• Reynold E. Blight

“Die Auswirkung dieser zunehmenden Erkenntnis ist bahnbrechend”

Hoffnung für alle. Antworten auf Glaubensfragen, die uns bewegen. Reynolds Überzeugungen über DAS GEISTIGE LEBEN. Dritter Auszug aus der erbaulichen Redensammlung “Was ich glaube und warum ich es glaube”.

 

Die gute Nachricht

RELIGIONGOTT — DAS GEISTIGE LEBEN — DIE BIBEL — GEBETE —JESUS CHRISTUS — HÖLLE UND HIMMEL — UNSTERBLICHKEIT — DER TEUFEL — DAS PROBLEM DES BÖSEN — DIE KIRCHE

 

DAS GEISTIGE LEBEN


Wenn ein Mensch sich ernsthaft und hingebungsvoll dafür entscheidet, an das Gute zu glauben und sein Leben danach auszurichten, dann beginnt für ihn ein neues Dasein. Er legt neue Maßstäbe an, nach denen er sein Handeln bemisst, geht von neuen Idealen aus, anhand derer er seine Motive prüft und setzt sich ein neues Ziel, nach dem er sein Leben orientiert.

REYNOLD E. BLIGHT

Bald wird er erkennen, dass er ein geistiger Mensch ist, der in einem geistigen Universum lebt. Diese große Wahrheit wird vielleicht nicht auf einmal gänzlich offenbar. Sie wahrzunehmen mag ein langsamer und allmählicher Prozess sein, aber sie offenbart sich gewiss. So wie ein kleiner Junge, der zum Knabenalter übergeht, sich seiner selbst bewusst wird, so erwacht der Mensch, der in dieses neue, von Güte beherrschte Leben übergeht, zu geistigem Bewusstsein oder nimmt eine neue Erfahrung der Selbstverwirklichung auf.


Das bisherige Leben des Essens und Trinkens, der einfachen Bequemlichkeiten, der alltäglichen Gewohnheiten, der sinnlichen Befriedigungen, der Routinearbeit, der Enge, der Vorurteile, der Schwäche, der Sünde, des Egoismus und der Trivialität ist nur ein Traumleben, das unwirklich und unwürdig ist. Selbst die intellektuellen Errungenschaften sind im Vergleich dazu von geringem Wert. Unter dem Licht der Güte, dem er sich geweiht hat, lernt er, dass er nicht nur ein Körper ist, der ernährt, eingekleidet und umsorgt werden muss, dass er nicht nur Verstand ist, der erzogen und entwickelt werden muss, er entdeckt, dass er Geist ist, und dass er und das Gute auf eine reale, wenn auch subtile Weise eins sind.


Dieses zunächst nur vage wahrgenommene Erkennen wird allmählich immer deutlicher. Die tiefste Freude seines Lebens kommt auf, wenn er entdeckt, dass er sich dieses inneren Lebens, das sich durch ihn in Tugend, Anmut und Segen ausdrückt, immer bewusster wird, je mehr er sich diesen edlen und selbstlosen Impulsen hingibt. So wird er sich der Göttlichkeit seines Wesens bewusst.


Die Auswirkung dieser zunehmenden Erkenntnis ist bahnbrechend. Er wird ein neues Wesensgeschöpf. Das Alte vergeht, alles wird neu. Alte Ambitionen, Gewohnheiten, Ideale, Hoffnungen, Träume, die alle in Begriffen der Selbstsucht und Eingrenzung ihren Ausdruck fanden, machen Platz für Bestrebungen, Absichten und Ideale, die uneigennützig sind und Allgemeinzwecken dienen, die ihn innerlich zu einem klaren Kanal für die Manifestation des göttlichen Lebens machen.


