• Karin Bat

Die schönen Künste im Zeichen des Stiers

Planetare Einflüsse und Bildwirkungen der Venus-Energie in der bildenden Kunst. Eine astrologische Gemäldestudie von Künstlern, die im Sternzeichen Stier geboren wurden.

+++ CALENDARIUM ARTIFICIUM ASTRUM TAURUS +++

ARIES TAURUS GEMINI CANCER LEO VIRGO LIBRA SCORPIUS SAGITTARIUS CAPRICORNUS AQUARIUS PISCES

Der Charakter des Stiers steht unter dem Einfluss der Venus, die sich in diesem Sternzeichen mit dem Element Erde verbindet und sich dementsprechend bodenständig und naturliebend zeigt. Im Stier entfaltet die Venus ihre Energie, um das nahe Umfeld den Naturgegebenheiten entsprechend zu gestalten. Sowohl Arbeit als auch Genuss haben hier gleichermaßen ihren Platz. Dabei geht es dem Stier um die Erhaltung eines traditionellen Gefüges, welches jedoch offen bleibt für wohlüberlegte Verbesserungen der Alltagspraxis.



Bildnisse: Ursprünglichkeit und Vitalität

In der Porträtmalerei der stiergeborenen Künstler werden Personen mit Vorliebe in einer freundlichen, bergenden Natur in Szene gesetzt, selbst wenn es sich dabei um höhergestellte Personen handelt. Es werden kräftige, oft kernige Menschen dargestellt, die ihre Arbeitsfreude und Lebenslust zum Ausdruck bringen. Sie strahlen mit ihrer unprätentiösen Art und schlichten Erscheinung Gelassenheit und Selbstvertrauen aus.


Porträt Jekaterina Bakunina

Josef Matthias Grassi (*22. April 1757)


Die hier porträtierte, wohlgerundete Grazie wirkt lieblich und zugänglich und scheint Sinnenfreuden nicht abgeneigt zu sein. Der Künstler präsentiert sie in der freien Natur, was ihre Unkompliziertheit unterstreicht. Jekaterina Bakunina inspirierte den russischen Nationaldichter Alexander Puschkin zu seinen ersten Liebesgedichten. Als Kunststudentin saß sie Malerkollegen oft Modell, wie für dieses empfindsame Frauenbildnis des weitgehend vergessenen österreichischen Malers Josef Matthias Grassi.


Selbstbildnis

Johann Peter Hasenclever (*18. Mai 1810)


In den Augen des Stiers ist auch ein Künstler nicht weltabgewandt oder außerstande sein Alltagsleben zu bewältigen, sondern bleibt zuverlässig mit der vitalen und ursprünglichen Lebenskraft verbunden. In diesem Selbstporträt stellt sich Johann Peter Hasenclever als lebensfroher, sinnenfreudiger Genussmensch dar, der in einer kleinen Künstlerpause fröhlich sein Glas in die Runde erhebt. Hasenclever, einer der bedeutendsten deutschen Genremaler des 19. Jahrhunderts, galt als weinseliger Humorist und gemütvoller Schilderer geselliger Interieurszenen.


Kopf eines bärtigen alten Mannes

Baccicio (*8. Mai 1639)


Häufig finden alte Menschen, die bis ins hohe Alter ihre Lebenskraft erhalten konnten, das Interesse des Stiermalers. Der Stier legt großen Wert darauf, für sich selbst sorgen zu können und nicht von anderen abhängig zu sein. Giovanni Battista Gaulli, genannt Il Baciccio, war ein Meister des Spätbarocks im ausgehenden 17. Jahrhunderts. Es ist möglich, dass es sich bei dem Bild Kopf eines bärtigen alten Mannes um eine Darstellung des Evangelisten Lukas handelt, der sich astro-theologisch dem fixen Zeichen Stier zuordnen lässt.


Umgebung: Sicherheit und Stabilität in Landschaft und Architektur

Die ihn umgebende Landschaft ist für den Stiergeborenen der Lebensquell schlechthin. Er steht mit den Prozessen der Natur in sehr enger Verbindung und bezieht aus deren ruhevollem Wechsel seine Kraft. Dieses sinnliche Naturempfinden strahlen die von Stieren gemalten Landschaften aus.


