• Reynold E. Blight

“Unruhig ist das Herz, bis es ruht in Dir”

Willkommen daheim! Antworten auf Glaubensfragen, die uns bewegen. Reynolds Überzeugungen über GOTT. Zweiter Auszug aus der erbaulichen Redensammlung “Was ich glaube und warum ich es glaube”.

 

Die gute Nachricht

RELIGION — GOTT — DAS GEISTIGE LEBEN — DIE BIBEL — GEBETE — JESUS CHRISTUS — HÖLLE UND HIMMEL — UNSTERBLICHKEIT — DER TEUFEL — DAS PROBLEM DES BÖSEN — DIE KIRCHE

 

GOTT


“Unruhig ist das Herz, bis es ruht in Dir”, tat der Heilige Augustinus kund.

Der heutigen Generation ist das Bewusstsein für die Gegenwart Gottes jedoch abhanden gekommen. Die Wissenschaftskenntnisse der modernen Zeit haben unser Verständnis des Universums so verändert, dass die anthropomorphe Auffassung von Gott, wie sie unsere Väter hatten, nicht mehr haltbar ist. Wir haben unsere religiösen Vorstellungen noch nicht an unsere neuen Wissenskenntnisse angepasst. Viele von uns fühlen sich daher wie der unwissende Mönch, der von seinen Gefährten vor Augen geführt bekommt, wie grotesk sein Gottesbild von einem vergrößerten Menschen ist, worauf er, als er zu beten versuchte, in Tränen ausbrach und rief:


“Ihr habt mir meinen Gott genommen!”


Wir finden uns verwaist, beraubt, verwirrt und allein wieder. Wir erheben den Schrei Hiobs:

“O daß ich wüßte, wo ich ihn fände, daß ich bis zu seinem Thron gelangen könnte!” [Hiob 23:3]
REYNOLD E. BLIGHT

Wir haben uns selbst hypnotisiert mit Begriffen wie: Wissenschaft, unerbittliches Gesetz, Evolution, der unerkennbare Gott, Ursache und Wirkung, das Überleben des Angepasstesten und anderen Schlagworten modernen Wissens, bis wir jede Form von Poesie in unserem Verstand eingefroren, das Mitgefühlin unserem Herzen ausgelöscht und den Glauben in unseren Seelen getötet haben.


In Wahrheit aber spricht Gott heute mit größerer Klarheit und Kraft zu den Menschen, als zu irgendeiner anderen Zeit in der Weltgeschichte. Die neueren Erkenntnisse haben den Schleier zerrissen und das Allerheiligste enthüllt. Im Lichte der modernen Wissenschaft sieht die fromme Seele in der göttlichen Gegenwart jeden Busch erglühen, und Gott selbst leuchtet aus jedem Grasblatt hervor und äußert sich im Gesang der Vögel musikalisch. Jedes Ereignis, jede Erfahrung verkündet die Anwesenheit des Göttlichen.

Unsere Väter lebten in einer Welt der Geheimnisse, der Wunder und Mirakel. Wir blicken auf eine Welt, die noch viel wundervoller ist als ihre, wenn auch mit weniger Geheimnissen und ohne Mirakel.


Die Wissenschaft hat für zwei sehr bedeutsame Tatsachen den Nachweis erbracht: Die Naturgesetze und den Fortschritt. Über diese grundlegenden Wahrheiten sind sich alle Wissenschaftler einig.

Beherrscht von einem sanft bindenden aber unveränderlichen Gesetz, stürzt der mächtige Planet durch den Raum, zittert die zarte Orchidee im Schatten, tanzt die Mücke in der Sommerdämmerung und erschüttert das Erdbeben ganze Städte zu Trümmern. Das Universum ist ein stupendes Uhrwerk, das so präzise funktioniert, dass die Rückkehr eines Kometen oder das Kommen einer Sonnenfinsternis bis auf die Stunde genau vorhergesagt werden können. Nirgendwo ist ein Zufall, eine Laune oder eine Willkür zu erkennen.


Die Wissenschaft hat neben den Naturgesetzen noch etwas anderes entdeckt, und das ist der evolutionäre Fortschritt. Vom Einfachen zum Komplexen, vom Niederen zum Höheren, vom Instinkt zur Vernunft, vom Unbewussten zur Bewusstheit und vom Tier zum Christus hat sich das Leben mit langsamer aber steter Entwicklung entfaltet.

