• Karin Bat

Die schönen Künste im Zeichen des Wassermanns

Planetare Einflüsse und Bildwirkungen der Saturn-Energie in der bildenden Kunst. Eine astrologische Gemäldestudie von Künstlern, die im Sternzeichen Wassermann geboren wurden.

+++ CALENDARIUM ASTRUM ARTIFICIUM AQUARIUS +++

ARIES TAURUS GEMINI CANCER LEO VIRGO LIBRA SCORPIUS SAGITTARIUS CAPRICORNUS AQUARIUS PISCES

Der Charakter des freiheitsliebenden Wassermanns ist von der Energie des unruhigen Planeten Uranus geprägt, der in der Astrologie dem Element Luft angehört. Vor der Entdeckung des Uranus im Jahr 1781 war dem Wassermann der Saturn zugeordnet. Während man den Steinbock – auch er wird vom Saturn dominiert – den »Erdsaturn« nennt, repräsentiert der Wassermann die geistigen Aspekte dieses Planeten, was die Energie dieses Tierkreiszeichens in ihrer idealen Form erfasst.

Der Blick des Wassermanns ist distanziert, als würde er das irdische Treiben aus weiter Ferne beobachten. Mit diesem Abstand zu den Dingen nimmt er alle Widrigkeiten und Unvereinbarkeiten wahr. Auf der konkreten Ebene veranlasst ihn diese Weltsicht dazu, sich selbst zurückzunehmen und sich für eine gerechtere Welt einzusetzen. Auf der geistigen Ebene sucht er nach dem Ort, an dem sich alle irdischen Polaritäten auflösen.



Bildnisse: Isolation, Distanziertheit, Bescheidenheit

In der Porträtmalerei der Wassermanngeborenen geht es nicht darum, eine Person möglichst gefällig in reicher Ausstattung darzustellen, und auch nicht darum, ihre Individualität hervorzuheben. Sehr viele Bildnisse stellen die Person vielmehr bescheiden und verschlossen dar. In der Porträtmalerei des Wassermanns wird die gesellschaftliche Ausrichtung dieses Zeichens deutlich.


Eine Bar im Folies-Bergère

Éduard Manet (*23. Januar 1832)

Ein Künstler, der im Sternzeichen Wassermann geboren wurde, wendet sich gerne den Unbeachteten und Namenlosen zu, die ihr Dasein im Schatten führen. Im Pariser Varietétheater Folies-Bergère beachtet der Maler Édouard Manet nicht die glanzvollen Gäste, sondern macht diejenigen ausfindig, die dem fröhlichen Treiben im Hintergrund dienen, ohne selbst daran Anteil zu haben. Auch wenn diese junge Frau hinter der Bar adrett gekleidet ist, so ist es doch nur ihr Arbeitsgewand – eine Art Maskerade. Mit müdem Blick wohnt sie dem vergnügten Trubel bei, wohl in dem Wissen, dass sie nur ein unbedeutender Teil dieser Abendattraktion ist. Sobald ihr Dienst vorüber ist, wird sie sich wieder in ihre bescheidene Garçonnière zurückziehen.


Selbstporträt

Alexandre-Denis Abel du Pujol (*30. Januar 1785)


Das Gesicht dieses jungen Mannes ist in kühles, klares Licht getaucht, und strahlt aus dem dunklen Hintergrund hervor, der keinerlei Hinweis auf den Ort dieses Personenbildes verrät. Wie ins Nichts gestellt, schaut er den Betrachter ernst und nachdenklich an und vermag in seinem Gegenüber Gleiches auszulösen. Dass es sich bei diesem in schlichtes Tuch gewandeten Menschen um einen geborenen Baron handelt, kann man nicht einmal erahnen. Und dass dieses Gemälde auch noch ein Selbstbildnis von ihm ist, frappiert vollends. Es zeigt besonders deutlich das Anliegen des Wassermanns, nicht mit äußeren Dingen zu prunken, sondern sich – manchmal auch übermäßig – bescheiden zu geben und auf den Geist zu setzen.


