• Reynold E. Blight

“Diese Erfahrung ist kein versonnener Mystizismus”

Hoffnung für alle. Antworten auf Glaubensfragen, die uns bewegen. Reynolds Überzeugungen über JESUS CHRISTUS. Sechster Auszug aus der Redensammlung “Was ich glaube und warum ich es glaube”.

 

Die gute Nachricht

RELIGIONGOTTDAS GEISTIGE LEBEN — DIE BIBEL — GEBETE — JESUS CHRISTUS — HÖLLE UND HIMMEL — UNSTERBLICHKEIT — DER TEUFEL — DAS PROBLEM DES BÖSEN — DIE KIRCHE

 

JESUS CHRISTUS


Man kann über Jesus von Nazareth sagen und glauben, was man will, ihn als den menschgewordenen Gott preisen, ihn als Idealmenschen anerkennen oder als großen Lehrer würdigen, doch man wird in jedem Fall zugeben müssen, dass er die bemerkenswerteste, faszinierendste und bedeutendste Gestalt der Geschichte ist. Der Engelsgesang über seiner Krippe läutete eine neue Ära ein. Die Gezeiten der Geschichte tosen um das einsame Kreuz auf Golgatha, und die Herrlichkeit, die von seinem makellosen Leben ausstrahlt, durchflutet alle nachfolgenden Zeitalter mit einem Licht, dessen zunehmender Glanz jenen lang ersehnten Tag verheißt, an dem Hoffnung, Friede und Liebe die Erde mit Freude und Anmut erfüllen werden.

REYNOLD E. BLIGHT

Glanz und Gloria imperialer Herrscher sind geschmacklos im Vergleich mit dem mystischen Diadem des triumphalen Menschentums, das seine Stirn krönt. Jede nachfolgende Generation zollt ihm mit ihrer Zuneigung Tribut und liebende Hände umranken sein Kreuz mit unvergänglichen Lilien.


Ich gebe zu, dass ich mich nicht sonderlich für den theologischen Christus interessiere – den Christus der Glaubensbekenntnisse, den Christus der verwickelten und verwirrenden Metaphysik, den Christus der Spekulation und den Christus der Wunder. Doch ich liebe es, ihm als meinem Lehrer zu Füßen zu sitzen.


Es stimmt, dass die grundlegenden Prinzipien seiner Lehren bereits uralt waren, als er seine goldenen Worte sprach, aber er griff die volksreligiösen Vorstellungen seiner Zeit auf und gab ihnen eine neue – eine spirituelle – Bedeutung. Die Vaterschaft Gottes, die Menschenbruderschaft, das Himmelreich, die Göttlichkeit der menschlichen Seele, die durch seine Sprache übersetzt und in die Größe und Herrlichkeit seiner erhabenen Persönlichkeit verwandelt wurden, nahmen eine Bedeutung an, die sie zuvor nie hatten.


Seine Moralvorstellungen sind universell und allen Religionen eigen, aber seine Ethik war neu. Die alten Lehrer gründeten ihre Moral auf Autorität, Pflichterfüllung, Eigennutz und Patentreue. Jesus gründete seine auf Liebe. Wann immer ihn ein Zyniker oder ein aufrichtig Suchender nach dem Sitz der moralischen Autorität befragte, antwortete er stets: “Du sollst lieben Gott deinen Herrn.” [Matthäus22:37] Gemessen an den Lehren Jesu lassen sich der Geist, die Moral, die Glaubenslehren und das Evangelium des Christentums allesamt in dem einen Wort “Liebe” zusammenfassen.


Ich führe ihn mir gerne als Mensch unter Menschen vor Augen. Es ist so viel über die einzigartige Gottheit Jesu gesagt worden, weshalb sein Menschsein aus dem Blickfeld geraten ist. Es ist jedoch offensichtlich, dass, wenn er in einem einzigartigen Sinne göttlich war, wir nichts von diesem Teil seiner Natur wissen können. Wir können nur jenen Teil kennen, den wir mit ihm gemeinsam haben. Ich stehe verlegen vor seinem strahlenden Menschentum und bin über meine Kleinheit beschämt. Und doch erfreut es mich, ihn zu betrachten, weil ich weiß, dass die Göttlichkeit, die sein Leben zu einem glorreichen Triumph werden ließ, auch mir innewohnt. Ich glaube daher von ganzem Herzen an die Göttlichkeit Jesu. Ich glaube an den verklärten Christus.


Alle Ideale und Sehnsüchte unserer abendländischen Welt kreisen einvernehmlich um seinen Namen. In Anbetracht dieser Tatsache ist die bloße Historizität Jesu von geringer Bedeutung. Selbst wenn künftige Untersuchungen bestimmte aufgezeichnete Begebenheiten seines Lebens in Zweifel ziehen könnten, ja, selbst wenn sich die ganze Geschichte Jesu als Mythos herausstellen sollte, würde das Ideal des Christus, wie es von frommen Seelen aller Glaubensrichtungen vertreten wird, aufrecht bestehen bleiben. Und dieses Ideal würde zu wunderbarem sittlichem Streben und geistigen Errungenschaften anregen.