Wie eine unaufhaltsame Energieflut durchströmen Güte, Barmherzigkeit, Mitgefühl, Toleranz, Anmut, Aufrichtigkeit und Liebe seine Gedanken, Blicke, Worte und Taten, erwecken sein tiefstes Wesen und bilden eine moralische Dynamik, sobald sie mit dem Leben anderer in Berührung kommt. Wenn er ein Redner ist, vibriert sein Vortrag mit einnehmender Kraft. Wenn er ein Schriftsteller ist, blinkt seine Feder mit einem elektrischen Funken. Wenn er ein Politiker ist, nimmt seine Politik einen staatsmännischen Schwung an. Wenn er ein Lehrer ist, pulsiert sein Unterricht mit einem belebenden Elan, der effizienter ist als der Stoff seiner Lehrbücher. Wenn er ein Kaufmann ist, verspüren selbst sein niedrigster Angestellter und sein entferntester Kunde die Schwingung seiner erwachten Seele. Wenn seine Arbeit wie gewohnt und routinemäßig abläuft, nimmt sie nun eine tiefe Bedeutung an, selbst wenn nur seine Seele diese versteht. Das ist das geistige Leben. Es ist die spirituelle Wahrheit, die sich in der tagtäglichen Erfahrung verwirklicht.

Das geistige Leben besteht nicht nur aus Meditation, dem Gebet und der Philanthropie. Es ist ein Geist, der am vollsten in den alltäglichen Arbeitspflichten zum Ausdruck kommt: Kinder unterrichten, Bücher führen, Straßenbahn fahren, Straßen fegen, Waren verkaufen, Geschirr abwaschen, Freunde unterhalten oder in einem Bankinstitut arbeiten.


Auch ist das geistige Leben kein Leben voller Stress und Anspannung, den Konflikten mit dem Übel, dem Ringen mit der Versuchung und den schlechten Gewohnheiten. Eher ist es ein Leben der Entspannung. Die neue Zuneigung verdrängt die alten Vorlieben. Die prächtigeren Ideale destruieren die überkommenen Ambitionen. Die neue Kraft nimmt die Seele in Besitz und lässt keinen Raum für böse Gedanken und Begierden, die ihn früher geplagt haben.


Das geistige Leben ist kein selbstgefälliges Pharisäertum, kein Gottesdank dafür, dass man nicht so ist wie andere Menschen, keine »Ich bin heiliger als du«-Haltung. Selbstgerechtigkeit ist der sanften Aufrichtigkeit und kindlichen Einfalt, die den wahrhaft spirituellen Menschen auszeichnen, zuwider.


Auch ist das geistige Leben kein strenger Puritanismus. Die wunderbaren Eigenschaften der Güte bereichern das Leben auf tausend Arten. Die Pracht und die funkelnde Fröhlichkeit der Natur spiegeln die erleuchtete Seele in all ihrer Herrlichkeit wider, eine Herrlichkeit, die in den Taten und Worten voller Liebe und Zärtlichkeit erstrahlen muss. Strenge, Düsternis und Bigotterie liegen am weitesten von einem wahrhaft spirituellen Leben entfernt.


Während sich also die Umwälzung im Inneren vollzieht, wird im Außen eine neue Welt erschaffen, denn er betrachtet das Universum mit erleuchteten Augen. Das Universum, das sich dem Wissenschaftler als geordnet, vernünftig und zweckmäßig zeigt, offenbart sich dem erwachten Geist als die Schöpfung einer allweisen, allmächtigen, allgütigen Macht. Für den Wissenschaftler gibt es keinen leeren Raum, kein Wunder und keine Willkür und keinen Bruch in den ewigen Gesetzen. Für den spirituellen Menschen gibt es nirgends etwas Böses und keine Zwietracht. Sein Auge nimmt die Schönheit wahr, die alles durchdringt. Sein Ohr ist auf die kosmische Musik des Universums eingestimmt, denn er weiß:

Auch im Schlamm und Abschaum der Dinge singt immer etwas, immer. Ralph Waldo Emerson, Music
RALPH WALDO EMERSON