Betty

Gerhard Richter (*9. Februar 1932)


Dieses fotorealistische Kunstwerk zeigt die Tochter des Malers Gerhard Richter mit abgewandtem Gesicht. Das Bild ist so überdeutlich, dass man meint, die bunte Weste förmlich berühren zu können. Gerade deshalb ist die Abwendung des Gesichts vom Betrachter geradezu quälend: Die junge Frau erscheint zum Greifen nah, doch verweigert sie jedwede Zuwendung. Damit hat Gerhard Richter auf einzigartige Weise einen im Wassermann tief verankerten Impuls zum Ausdruck gebracht, nämlich sich der Nähe zu entziehen, sobald sie zu einer emotionalen Verpflichtung zu werden droht.


Umgebung: Unwegsame Unwirtlichkeit

In der Natur sucht der malende Wassermann – ähnlich wie das weitere vom Saturn regierte Zeichen, der Steinbock – nicht die freundlichen, bergenden Plätze und lieblichen Augenweiden, auch nicht die großen, überwältigenden Landschaften, sondern eher einsame und verlassene Gegenden, in denen das Leben hart oder zumindest abgeschieden ist.


La Crau (Provence)

Paul Camille Guigou (*15. Februar 1834)


In dieser weiträumigen Ebene in der Provence sticht nichts hervor außer einem steinigen Feldweg. Nur ein paar Wandersleute gehen auf die Berge zu, die im tiefen Hintergrund verschwimmen. Sie verstärken den verlassenen Eindruck noch mehr, den diese karstige Landschaft vermittelt. Auch farblich bietet das Gemälde auf den ersten Blick kaum Anhaltspunkte – alles ist in gedecktem Graubraun gehalten. Dabei befinden wir uns im Süden Frankreichs, der mit üppiger Vegetation edler Duftpflanzen reich gesegnet ist. Aber genau in dieser Sinnlichkeit will sich der Wassermann nicht verfangen. Sein Blick ist in die weite Ferne gerichtet, dorthin, wo er sich frei fühlen kann.

Lincoln from the South

Peter de Wint (*21. Januar 1784)


Die hier dargestellte Ansicht von Lincoln, der Heimatstadt von Peter de Wint in den East Midlands von England, zeigt die Türme der Kathedrale in weite Ferne gerückt. Der hohe Himmel, der mehr als die Hälfte des Bildes einnimmt, ist ein typisches Merkmal der Landschaftsmalerei des Wassermanns, was seiner astrologischen Zuordnung zu den Luftzeichen genau entspricht. Anstatt sich der Stadt aus einer gangbaren und zugänglichen Perspektive zu nähern, wählt der Maler eine Stätte voller Felsstücke und anderer herumliegender Hindernisse. Die angrenzenden Wiesen und Bäume scheinen dunkel und undurchdringlich. Im Vordergrund des Bildes wird eine Kuhherde durch das verfallende Gelände einer alten Burg getrieben. Diese Ruine ist ein Hinweis auf den Sinn des Wassermanns für alles Vergängliche.


Hamptons Drive In

Howard Kanovitz (*9. Februar 1929)


Die öffentlichen Räume und Umgebungen unserer Zeit sind reich an selbstgeschaffener Unwirtlichkeit, die der Wassermannmaler dennoch einer Beachtung für wert hält. An einer amerikanischen Überlandstraße mit hochragenden Strommasten ermöglichen es großformatige Displays auch den zügig vorüberfahrenden Wagenlenkern, deren Werbebotschaft aufzunehmen. Angepriesen wird ein Autokino, in dem ein aktueller Film gezeigt wird. Der Asphalt weist eine Bewegungsunschärfe auf, was die Blickwahrnehmung des Entlangfahrenden suggeriert. Die staubige, in gedämpftes Abendlicht getauchte Wüstenstraße ist völlig menschenleer und autofrei. Der Einbruch der Dunkelheit verstärkt zusehends das Gefühl der Isolation und lässt eine Vergeblichkeit spürbar werden, der auch unterhaltsame Ablenkungen wie ein Kinofilm kaum abhelfen können.


