dich mit einem göttlichen Eifer erfüllen, deinen Mitmenschen zu helfen. Wenn deine religiöse Erfahrung dieser Prüfung standhält, dann ist die Theologie, die du vertrittst, und deine Kirchenzugehörigkeit nicht von Bedeutung. Dein Leben ist auf Fels gegründet. Ganz gleich, wie sehr du dich in Glaubensfragen von deinem Nächsten unterscheidest, es wird sich zeigen, dass ihr euch in eurem Glauben und eurer Treue zu den selbstverständlichen moralischen Prinzipien, die von allen großen Seelen der Menschheit verkündet wurden, alle einig seid.


Der Prophet hatte recht, als er kundtat:

“Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.” [Micha 6:8]

Der Apostel hatte recht, als er sagte:

“Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott, dem Vater, ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich selbst von der Welt unbefleckt halten.” [Jakobus 1:27]

Der Meister selbst sprach das größte aller Worte, als er sagte:

“‘Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.’ Dies ist das große und erste Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: ‘Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.’ An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.” [Matthäus 22:37-40]

Bekundungen eines Sonntagsredners in gerechter Sprache

RELIGION — GOTTDAS GEISTIGE LEBEN — DIE BIBEL — GEBETE — JESUS CHRISTUS — HÖLLE UND HIMMEL — UNSTERBLICHKEIT — DER TEUFEL — DAS PROBLEM DES BÖSEN — DIE KIRCHE

 



Auszug Nr. 1 aus

Was ich glaube

und warum ich es glaube

von REYNOLD E. BLIGHT

Taschenbuch, ca. 100 Seiten

ISBN 978-3-9524616-0-0

Ab Herbst 2022 bei Big Bell Books

D EUR 9,80 A EUR 10,00 CH CHF 12,20

 

Reynold E. Blight (1879–1951) war Pastor der Los Angeles Fellowship und der Church of The People, zwei progressiven Christengemeinden, die unter dem Einfluss des Amerikanischen Transzendentalismus (Ralph Waldo Emerson), der Neugeist-Bewegung (Positives Denken) und einer wiederentdeckten, undogmatischen Spiritualität die Christenheit in den USA liberal prägten. Er galt als kleiner Gigant der Vortragskunst und war ein begnadeter Redner seiner Zeit.

 


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