• Reynold E. Blight

“Der Himmel, den wir im Heute erleben, ist real und echt”

Hoffnung für alle. Antworten auf Glaubensfragen, die uns bewegen. Reynolds Überzeugungen über HÖLLE UND HIMMEL. Siebter Auszug aus der erbaulichen Redensammlung “Was ich glaube und warum ich es glaube”.

 

Die gute Nachricht

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HÖLLE UND HIMMEL


Ich glaube an die Hölle. Natürlich glaube ich nicht an die althergebrachte Vorstellung von einer Hölle aus Feuer und Schwefel. Der beste Gedanke des Tages hat den Glauben an eine Ewigkeit in Folter und Qual verworfen.

REYNOLD E. BLIGHT

Die Lehre von der ewigen Pein ist mit jedem Glauben an die Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Güte oder Weisheit Gottes nicht vereinbar. Selbst für ein sündiges Leben ist eine Ewigkeit der Qualen eine zu harte Strafe, wenn man die Schwäche, die Unwissenheit und die angeborene Torheit des Menschen bedenkt. Wie können wir die Güte Gottes mit einer Theologie in Einklang bringen, die besagt, dass der Mensch mit dem Fluch der Sünde Adams geboren wird, zum Bösen neigt, von Natur aus verdorben und dennoch zu unendlichem Elend verdammt ist, weil er, bedingt durch diese Vorbelastung, nicht auf die Ermahnung eines Evangelisten hört und ein rechtschaffener Mensch wird? Welche Weisheit soll in der Erschaffung von Abermillionen von Männern und Frauen liegen, wenn nach der Volkstheologie die überwiegende Mehrheit von ihnen im Dunklen tappt und durch das Leben stolpert, um schließlich in die ewigen Flammen zu stürzen? Eine solche Glaubenslehre wäre grotesk, wenn nicht erschütternd. Thomas Paine sprach einen löblichen Gedanken aus, als er sagte: “Jedes Religionssystem, welches das Erschrecken des Verstandes eines Kindes beinhaltet, kann nicht wahr sein.”


Wir wissen, dass die Androhung des Höllenfeuers sich nicht dafür eignet, die Menschen zum Guten zu zwingen. Wir haben gelernt, dass eine aus Angst geborene Moral von zweifelhaftem Wert ist. Kirchgang und Frömmigkeit sind daher nicht mehr länger bloß Prämien für eine postmortale Feuerversicherung.

Ich kann nicht glauben, dass ein weiser und liebevoller Schöpfer es zulassen würde, dass auch nur eines seiner Kinder in der ewigen Dunkelheit verloren geht. Seine Kinder mögen auf verschlungenen Pfaden der Sünde und der Verkehrtheit weit von ihm abirren, aber seine Liebe wird ihnen, mit sehnsüchtiger Agonie, durch viele Leben hindurch folgen, und sie wird nicht aufhören, bis das letzte sündenkranke, müde Kind zum Herzen des Vaters taumelt, um von der Liebe des Vaters umfangen zu werden.

Das mag blanke Häresie sein, aber ich werde hartnäckig an diesem Glauben festhalten und mich von Dogma und Priester auf Jesus berufen, der in diesen beiden wunderbaren Gleichnissen von den Neunundneunzig Gerechten und dem verlorenen Sohn die Liebe des Vaters offenbart hat.

Dennoch glaube ich an Höllen, an persönliche und soziale.

In unserer Torheit und Sünde schaffen wir uns selbst Höllen. Die Hölle, die in unserem Herzen brennt, geschaffen durch ein aufgewühltes Gewissen und angefacht durch Verderbtheit, ist schrecklicher als jede theologische Fantasiehölle. Arthur Dimmesdale aus Nathaniel Hawthornes Roman Der scharlachrote Buchstabe am Fuße des Galgens, Lady Macbeth, die sich das Blut von ihren Händen wäscht, Titus Tatius, der König der Sabiner, der mit Schrecken in das Antlitz seiner Gönnerin Tarpeia blickt, die er auf niederträchtige Weise verraten hatte – sie alle erleiden Qualen, die die Hölle der Theologie geradezu albern erscheinen lassen.

Der betagte Omar Chayyām hatte Recht, als er erklärte:

Ich schickte meine Seele durch das Unsichtbare, um mir Kunde von jenem Leben nach dem Tod zu bringen. Bald darauf kehrte sie zu mir zurück und antwortete: “Ich selbst bin Himmel und Hölle.” OMAR CHĀYYAM

Wir schaffen auch soziale Höllen. Wir müssen nicht erst in der religiösen Literatur suchen, um Höllenbeschreibungen zu finden. Was sind Krieg, Ausbeutungsbetriebe, Kinderarbeit, Gefängnisse, Rotlichtviertel, die Weiße Pest (Tuberkulose) denn anderes als schreckliche und fürchterliche Höllen? Gott hat sie nicht erschaffen. Sie werden durch menschliche Gier, durch den Hass und die Torheit geschaffen und aufrechterhalten.