Stadt des Orion (City of Orion)

Hannsjörg Voth (*6. Februar 1940)


Mitten in der marokkanischen Wüste hat der Künstler Hannsjörg Voth eine künstliche Stadt errichtet, für die ihm das Sternbild Orion als Vorlage diente. Dieser besondere Ort wurde nach himmlischen Maßen gebaut, womit der kosmischen Perspektive des Wassermanns auf die menschliche Lebenswelt genüge getan wird, da es seine Idealvorstellung ist, die irdische Sphäre nach der Harmonie des Himmels zu gestalten. Die in genau berechneten Abständen gesetzten Türme der in 25 Jahren Bauzeit errichteten Stadt repräsentieren die sieben Hauptsterne des Orion, der in der Stadt befindliche Brunnen den Orionnebel M42. Die Türme sind je nach Größe der Sterne 6 bis 15 Meter hoch und können als astronomische Beobachtungsstätten genutzt werden.

Die Anlage wurde mit ortsansässigen Handwerkern aus gestampftem Lehm in der traditionellen Bauweise von Oasen errichtet. Es entspricht ganz dem Zeitempfinden des Wassermanns, dass diese Werke aus erodierendem Material bestehen, und in nicht allzu langer Zeit dem Wüstensand gleichgemacht werden.

Begrenztheit des Irdischen: Armut und Vergänglichkeit

Der Wassermann denkt im Wesentlichen gesellschaftspolitisch und will die Welt zum Besseren verändern. Sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn führt bei ihm zu einem starken Solidaritätsgefühl mit den Armen. Da der Wassermann zugleich von dem Gefühl durchdrungen ist, dass alles Irdische vergänglich ist, schließt sein Solidaritätsgefühl letztlich die ganze Menschheit mit ein und bewirkt eine tief verankerte pazifistische Grundhaltung.


Holzsammler

Nikolai Jegorowitsch Swertschkow (*1. Februar 1817)

Es ist Winter, es ist eisig kalt, die Natur schenkt nichts mehr. Wer jetzt kein warmes Haus hat, ist den Unbilden der Natur ausgeliefert, wie dieses alte Paar, das im Gestrüpp in der linken Bildmitte nach Brennmaterial sucht. Es hatte offenbar nicht genug Geld, um Holzvorräte für die kalte Jahreszeit anzulegen. Mühsam müssen die Beiden nun Reiser zusammensuchen. Selbst die Vögel leiden Hunger bei dieser Kälte, und auch das Pferd muss mit strohigen Halmen, die vereinzelt aus dem Schnee ragen, vorliebnehmen. Nikolai Jegorowitsch Swertschkow war ein bekannter russischer Maler und konnte seine Bilder – vor allem Pferdemotive und Reitszenen – nicht nur an den Zarenhof, sondern bis nach Frankreich verkaufen. Doch als umsichtiger Wassermanngeborener hat er den Blick für die Armut in seiner Heimat nicht verloren und stellt hier die Mühsal des Lebens in all ihrer Unausweichlichkeit dar.


Die Mahlzeit

Albin Egger-Lienz (*29. Januar 1868)


Für die Armen, wie hier die Osttiroler Bergbauern, stellt das Essen keinen Genuss dar, schon gar nicht in einer verfeinerten und anspruchsvollen Weise. Eine Mahlzeit genügt in ihrem Fall der reinen Notwendigkeit, den Körper und damit die Arbeitskraft zu erhalten. Obwohl die Speisenden eng zusammensitzen und gemeinsam aus einer Schüssel essen, schaut jeder nur vor sich hin oder in sich hinein, so als wären sie trotz ihrer Tischgemeinschaft voneinander isoliert. Die Stube der Bauersleute und ihre Kleidung sind von spärlicher Kargheit und Farbarmut. Einzig der handgeschnitzte Stuhl im Vordergrund gibt zu erkennen, dass in dieser von Zwängen beherrschten Welt doch auch ein wenig Schönheit Platz haben darf.