Jesus ist heute die stärkste geistige Kraft der Welt, weil er der größte Liebende der Welt war. Darin lag das Geheimnis seiner enormen Macht über die Menschen, als er auf Erden wandelte, und erklärt seine Herrschaft über die Herzen der Menschen im Heute. Darin unterschied er sich von anderen großen Lehrern. Diese gaben Gebote und Weltanschauungen – er aber gab ein Leben. Sie sagten: “Seid gut” – er zeigte an sich selbst, dass sich das Gute nur durch Liebe bestimmen lässt. Er sprach nicht nur von “Liebe”, sondern stellte die Macht eines Lebens in Liebe zur Schau.

Es ist höchst bedauerlich, dass die Bedeutung von Leben und Werk Jesu von Theologen und Predigern so hintangestellt wurde. Die ausgeklügelten Heilspläne und die verwickelten und verwirrenden Lehren über das Sühnopfer haben den Laienverstand hoffnungslos überfordert. Dennoch sind sich alle Glaubensfraktionen darin einig, dass er gekommen ist, um Gottes Herz zu offenbaren, dass er durch seine Lehren, sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung gezeigt hat, dass Gott Liebe ist, und dass er zum Erlöser der Welt wurde, weil er liebte. Darauf können wir uns alle einigen. Und warum sollten wir über die Metaphysik des Themas im Streit liegen, wenn wir uns alle über den wahren Kern der Sache einig sind?

Die Kirche hat zu viel Zeit damit vergeudet, Debatten über die Person, das Werk und das Wesen Jesu zu führen. Ihr Hauptaugenmerk hat sich auf Palästina und die Begebenheiten gerichtet, die sich dort ereignet haben. Doch es gibt eine große Wahrheit, die verglichen damit alle Spekulationen albern aussehen lässt. Es ist die Erfüllung der Verheißung “Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.” [Matthäus28:20]


Christus ist heute bestimmt gegenwärtiger, als er es im alten Judäa jemals war. Er bewegt sich unter den Menschen. Er pocht in den Herzen der Menschen – im Herzen eines jeden Menschen. Sich dieser Tatsache bewusst zu werden, bedeutet, ein geistliches Leben zu führen. Dies war im Wortlaut einer jeden Predigt enthalten, die Paulus hielt:

“Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.” [Brief des Paulus an die Galater 2:20]
“Denn Christus ist mein leben.” [Brief des Paulus an die Philipper 1:21]

Weltlich Gesinnten mag dies als Torheit erscheinen. Für die erweckte und erleuchtete Seele ist Christus jedoch eine reale, lebendige Präsenz.


Diese Erfahrung ist kein versonnener Mystizismus. Sie ist äußerst praktisch. Sie beherrscht das Leben. Es ist sinnlos, Lieder über Jesus zu singen, wenn wir ihm nicht folgen. Es ist sinnlos, ihn zu verehren, wenn wir ihm nicht nacheifern. Es ist sinnlos, seinen Namen zu tragen, wenn wir nicht an seinem Geist teilhaben. Es ist sinnlos, Jesus anzubeten, wenn wir dadurch nicht das Gefühl unserer eigenen Göttlichkeit stärken. Es ist sinnlos zu glauben, dass Gott in Jesus war, wenn wir nicht Gott in uns selbst spüren. Es ist sinnlos, uns zum Glauben an die Auferstehung zu bekennen, wenn Christus nicht in uns auferstanden ist. Es ist derjenige ein Christ, der mit Ernsthaftigkeit versucht, dem Christus-Geist des Vertrauens und der Liebe Gestalt zu geben, der sein Leben in Mitgefühl und Fürsorge fließen lässt, der sich selbst hingibt, um seine eigene Göttlichkeit zu verwirklichen, und der schließlich in die Glückseligkeit der Erfahrung tritt, die Jesus gekannt und seinen Jüngern verheißen hat:

“Ich und der Vater sind eins.” [Johannes10:30]

Kundtaten eines Sonntagsredners in gerechter Sprache

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Auszug Nr. 6 aus

Was ich glaube

und warum ich es glaube

von REYNOLD E. BLIGHT

Taschenbuch, ca. 100 Seiten

ISBN 978-3-9524616-0-0

Ab Herbst 2022 bei Big Bell Books

D EUR 9,80 A EUR 10,00 CH CHF 12,20

 

Reynold E. Blight (1879–1951) war Pastor der Los Angeles Fellowship und der Church of The People, zwei progressiven Christengemeinden, die unter dem Einfluss des Amerikanischen Transzendentalismus (Ralph Waldo Emerson), der Neugeist-Bewegung (Positives Denken) und einer wiederentdeckten, undogmatischen Spiritualität die Christenheit in den USA liberal prägten. Er galt als kleiner Gigant der Vortragskunst und war ein begnadeter Redner seiner Zeit.

 
 


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