Rheinlandschaft mit Siebengebirge

Carlo Mense (*13. Mai 1886)


Die Landschaft breitet sich weiträumig aus, ihre Hügel sind weich geschwungen und langgestreckt. Sie zeigt keine unüberwindlichen Steigungen oder unwegsames Gelände. Hier kann sich der Mensch beheimatet fühlen und in Frieden seiner Arbeit nachgehen.Auch Stadtlandschaften werden gerne in ihre weitere natürliche Umgebung gestellt mit Wiesen und Feldern im Vordergrund, weil der Stier nie vergisst, dass die Erde der lebensspendende Boden für alle ist. Orte stechen nicht als Fremdkörper aus der Umgebung heraus, sondern scheinen mit der Natur verwachsen zu sein. Landschaften wie diese malt der Stier leidenschaftlich gerne.


View of The Seine (1909)

Jonas Lie (*29. April 1867) (1909)


Bei ihrer Motivwahl zeigen stiergeborene Maler eine besondere Vorliebe für Brücken, weil diese Bauten mit der regelmäßigen Wiederholung ihrer Stützbögen das Wirken der Natur symbolisch nachahmen. Zugleich lässt sich aus ihrer verlässlichen Tragkraft großer praktischer Nutzen ziehen. Eine Brücke verbindet gegenüberliegende Stadtviertel oder abgeschiedene Dörfer, die ohne sie nur schwer erreichbar wären. So floriert der Austausch von Gütern auch mit der umliegenden Nachbarschaft.


Die WindhoseLa tromba d’aria (1965)

Fabrizio Clerici (*15. Mai 1913)


Die Stierenergie ist sehr traditionsgebunden, weshalb sie jede Veränderung kritisch aufnimmt. Die Gefährdung des ökologischen Gleichgewichts nimmt der Stier als erster wahr und kämpft mit Vehemenz dagegen. Er bleibt immer mit dem Althergebrachten verbunden, etwa mit der Rundgestalt, die zu den Urformen gehört. Diese bleibt als Garant einer allem zugrundeliegenden Harmonie oft auch noch in der Darstellung moderner Städte oder Objekte erhalten wie hier im Bild Die Windhose des phantastischen Surrealisten Fabrizio Clerici.


Leben und Arbeiten mit der Natur – die gute Versorgung aller

Ein Stier weiß, dass uns die Natur unsere Lebensgrundlage nur dann schenkt, wenn wir sorglich mit ihr umgehen und sie mit tiefer Kenntnis von ihren zyklischen Rhythmen geduldig bearbeiten. Nur dann können wir ihre Gaben ernten. Dem Stier liegt sehr daran, die Natur nicht einfach auszubeuten, sondern ihr genügend Raum zu lassen und sie auf lange Sicht zu bewirtschaften.


Traubenlese

Henri-Edmond Cross (*20. Mai 1856)


Die realistische Darstellung von Alltagsszenen ist ein Lieblingsthema der Stiermaler, wie hier die Arbeit der Weinbauern von Henri-Edmond Cross. Die ausdauernde und emsige Tätigkeit der Landwirte schafft die Voraussetzung für das Leben aller Menschen. Für die reichen Schätze, die die Natur uns bietet, braucht es auch Gefäße für deren Verarbeitung und Lagerung. Häufig malt der im Zeichen Stier geborene Maler große, bauchige Behältnisse, wie sie hier im Vordergrund zu sehen sind.


Der Marktkarren

Thomas Gainsborough (*14. Mai 1727)


Neben Behältnissen und Gefäßen für die erwirtschafteten Güter sind auch Gefährte wichtig, mit denen man seinen Erntesegen zu Markte fahren kann. Er stellt die Verbindung zu den Nachbarorten und den nächstgelegenen größeren Städten her, um Handel zu treiben und zu einer gemeinschaftlichen Wirtschaft zu kommen. Dabei ist ihm natürlich ein gutes Geschäft wichtig, aber nicht um den Preis der Zerstörung und Ausbeutung der Natur und der menschlichen Arbeitskraft.


Kinder beim Mittagessen

Benjamin Vautier (*27. April 1829)


Der Stier legt Wert auf ausreichende und kräftige Mahlzeiten, die er gerne im engsten Kreise einnimmt. Wer sich im Verantwortungsbereich eines Stieres befindet, wird gut versorgt. Auch die Haustiere werden liebevoll in den Lebenskreis integriert, wie die freundliche Zuwendung des Mädchens zu den pickenden Hühnern zeigt.


Löwe, ein Kaninchen verschlingend

Eugène Delacroix (*26. April 1798)


Freilebende Tiere müssen sich so ernähren, wie es ihrer Natur entspricht. Der Stiergeborene betrachtet die Natur nicht unter dem Aspekt des Überlebenskampfes von Fressen und Gefressen werden, sondern als Gefüge, in dem alles seinem naturgegebenen Zweck folgt. Auch der Löwe wird nicht als böses Raubtier angesehen, der hier das arme Kaninchen verschlingt – es ist im Sinne der natürlichen Ordnung, dass es so ist. Dementsprechend zeigt die von Eugène Delacroix ins Bild gesetzte Löwenmahlzeit keinerlei Aggressivität.