Die tote Frau

Gustav Adolf Mossa (*28. Januar 1883)


Der Wassermann hat ein starkes Empfinden für die Vergänglichkeit und sieht sie in allen Wesen und Dingen. Auch bei dem, der in gediegenem Wohlstand lebt, wirft die Endlichkeit ihre Schatten voraus. Diese Frau kann noch so prächtige Kleider tragen und mit einem Hündchen unbeschwert durch die Welt spazieren, doch kann auch sie der Begrenztheit des Lebens nicht entrinnen. Gustav Adolf Mossa zeigt dies in seinem Aquarell Die tote Frau in drastischer Deutlichkeit. Diesen ungeschönten Blick auf die Wirklichkeit des Lebens hat der Künstler zu Lebzeiten der Öffentlichkeit vorenthalten und nicht einmal seinen Freunden gezeigt. Man fand seine grotesken Bilder wie dieses erst nach seinem Tod in seinem Nachlass.


The Course of Empire. Desolation

Thomas Cole (*1. Februar 1801)


Da der Wassermann sowohl tief in die Vergangenheit als auch weit in die Zukunft blickt, erstreckt sich sein Sinn für den temporären Wandel über alle Epochen hinweg. In seinem Gemälde Desolation stellt Thomas Cole die Verwüstung eines ehemals mächtigen Reiches dar. Es entstammt dem Zyklus The Course of Empire, in dem er die Entwicklung einer Zivilisation in vier Bilder fasst: Barbarei, Blütezeit, Auflösung (Desolation) und Untergang. Diese Bilder sind sehr bekannt geworden. In Voyage of Life, einem weiteren Zyklus, bearbeitet er dieselbe Thematik auf das Leben einer Einzelperson bezogen, indem er die vier Lebensalter des Menschen darstellt (Kindheit, Jugend, Reife und Alter). So, wie jedes Leben mit Alter und Tod vorübergeht, so geht auch jede sich prachtvoll inszenierende Hochkultur irgendwann unter. Thomas Coles Werk lässt einmal mehr den distanzierten Blick des Wassermanns nachvollziehbar erscheinen, den er auf den Einzelnen und auf die Welt als ganzes wirft.

Technik und Magie: Gerechtigkeit und Fortschritt für alle

Dem Wassermann ist es ein großes Anliegen, die Welt neu und gerechter zu gestalten, und geht dabei ganz auf die Natur bezogen vor. Er glaubt, dass er durch deren Erforschung und der daraus entwickelten Technik eine neue Welt schaffen kann, und in ihr die Natur überwinden kann. Er will also der Erde nicht entfliehen wie die Träumer, die sich mit Wolkenkuckucksheimen zufrieden geben, sondern das irdische Umfeld nach eigenen Vorstellungen bearbeiten und und sie als einen durchstrukturierten, luziden Ort neu erschaffen.


Mädchen mit Brennglas Nicolas Lancret (*22. Januar 1690)


Die Veränderung der Umwelt beginnt mit der Beobachtung der Natur. Eine junge Dame versucht ein Feuer zu entfachen, indem sie die Sonnenstrahlen mit einer Lupe bündelt. Sie betrachtet gespannt das kleine Häufchen Hölzer, um den Augenblick nicht zu verpassen, in dem sie Feuer fangen. Nicolas Lancret bediente als Maler die im Rokoko üblichen Themen wie galante Begegnungen, Bälle und Schäferszenen. Und doch hat es ihn auch zu diesem, für damalige Zeit völlig unüblichen Bild gedrängt. Wie sehr der Wassermanngeborene seiner Zeit oft voraus ist, erkennt man daran, dass er eine Frau dieses Experiment durchführen lässt. Als Fürsprecher benachteiligter Gruppen und Schichten, ist dem Wassermann auch die Emanzipation der Frau ein Anliegen. Dabei ist ihm nicht nur ihre Gleichstellung ein Ziel, sondern die Unterschiedslosigkeit der Geschlechter, die für ihn erst wahre Gleichheit bedeutet.