Every clod feels a stir of might, An instinct within it that reaches and towers. And, groping blindly above it for light, Climbs to a soul in grass and flowers. —James Russell Lowell, The Vision of Sir Launfal

Oder wie Ralph Waldo Emerson es so treffend formuliert hat:

Und strebend Mensch zu sein, der Wurm Erhebt sich durch alle Wandlung der Form.

Steht es uns angesichts dieser wissenschaftlich bewiesenen Tatsachen denn nicht zu, einen Schritt weiter zu gehen und zu erklären, dass dieses Universum eine Absicht aufzeigt und eine Zweckintelligenz erkennen lässt? Genaugenommen pflichten die größten Wissenschaftler dem nicht nur bei, sie verkünden es sogar. Der englische Philosoph Herbert Spencer sagt:

Eine Wahrheit muss immer klarer und deutlicher werden – die Wahrheit, dass es eine unergründliche Existenz gibt, die sich allerorts manifestiert …

Der englische Naturforscher Alfred Russell Wallace erklärte unlängst in einem Zeitungsartikel:

Die großen Tatsachen der Natur, in ihrer Gesamtheit betrachtet, zwingen uns, eine Kraft und einen Zweck in der weiten Welt des Lebens zu erkennen, dass die organischen Kräfte und Gesetze ihre Manifestationen sind und dass ohne diese Vorstellung von Zweck und vorausgesehenem Ergebnis der ganze kosmische Prozess nichtssagend und unverständlich wird.

Auch der britische Evolutionsbiologe George Romanes sagte:

Zapfe die Natur irgendwo an und sie scheint zweckmäßig zu fließen.

George Romanes, Herbert Spencer, Alfred Russel Wallace


So kommen wir auf wissenschaftlichem Wege einer Veranschaulichung von Alexander Popes poetischer Vorstellung sehr nahe:

All are but parts of one stupendous whole, Whose body nature is and God the soul. —Alexander Pope, The Rape of the Lock, Epistle I

Gott, die Seele! Augenblicklich sind wir wieder an jenem Brunnen in Samarien und hören jenes bemerkenswerte Gespräch zwischen Jesus und der Frau mit an, und wir hören wieder diese wunderbaren Worte der Erkenntnis – die höchste, klarste und weitreichendste Definition von Gott, die je gegeben wurde: “Gott ist Geist.” [Johannes 4:24]

Das wundervolle, vielfältige, komplexe, sich entwickelnde Universum ist die materielle Manifestation Gottes. Die gedrängte, verwickelte, geheimnisvolle Energie, die Erde, Meer und Himmel erfüllt, und im tosenden Webstuhl der Zeit ein changierendes Gewebe aus Leben und Tod webt, ist die Ausatmung Gottes. Die subtilen Gesetze des Lebens – weicher als Spinnfäden, doch stärker als Stahlseile –, die das Violett an den Orionnebel binden, sind die Methoden Gottes. Und dieses sich entwickelnde Ziel ist der Wille Gottes. Er durchdringt und transzendiert dieses Universum, wie wir es sehen und kennen.

Es besteht die große Gefahr, dass in unserem Philosophieren unsere Vorstellung von Gott so vage und so abgeschwächt wird, dass wir das Bewusstsein unserer lebendigen Beziehung zu ihm verlieren. In unserem Protest gegen die kruden, überholten Gottesvorstellungen besteht die gefährliche Tendenz, ins andere Extrem zu schwenken und in einer allgemeinen Diffusität den Bezug zur Wirklichkeit zu verlieren. Kann ein Mensch in eine bewusste, lebendige Beziehung zu ihm treten? Das ist die wesentliche Frage.


Das Bewusstsein im Menschen ist die höchste Hervorbringung der Evolution. Die Stunden, die ich als meine besten erachte, müssen meine nächste Annäherung an dieses belebende Prinzip des Universums sein. Daraus folgt, dass ich Gott am nächsten komme und ihn im Besten erkenne, das ich denken, träumen oder erstreben kann.

Was ist das Beste, was ich denken, wovon ich träumen oder wonach ich streben kann? Güte, Barmherzigkeit, Wahrheit, Selbstaufopferung, Gerechtigkeit, Lauterkeit, Friede, Schönheit, Liebe, Rechtschaffenheit!