Und wie sollen wir diesen persönlichen und sozialen Höllen entkommen? Es gibt nur eine Antwort: Wir müssen aufhören, sie zu schaffen.

Doch viel lieber würde ich über den Himmel sprechen.

Gibt es in weiter Ferne eine magische Stadt mit goldgepflasterten Straßen, in der Chorengel bis in alle Ewigkeit musizieren? Ich weiß es nicht, und eigentlich interessiert es mich recht wenig. Für die meisten Menschen ist der Himmel nicht besonders attraktiv. Viele von uns sind wie der gute Mann, der von einem Freund gedrängt wurde, seine Meinung über die Möglichkeit eines Lebens nach dem Tod zu äußern, und der gereizt antwortete: “Natürlich glaube ich, wenn du mich dazu drängst, dass wir alle in die ewige Glückseligkeit eingehen werden, aber ich wünschte wirklich, du würdest nicht über so unangenehme Themen reden.”

Ich weiß, dass wir nicht sterben müssen, um in den Himmel zu kommen, wenn ihr mit Himmel einen Zustand des Friedens, der Gelassenheit und der geistigen Verwirklichung meint. Ich lehne es ab, meinen Himmel auf später aufzuschieben. Der Himmel jenseits des Grabes ist eine eher ungewisse Angelegenheit. Der Himmel, den wir im Heute erleben, ist real und echt.

So wie wir durch Torheit und Sünde unsere eigenen Höllen schaffen, so schaffen wir durch Liebe und Mitgefühl unseren eigenen Himmel und halten ihn durch sittliche Hingabe aufrecht.


PATER EDWARD THOMPSON TAYLOR

Diese innere Erkenntnis hat eine subtile und doch kraftvolle Wirkung auf unsere äußeren Umstände, bis selbst die unwirtlichste Umgebung schön wird. Der gute alte Pater Edward Taylor hatte hierfür die richtige Idee. Als er wegen seiner Freundschaft mit dem reinherzigen Ralph Waldo Emerson gescholten wurde und man ihn daran erinnerte, dass Emerson für seine Ketzereien in die Hölle fahren würde, antwortete er: “Das mag sein, aber wenn Waldo Emerson in die Hölle kommt, wird sich dort das Klima augenblicklich verändern, und auf diese Weise wird bald darauf eine Immigration einsetzen.”

Was macht den Himmel aus? Die Liebe? Die Anbetung des Höchsten, wie sie in dem Kirchenlied “The Glory Song” zum Ausdruck kommt? Ist er die Belohnung für gute Taten? Gibt er uns Gelegenheiten, um großherzige Fürsorge zu leisten und Möglichkeiten zur Selbstentfaltung und zum Selbstausdruck? Die Verwirklichung der Gegenwart Gottes?

Das alles können wir schon jetzt haben!

Als man ein Kind fragte: “Wo ist der Himmel?”, gab es zur Antwort: “Der Himmel ist dort, wo Gott ist.” Und diese Antwort war richtig.


Gott ist im Hier und Jetzt gewiss genauso gegenwärtig, wie er es in einer fernen Zukunft oder an irgendeinem Ort oder Zustand jemals sein wird. Erkenne darin eine lebenswichtige Erfahrung und du hast den Himmel erreicht.

Allein dir, o unsagbare Liebe, ist dein rettender Name gegeben, Von dir abkehren ist die Hölle, doch mit dir wandeln, wie im Himmel zu leben JOHN GREENLEAF WHITTIER, “The Master”

Kundtaten eines Sonntagsredners in gerechter Sprache

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Auszug Nr. 7 aus

Was ich glaube

und warum ich es glaube

von REYNOLD E. BLIGHT

Taschenbuch, ca. 100 Seiten

ISBN 978-3-9524616-0-0

Ab Herbst 2022 bei Big Bell Books

D EUR 9,80 A EUR 10,00 CH CHF 12,20

 

Reynold E. Blight (1879–1951) war Pastor der Los Angeles Fellowship und der Church of The People, zwei progressiven Christengemeinden, die unter dem Einfluss des Amerikanischen Transzendentalismus (Ralph Waldo Emerson), der Neugeist-Bewegung (Positives Denken) und einer wiederentdeckten, undogmatischen Spiritualität die Christenheit in den USA liberal prägten. Er galt als kleiner Gigant der Vortragskunst und war ein begnadeter Redner seiner Zeit.

 
 


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