Die Bauarbeiter (Les Constructeurs)

Fernand Léger (*4. Februar 1881)


In diesem Bild sind Bauarbeiter auf einem hohen Gerüst zugange. Sie arbeiten zusammen, sie tragen gemeinsam die schweren Bauteile, sie sind ein Team. Sie verwirklichen einen Baukomplex, der dem Wohle aller dienen soll und nicht bloß dem Einzelner, so die utopische Vorstellung des Wassermanns. Er hat kein Interesse daran, den Einzelnen in den Vordergrund zu stellen, sondern strebt die Gleichberechtigung aller an. Dabei geht es ihm nicht um die Befindlichkeit Einzelner oder um eine seelische Verbundenheit der Beteiligten, sondern um die Unterordnung aller unter ein gemeinsames, jedem einsichtiges Ziel.

Spellroom

H. R. Giger (*5. Februar 1940)


In diesem düsteren, mit Airbrush-Technik hergestellten Bild, werden auf unheimliche Weise biologische mit technischen Vorgängen verbunden. Drei geradezu gespenstische Hauptakteurinnen sitzen wie Göttinnen an einer Maschine, die scheinbar Menschen produziert. Anatomische Körperteile sind in Regalen gestapelt oder hängen als unbelebte Formen mit ausdruckslosen Gesichtern an Wänden, um in der Maschine verarbeitet zu werden. Auch die »Schöpferinnen« selbst sind mit diesem Aggregat verwachsen. Sie bedienen dieses und werden zugleich von ihm am Leben erhalten. Fasziniert von der Biomechanik dieser Mutantenwesen hat der Schweizer Surrealist H. R. Giger unzählige dystopische Schimären ersonnen. Der Wassermann lehnt das rein Biologische so sehr ab, weshalb er es gerne durch technische Prozesse ersetzen möchte. Dabei verfällt er leicht in bizarre Phantasien, die mitunter abstoßend, ja sogar lebensfeindlich wirken.


Der Alchimist

Carl Spitzweg (*5. Februar 1808)


In diesem Bild befinden wir uns in einem urtümlichen Labor, in dem die Materie mittels Alchemie die in ihr gefesselten Kräfte freisetzen soll. Mit einer höchst geheimen Rezeptur soll reinstes Gold bereitet werden, womit nicht unbedingt das physische Edelmetall gemeint sein muss, sondern auch ein allegorisches Symbol für den höchst entwickelten Geist gemeint ein kann. Der Alchemist schaut gespannt auf seinen Brennkolben, in den bald das vom Feuerofen transformierte Gebräu fließen wird. Der Wassermann möchte die chemischen Prozesse der Natur selbst so weit entwickeln oder schließlich ganz überwinden, um sich dadurch in die Lage zu versetzen, völlig ohne Hilfsmittel mit den Naturkräften magisch zu arbeiten.

Der humorvolle Biedermeiermaler Carl Spitzweg lässt auch hier seinen kecken Witz walten, indem er nicht zu erkennen gibt, ob das geheimnisvolle Experiment auch tatsächlich erfolgreich sein wird.

Rückzug und Vergeistigung

Der Wassermann zieht sich gerne aus der Welt zurück, um möglichst wenig von Sinneseindrücken abgelenkt zu werden und sich der geistigen Welt ganz zu öffnen.


Das Schweigen

Johann Heinrich Füssli (*7. Februar 1741)


Um sich dem Geist zu öffnen, ist ein vollständiger Rückzug erforderlich, und zwar nicht nur von der Umgebung, sondern auch von sich selbst. Es braucht diesen Abstand zu den eigenen Gefühlen, die im Innern quer durcheinander strömen. Diese Selbstdistanz erreicht man dadurch, indem man alle inneren Ungereimtheiten und schwirrenden Gedanken zum Schweigen bringt und sich ganz auf den inneren Freiraum konzentriert.

Mit der Zeichnung Das Schweigen hat der im Sternzeichen Wassermann geborene Künstler Johann Heinrich Füssli die innere Verschlossenheit sichtbar werden lassen und damit ein für seine Zeit ungemein modernes Bild geschaffen.