Studio per illustrazione

Mario Sironi (*12. Mai 1885)


Der Stiergeborene ist bereit, hart zu arbeiten, am liebsten als Herr auf seinem eigenen Terrain. Er kann große Lasten tragen und Vieles in eine praktische, funktionierende Ordnung bringen. Doch schon während der Arbeit braucht es angemessene, erholsame Pausen. Auch ein Bauarbeiter, hoch oben in seinem Kran, hat ein Anrecht auf seinen kräftigen Espresso! Mario Sironi, ein Vertreter des italienischen Futurismus, veranschaulicht dies in seiner grotesken Illustration sehr trefflich.



Entspannung, Erholung, Feste feiern

Der Stier besteht darauf, dass zwischen Belastung und Entlastung stets ein Ausgleich eingehalten wird. Er arbeitet gerne, ist dabei äußerst verlässlich und ausdauernd, aber er lässt sich nicht schinden und betreibt keinen Raubbau mit seinen Kräften.


Der große Pool von Bursa

Jean Léon Gérôme (*11. Mai 1824)


Für den Stier ist es unerlässlich, sich immer wieder erholsamen Momenten hinzugeben. Neben einer reichhaltigen Ernährung spielt dabei die Körperpflege eine wichtige Rolle, wobei ein erfrischendes Bad für besondere Erquickung sorgt. Gerne sucht der Stier hierfür auch öffentliche Orte auf. Die Energie der Venus, die das Sternzeichen Stier dominiert, hat eine Affinität zur orientalischen Kultur, in der die Entspannung traditionell großzügig und ausufernd zelebriert wird. Dem Stier gefällt daran, dass hier Wohlergehen und Muße im Vordergrund stehen und nicht, wie bei uns, der Sport. Außerdem kann man in einem öffentlichen Bad freudvoll Kontakte pflegen.


Die Kraftprobe

Franz von Defregger (*30. April 1835)


Hat sich der Stier ausreichend erholt, mag er gerne wieder seine Kräfte spielen lassen, und sei es einfach aus Lust an der eigenen Stärke. Hier im Bild geht es um das Heben eines Steins von solcher Größe, dass man sich schon sehr viel zutrauen muss, um sich auf eine solche Kraftprobe einzulassen. Der junge Mann stellt sich diesem Wagnis, ist er doch groß und stämmig gebaut. Die Kraftprobe findet ja nicht in einem feindseligen Wettkampf statt, sondern unter den wachen, wohlgesinnten Blicken der Umstehenden, die sich einfach nur gut unterhalten wollen.


Das Bohnenfest oder Der König trinkt

Jacob Jordaens (*19. Mai 1593)


Der beständigen Arbeit folgen Feste, die an Üppigkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Dabei setzt der Stiermaler besonders gerne volkstümliche Feste in Szene.Das Bohnenfest von Jacob Jordaens zeigt den seit dem Spätmittelalter bekannten Brauch einer rituellen Königsfeier am Dreikönigstag. Der König wird dabei durch Los gewählt, indem eine Bohne in einen Kuchen eingebacken wird. Wer das Kuchenstück bekommt, in dem sich die Bohne befindet, wird der Bohnenkönig des festlichen Umtrunkes. Jedes Mal, wenn der König sein Glas hebt, skandieren die Mitfeiernden den Zuruf »Der König trinkt«. So steigt die Stimmung garantiert!



Instandhaltung, Wiederherstellung, Heilung

Die im Zeichen Stier geborene Person achtet sehr darauf, die ihm anvertrauten Dinge zu hüten und sorgsam damit umzugehen. Wo der Stier auf Krankheit oder Hilfsbedürftigkeit stößt, ist er allenthalben bereit zu helfen. Er tut dem jedoch Genüge, sich bei seiner Hilfestellung nicht zu verausgaben oder gar ausnutzen zu lassen, um nicht die Kraft für sich selbst zu verlieren. Wichtigstes Ziel ist ihm, dem Bedürftigen dazu zu verhelfen, wieder für sich selbst sorgen zu können.


Leipziger Stadthaus

Günter Richter (*7. Mai 1933)


An einem Gebäude gibt es immer wieder etwas zu reparieren, um die gute Substanz zu erhalten. Wird dies aus bestimmten Gründen vernachlässigt, ist dies für einen Stiergeborenen schwer zu ertragen. Jedes verwahrloste Haus – wie hier das Stadthaus in Leipzig – gemahnt zu handeln, um endlich mit einer Sanierung zu beginnen und ein bequemes und störungsfreies Wohnen zu ermöglichen.