Dies sind keine bloßen Abstraktionen, es sind Charaktereigenschaften, die realsten Dinge im Leben des Menschen oder innerhalb des menschlichen Wahrnehmungsfeldes.

Ich erkenne sie als höchst vortrefflich an.

Begreifen kann ich diese Eigenschaften jedoch nur, wenn sie in mir vorhanden sind.

Ich erkenne in ihnen mein bestes Selbst. Ich lebe am besten und am erfülltesten, wenn ich es zulasse, dass diese Eigenschaften mein Denken beherrschen, mein Verlangen maßregeln und mein Handeln bestimmen.

In dem Maße, in dem ich mich mehr und mehr der Entfaltung dieser Eigenschaften widme, wird mir bewusst, dass ich sie nicht erschaffe, sondern sie einfach durch mich fließen lasse. Sie kommen einer energetischen Kraftwirkung gleich.

Ich erkenne in ihnen die Manifestationen jener göttlichen Kraft, die in der Natur für Ordnung, Bestimmung, Entwicklung und in mir für Aufrichtigkeit sorgt.

Indem ich so lebe, erkenne ich, dass ich ein Spross dieser Macht bin, dass in unmittelbarer Beziehung zu ihm stehe, dass es ohne ihn mein Leben nicht gäbe und dass ich genaugenommen in ihm lebe und mich bewege und mein Dasein habe.

Ich begreife nach und nach, was Jesus meinte, als er “mein Vater” sagte und “Ich und der Vater sind eins.” [Johannes 10:30] Ich trete in eine Erfahrung, die sich nicht genau definieren oder beschreiben lässt. Sie ist Friede und Freude, Erleuchtung und Inspiration zugleich. Sie lässt sich nur durch Erfahrung begreifen. Eine Erfahrung, in der ich Gott erkenne.


Bestürzt fragst du: Glaubst du an einen persönlichen Gott? Ja, ganz gewiss, so wie ich gewiss glaube, dass er in den Sternen und den Rosen und im Purpurlicht der Berge ist. Aber er ragt über die Persönlichkeit ebenso weit hinaus wie über die Sterne und Rosen. Er schließt alles mit ein. Dies nur dazu, wenn du dir über die Persönlichkeit Gottes Gedanken machst.

Ralph Waldo Emerson sagt:

“[...] wenn aber eines Tages eine inbrünstige Frömmigkeit deine Seele ergreift und erfüllt – gieb ihr mit ganzer Seele nach und laß sie deinen Gott immerhin mit Gestalt und Farbe bekleiden.

Gib nach, und du wirst zur tieferen Wahrheit, zu einer klareren Erkenntnis geführt werden.


Es geht mir nicht darum, dass du bekennst: “Ich glaube an Gott.” Ich wünsche mir nur, dass du mit den Worten eines großen Wissenschaftlers aufrichtig und ernsthaft sagst: “Ich glaube an das Gute und werde mein Leben danach gestalten”, denn diese Hingabe ist der erste Schritt auf dem Weg, der zu der reichsten, schönsten, einzig wirklich erfüllenden Erfahrung führt, die dem Menschen möglich ist: die Gemeinschaft mit Gott.

Kundtaten eines Sonntagsredners in gerechter Sprache

RELIGION — GOTT — DAS GEISTIGE LEBEN — DIE BIBEL — GEBETE — JESUS CHRISTUS — HÖLLE UND HIMMEL — UNSTERBLICHKEIT — DER TEUFEL — DAS PROBLEM DES BÖSEN — DIE KIRCHE

 



Auszug Nr. 2 aus

Was ich glaube

und warum ich es glaube

von REYNOLD E. BLIGHT

Taschenbuch, ca. 100 Seiten

ISBN 978-3-9524616-0-0

Ab Herbst 2022 bei Big Bell Books

D EUR 9,80 A EUR 10,00 CH CHF 12,20

 

Reynold E. Blight (1879–1951) war Pastor der Los Angeles Fellowship und der Church of The People, zwei progressiven Christengemeinden, die unter dem Einfluss des Amerikanischen Transzendentalismus (Ralph Waldo Emerson), der Neugeist-Bewegung (Positives Denken) und einer wiederentdeckten, undogmatischen Spiritualität die Christenheit in den USA liberal prägten. Er galt als kleiner Gigant der Vortragskunst und war ein begnadeter Redner seiner Zeit.

 
 


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