Elias vom Feuerwagen emporgehoben Giovanni Battista Piazzetta (*13. Februar 1682)


Wer gelernt hat, sich vor den äußeren Eindrücken und Geschehnissen zu verschließen, dem öffnen sich die geistigen Welten. Vom Propheten Elias wird berichtet, dass er viele Wundertaten vollbracht habe, durch die er das Volk Israel in seinem Glauben stärkte. Er hat dafür schwere Kämpfe mit bösen Machthabern ausgetragen, die dem Messias abgeschworen hatten, und wurde vielfach verfolgt. Immer aber wurde ihm himmlische Hilfe zuteil, sodass er seinen Peinigern stets entkam. Trotz dieser unruhigen Umstände konnte sich Elias in die Sphäre der Stille und des göttlichen Lichts begeben, in die er später vollends entrückte, wie es Giovanni Battista Piazzetta in diesem Fresko festhält. Elias war so verbunden mit dieser Dimension, dass er gar keinen leiblichen Tod erleiden musste, sondern, wie es sein zurückbleibender Schüler Elisei unmittelbar bezeugt, mit einem Feuerwagen direkt in die geistige Welt aufsteigen konnte.


Lichtkönig

Ernst Fuchs (*13. Februar 1930)


Dieses Bild zeigt den Menschen, der sich selbst zum geistigen Licht emporgearbeitet hat. Er ist zum »Lichtkönig« geworden, der sich ganz und gar mit der geistigen Welt verbunden hat und über jede irdische Verlockung erhaben ist.

Ernst Fuchs bekannte selbst, dass er seine Themenmotive häufig aus visionären Erfahrungen schöpfte, die ihm das Material für seine Bilder lieferten. Sein »Lichtkönig« ist so hoch energetisiert, dass dieses Ätherlicht wie eine Feuerkrone aus ihm strahlt. Er ist dennoch gefasst und ruhig. Er braucht keine Machtgebärde und keinen Prunk. In ihm ist so viel Kraft gebündelt, dass sie wie ein Magnetfeld wirkt, das jedes Störmoment abschirmt. Damit steht der »Lichtkönig« weit über allen weltlichen Herrschern. Und das Gute daran: Dieses Königtum beruht weder auf Geburt noch auf gesellschaftlichem Rang. Es steht allen offen. Jeder kann diesen Lichtadel in sich nähren.

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Bisher erschienen

WIDDER STIER ZWILLINGE KREBS LÖWE JUNGFRAU WAAGE SKORPION SCHÜTZE STEINBOCK WASSERMANN FISCHE

Lesen Sie auch Sternblick auf die Malerei (ein Interview mit Karin Bat) und die Projektvorstellung Die schönen Künste im Zeichen der Sterne. Vorschau Die nächste Folge der Reihe Sternenmaler steht im Zeichen des Fische und geht am 21. Februar 2021 online. Wer zeitgerecht erinnert werden möchte, registriert sich für unsere Rubrik Einsichten oder abonniert uns auf Facebook. Berühmte Maler, die im Sternzeichen Fische geboren wurden, sind Ferdinand Hodler, Oskar Kokoschka, Piet Mondrian und Auguste Renoir


Über die Autorin

Karin Bat, Jahrgang 1953; geboren und aufgewachsen in Ostwestfalen; Studium der Literaturwissenschaft, Theologie Philosophie und Wissenschaftsjournalistik; berufliche Tätigkeit in der Erwachsenenbildung und im Verlagswesen; seit 1992 in Österreich beheimatet; eingehende Beschäftigung mit Jungianischer Psychologie und dem Tarot; Beratungen, Seminar- und Vortragstätigkeit.

Karin Bat

Astrologin, Theologin, Philosophin

Auf der Alm 1

A-2500 Baden bei Wien

GSM +43 (0) 664-863 01 22

E-Mail: k.bat@gmx.at

© 2020 Karin Bat | Epiphany | Institut für Kulturgeschichte, Leipzig

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