Die Verwirklichung des Geistes lässt die materielle Welt unerheblich werden, und das Zeugnis der Sinne findet in der Erkenntnis der spirituellen Wahrheit ihr Korrektiv. Die Ordnung der Welt ist die Gewissheit, dass das ganze Universum in triumphalem Marsch auf ein »fernes, göttliches Ereignis« zusteuert. Es stellt sich also auf eine kluges und konsequentes Zusammenwirken mit dieser immanenten Macht ein. Er ordnet sich selbst dem universalen Ziel unter. Er findet heraus, dass die innere Güte auf die äußere Güte Resonanz zeigt, und erfährt dadurch, dass der Zweck seines Lebens und des Lebens der Welt darin besteht, diese innere Güte zum vollen Ausdruck zu bringen, und gibt sich mit erneuter Weihe hin, um diese Güte in jedem Augenblick des Lebens zu bekunden. So lernt er, mit dem evolutionären Ziel zusammenzuarbeiten und wird auf diese Art zu einem Schöpfer.


Er emanzipiert sich von der Knechtschaft der Sinne, er ist befreit von der Sklaverei der Sünde, der Angst, der Unwissenheit und der Schwäche. Er wird ein Lebensmeister. Die Welt wird durch seine Berührung plastisch. Die Einschränkungen, unter denen er litt, werden zu Flügeln, die ihn in den Himmel emporheben. Der Mesmerismus der materiellen Welt fällt von ihm ab wie ein schlechter Traum und er erwacht zum Bewusstsein seiner eigenen Göttlichkeit und spirituellen Kraft. Er hat den Spruch »Sesam öffne dich« erfahren, der ihm das Schatzhaus Gottes öffnet. Ihm ist das Meisterwort gegeben worden, das nur die Meister wissen dürfen. Seine Erfahrung lässt sich nicht beschreiben, weil sie die Sprache bei weitem übersteigt. Sie ist Friede, Gelassenheit, Kraft, Erfolg und Selbstverwirklichung in einem.


Er erfährt Gott. Die Güte, der er sich verschrieben hat, die in ihm zu einer schöpferischen Kraft wird und voller Anmut durch sein Leben fließt, ist nicht irgendeine dunkle, nebulöse, unfühlbare Kraft wie Magnetismus, Gravitation oder Elektrizität. Sie strotzt vor Leben, ja, sie ist das Leben selbst. Sie ist Gott. Er tritt in Kommunion. Er erfreut sich eines zärtlichen, kindlichen Bezugsverhältnisses. Er erfährt die Gemeinschaft mit Gott. Auch hier versagt die Sprache. Der Tölpel kann die Eingebung des Künstlers nicht erahnen, der Feigling kann dem Helden nicht nachempfinden, der Sinnesmensch kann die reine Liebe nicht würdigen, noch kann die fleischliche Gesinnung das geistige Leben ermessen. Denn um es zu verstehen, muss man es durchleben.

Bekundungen eines Sonntagsredners in gerechter Sprache

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Auszug Nr. 3 aus

Was ich glaube

und warum ich es glaube

von REYNOLD E. BLIGHT

Taschenbuch, ca. 100 Seiten

ISBN 978-3-9524616-0-0

Ab Herbst 2022 bei Big Bell Books

D EUR 9,80 A EUR 10,00 CH CHF 12,20

 

Reynold E. Blight (1879–1951) war Pastor der Los Angeles Fellowship und der Church of The People, zwei progressiven Christengemeinden, die unter dem Einfluss des Amerikanischen Transzendentalismus (Ralph Waldo Emerson), der Neugeist-Bewegung (Positives Denken) und einer wiederentdeckten, undogmatischen Spiritualität die Christenheit in den USA liberal prägten. Er galt als kleiner Gigant der Vortragskunst und war ein begnadeter Redner seiner Zeit.

 
 


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