Der barmherzige Samariter

Joachim von Sandrart (*12. Mai 1606)


Im Stier wurzelt ein tiefes Vertrauen in die vitalen Lebenskräfte. Aus diesem Grund ziehen ihn biblische Heilungsgeschichten besonders an. In der Erzählung vom barmherzigen Samariter geht es um einen jungen Mann, der überfallen und seiner Kleider beraubt wird. Zwei Kirchenmänner – ein Priester und ein Levit – gehen mitleidlos an ihm vorüber, ohne ihm zu helfen. Zuletzt rettet ein Mann aus dem Volk der Samariter den Ohnmächtigen aus seiner Not. Er verbindet seine Wunden, auf die er Öl und Wein gießt, und bringt ihn auf seinem Reittier zu einer Herberge, wo er für seine weitere Pflege im Voraus bezahlt. Gerät jemand unverschuldet in Not, hilft der Stier großzügig und tatkräftig.


Erweckung der Tochter des Jairus

Albert von Keller (*27. April 1844)


Die Geschichte von der Tochter des Jaïrus entspricht ganz dem religiösen Empfinden des Stiers. Seine spirituelle Orientierung ist nicht auf übersinnliche Welten gerichtet, in denen er sich nicht verlieren möchte. Ihm geht es in seiner religiösen Praxis um die Stärkung seines Lebensvertrauens und um die daraus entstehende Besänftigung.


Als Vorsteher der Synagoge ist Jaïrus eine Autoritätsperson. Er wendet sich mit seinem Heilungsgesuch jedoch nicht an seine Ärzte, die seine Tochter ohnehin für unheilbar halten, sondern an Jesus, der durch seine vielen Heilungen von Blinden, Gelähmten und anderen Kranken einen weitreichenden Ruf erlangt hatte. Jaïrus vertraut Jesus, da dieser vitale Kräfte offenbar direkt auf Personen übertragen kann. Auf dem Weg zu Jesus ereilt ihn die Nachricht vom Tode seiner Tochter. Er traut Jesus dennoch zu, sie wieder zum Leben erwecken zu können. Und er erlebt das Wunder: Jesus reicht der toten Tochter einfach die Hand und sie erhebt sich.


Der Tod

Hans Baluschek (*9. Mai 1870)


Entsprechend seiner positiven Grundeinstellung zum Leben thematisiert der Stiergeborene den Tod nicht oft. Er akzeptiert ihn aber als Bestandteil des natürlichen Kreislaufs. Dadurch verliert der Tod seinen Schrecken. Er tritt nicht als furchterregender Sensenmann in Erscheinung, der den Menschen unbarmherzig vernichtet, sondern als milder, einschläfernder Mohnregen, der den Menschen sanft umschließt und ihn in den Schoß der Natur zurückholt. Zwar windet sich eine unheimliche Schlange durch das Feld, doch der gefürchtete Knochenmann geht in den unerschöpflichen Wassern des Lebens unter.


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Vorschau

Die nächste Folge der Reihe Sternenmaler steht im Zeichen der Zwillinge und geht am 21. Mai 2020 online. Wer zeitgerecht erinnert werden möchte, registriert sich für unsere Rubrik Einsichten oder abonniert uns auf Facebook. Berühmte Maler die im Sternzeichen der Zwillinge geboren wurden, sind Frederick Walker, Carl Heinrich Bloch und M. C. Escher.

Bisher erschienen

WIDDER STIER ZWILLINGE KREBS LÖWE JUNGFRAU WAAGE SKORPION SCHÜTZE STEINBOCK WASSERMANN FISCHE


Lesen Sie auch Sternblick auf die Malerei (ein Interview mit Karin Bat) und die Projektvorstellung Die schönen Künste im Zeichen der Sterne.

Über die Autorin

Karin Bat, Jahrgang 1953; geboren und aufgewachsen in Ostwestfalen; Studium der Literaturwissenschaft, Theologie Philosophie und Wissenschaftsjournalistik; berufliche Tätigkeit in der Erwachsenenbildung und im Verlagswesen; seit 1992 in Österreich beheimatet; eingehende Beschäftigung mit Jungianischer Psychologie und dem Tarot; Beratungen, Seminar- und Vortragstätigkeit.


Karin Bat

Astrologin, Theologin, Philosophin

Auf der Alm 1

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GSM +43 (0) 664-863 01 22

E-Mail: k.bat@gmx.at


© 2020 Karin Bat | Epiphany | Institut für Kulturgeschichte, Leipzig


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